Vaquita – Science, Politics, and Crime in the Sea of Cortez von Brooke Bessesen

Warum gibt es immer weniger Kalifornische Schweinswale (auch Vaquita genannt) im Golf von Kalifornien in Mexiko? Was hat das Verschwinden des Vaquitas mit dem des Totoabas - einer vom Aussterben bedrohten Fischart - zu tun? Die Notlage beider ist schwierig und komplex. Die Autorin Brooke Bessesen versucht in ihrem Buch „Vaquita - Science, Politics, and Crime in the Sea of Cortez“ diese komplizierte Situation darzustellen und macht mit ihrem Buch auf ein aktuelles Geschehen aufmerksam - dem Artensterben!

Vaquita

Titel: Vaquita - Science, Politics, and Crime in the Sea of Cortez
Autor: Brooke Bessesen
Verlag: Island Press
Seitenzahl: 318 Seiten
Erscheinungsjahr: 2018
Sprache: Englisch

Klappentext

In 2006, vaquita, a diminutive porpoise making its home in the Upper Gulf of California, inherited the dubious title of world’s most endangered marine mammal. Nicknamed “panda of the sea” for their small size and beguiling facial markings, vaquitas have been in decline for decades, dying by the hundreds in gillnets intended for commercially valuable fish, as well as for an endangered fish called totoaba. When international crime cartels discovered a lucrative trade in the swim bladders of totoaba, illegal gillnetting went rampant, and now the lives of the few remaining vaquitas hang in the balance.

Author Brooke Bessesen takes us on a journey to Mexico’s Upper Gulf region to uncover the story. She interviewed townspeople, fishermen, scientists, and activists, teasing apart a complex story filled with villains and heroes, a story whose outcome is unclear. When diplomatic and political efforts to save the little porpoise failed, Bessesen followed a team of veterinary experts in a binational effort to capture the last remaining vaquitas and breed them in captivity - the best hope for their survival. In this fast-paced, soul-searing tale, she learned that there are no easy answers when extinction is profitable.

Whether the rescue attempt succeeds or fails, the world must ask itself hard questions. When vaquita and the totoaba are gone, the black market will turn to the next vulnerable species. What will we do then?

Gedanken zum Buch

Als ich vor einigen Jahren einen Vortrag über Lemuren auf Madagaskar an einem international hoch angesehenen Institut hörte, fiel ich zum ersten Mal auf den Begriff „evolutionary extinct“ (Deutsch: „evolutionär ausgestorben“). In dem Vortrag ging es um Lemuren, die vom Aussterben bedroht sind. Die Wissenschaftlerin, die den Vortrag hielt, war eine Genetikerin und untersuchte in ihren Studien die Artabgrenzung innerhalb einer Lemurengattung. Mit diesem Wissen könnte der Artenschutz dieser Lemuren vorangebracht werden.

Eigentlich doch eine sinnvolle Studie, oder?

Aber...

Als dann die Wissenschaftlerin erzählte, dass beim Sammeln des biologischen Materials (hier: Gewebeproben vom Ohr) die Lemuren anästhesiert werden mussten und es auch mal vorkam, dass ein Lemur nicht wieder aufwachte, fragte ich mich: „Wenn es doch schon so wenige von ihnen gibt, sollte man dann wirklich so eine Forschung durchführen?“. Natürlich reagierte ihr Publikum auf ihre Erzählungen. Ihre Meinung dazu war, dass wenn diese Lemurenart ausstirbt, dann wäre sie auch ausgestorben, wenn keines der Tiere bei der Probeentnahme gestorben wäre. Laut ihrer damaligen Aussage kann man nicht mehr viel machen, wenn eine Tierart evolutionär am aussterben ist.

Auch wenn der Vortrag mittlerweile schon zehn Jahre zurückliegt, kann ich mich noch sehr gut an diesen erinnern.

Ich hatte große Schwierigkeiten diese Denkweise zu verstehen.

Nun kam mir der Vortrag beim Lesen des Buches „Vaquita - Science, Politics, and Crime in the Sea of Cortez” von Brooke Bessesen wieder in Erinnerung, da die Worte „evolutionary extinct“ im Buch fielen.

Denn der Vaquita - auch unter dem Namen Kalifornischer Schweinswal bekannt - ist genau wie viele Lemuren nur noch in geringer Anzahl auf unserer Erde vertreten. Laut IUCN sind es aktuell angeblich nur noch weniger als 20 Kalifornische Schweinswale (Stand Juni 2021)! In den 90er Jahren waren es noch zwischen 500 und 600 Tiere. Und 2016 wurde die Population auf weniger als 60 Tiere geschätzt.

Doch warum ist es soweit dazu gekommen?

Und das obwohl auf politischer Ebene Artenschutzmaßnahmen beschlossen wurden!

Genau das versucht die Autorin Brooke Bessesen in ihrem Buch zu enträtseln.

Der Leser/die Leserin erfährt mehr über die lokalen Fischereipraktiken und wie diese mit dem Sterben der Kalifornischen Schweinswale zusammenhängen. Die Autorin erklärt wie das allmähliche Verschwinden einer anderen vom Aussterben bedrohten Art - ein Fisch, dem Totoaba - mit dem Rückgang der Schweinswale im Golf von Kalifornien zu tun hat.

Warum ist es so schwierig sowohl den Kalifornischen Schweinswal als auch den Totoaba im Golf von Kalifornien zu schützen?

Das ist die zentrale Fragen, der die Autorin versucht auf den Grund zu gehen.

Ich wollte das Buch über den Kalifornischen Schweinswal lesen, weil mich seine Geschichte aus Medienberichten schon berührt hatte und ich mehr über seine Notlage wissen wollte. Denn das was aktuell gerade mit dem Kalifornischen Schweinswal passiert, wird sich wiederholen bzw. wiederholt sich gerade andernorts.

Das Erschütternde an der Geschichte über den Kalifornischen Schweinswal ist, dass sein Verschwinden direkt auf das Handeln der Menschen zurückzuführen ist...

Evolutionär ausgestorben hin oder her und so ausweglos die Lage des Kalifornischen Schweinswales auch sein mag, es gibt Menschen, die das Aussterben dieses Schweinswales nicht einfach so akzeptieren wollen und sich weiter für den Erhalt des Kalifornischen Schweinswals einsetzen.

Und genau auch deswegen lege ich jedem dieses Buch sehr ans Herz. Mag der/die eine noch so weit weg wohnen und scheinbar nichts damit zu tun haben, so wiederholt sich das Verschwinden einer Art - seien es Säugetiere, Vögel, Amphibien, Insekten oder oder oder - doch immer und immer wieder an den verschiedensten Orten. Und oft hat ein Verschwinden dann doch irgendwie mit uns Menschen zu tun...

Fazit

Aufwühlend. Herzzerreißend. Und einfühlsam geschrieben. Da es nur noch wenige von den Vaquitas gibt, unbedingt lesen und weitererzählen!

Wusstest du aus Medienberichten schon, dass es immer weniger Kalifornische Schweinswale gibt? Oder kennst du eine ähnliche Geschichte über eine vom Aussterben bedrohte Art? Lass es mich doch in den Kommentaren wissen!

Blog-Beiträge:

Gewöhnliche Schweinswale in der Flensburger Förde

Große Tümmler und andere Delfine in Plettenberg Bay, Südafrika

Guyana-Delfine in der Sepetiba Bay in Itacuruçá, Rio de Janeiro, Brasilien


Mehr Informationen:

Interview mit der Autorin (in Englisch)

Vaquita - Saving the desert porpoise auf Youtube (Video auf Englisch)

Souls of the Vermillion Sea (Halbstündige Dokumentation)

Viva Vaquita (NGO)

Artikel über den Vaquita auf Mongabay

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * gekennzeichnet

Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen. Ich stimme zu, dass meine Angaben zur Kontaktaufnahme und für Rückfragen dauerhaft gespeichert werden. // I have read the Privacy Policy and accept its terms and conditions. I agree that my contact details will be stored permanently for queries.