Im Mai durfte ich ein ganz besonderes Naturerlebnis genießen: die Begegnung mit Kegelrobben in der Wismarer Bucht – ein faszinierender Anblick inmitten der stillen, weiten Küstenlandschaft. Mit etwas Glück lassen sich hier sogar Seehunde entdecken. Ob mir das gelungen ist? In diesem Blogbeitrag nehme ich dich mit auf meine Reise dorthin. Natürlich nutzte ich auch die Gelegenheit, durch die charmante Hansestadt Wismar zu schlendern. Viel Freude beim Lesen und Entdecken!
Die Stadt Wismar
Schon seit längerer Zeit hegte ich den Wunsch, Uferschwalben auf der Insel Poel zu beobachten. Als ich dann entdeckte, dass man in der Wismarer Bucht auch Kegelrobben von einem Boot aus erleben kann, war für mich schnell klar: Dorthin möchte ich reisen!
Doch wo sollte mein idealer Ausgangspunkt für diese Naturbeobachtungen sein?
Die Entscheidung fiel erstaunlich schnell – ganz intuitiv wählte ich Wismar. Und nicht nur aus dem Bauch heraus: Die Stadt liegt genau zwischen der Insel Poel und dem Startpunkt der Kegelrobben-Ausfahrten – ideal also, um beide Ziele bequem mit dem Fahrrad zu erreichen.
Wismar erwies sich ohnehin als perfekter Ausgangspunkt für Radtouren. Zahlreiche gut ausgebaute Radwege führen aus der Stadt in alle Richtungen – eine hervorragende Basis für Erkundungen in der Region.
Information: Du möchtest mehr über die Uferschwalben auf der Insel Poel erfahren? Dann wirf doch einen Blick in einen meiner früheren Blogbeiträge – dort findest du spannende Einblicke und Fotos.
Rückblickend war die Entscheidung für Wismar genau die richtige. Die Stadt hat mich positiv überrascht – mit ihrer ruhigen, sauberen und charmanten Ausstrahlung. Freundlich ist sie auch. Ganz anders als das hektische Berlin, aus dem ich anreiste (auch wenn Berlin natürlich seine eigenen Vorzüge hat).
Ich kam an einem stillen Donnerstagnachmittag an – es war ein Feiertag, also kein gewöhnlicher Werktag in Wismar. Als ich durch die Straßen schlenderte, fragte ich mich: Wo sind all die Menschen?
Zwar begegnete ich vereinzelt Passanten, doch insgesamt wirkten die Straßen fast leergefegt.
Aber das störte mich keineswegs – im Gegenteil. Die Ruhe unterstrich nur die entspannte Atmosphäre der Stadt und ließ mich sofort entschleunigen.
Unten am Hafen herrschte dagegen reges Treiben – dort fand gerade eine Kirmes statt.
Da ich persönlich kein großer Kirmes-Fan bin, ließ ich das bunte Spektakel hinter mir und schlenderte weiter durch die Straßen von Wismar.
Was mir sofort ins Auge fiel: die farbenfrohen Fassaden. Bunt, liebevoll gestaltet, einladend – einfach schön.
Ich mag graue, eintönige Städte nicht besonders. Doch Wismar ist das genaue Gegenteil: lebendig, freundlich, voller Charakter.
Ich konnte mich gar nicht sattsehen an den vielen Details und Farben.
Information: Wusstest du, dass Wismar die sechstgrößte Stadt in Mecklenburg-Vorpommern ist? Rund 43.000 Menschen leben hier (Stand Ende 2024). Außerdem gehört die Altstadt von Wismar seit 2002 gemeinsam mit der von Stralsund zum UNESCO-Welterbe.
Besonders beeindruckt haben mich die zahlreichen Backsteingebäude, die für norddeutsche Städte so typisch sind. Dazu zählt auch die Nikolaikirche, eines der markantesten Bauwerke Wismars.
In unmittelbarer Nähe dieser Kirche befand sich auch meine Unterkunft – eine Wahl, die sich als sehr günstig erwies. Ich wohnte mitten in der Altstadt und war dadurch direkt im historischen Zentrum der Stadt unterwegs.
Auf dem unteren Bild ist ein kleiner Wasserlauf zu sehen – dabei handelt es sich um den Mühlenbach. Wer seinem Verlauf folgt, gelangt direkt zum Hafen.
Auch der Turm der Marienkirche besteht aus Backstein. Er ist schon von weitem sichtbar und eignet sich gut als Orientierungspunkt in der Stadt.
Unweit der Nikolaibrücke befindet sich die sogenannte Schweinsbrücke, die den Mühlenbach überquert. Nach ihr wurde auch die angrenzende Schweinsstraße benannt.
Besonders bei Touristinnen und Touristen beliebt sind die Schweinskulpturen auf der Brücke. Sie erinnern an frühere Zeiten, in denen Schweineherden auf diesem Weg zum Markt getrieben wurden.
Information: Meine Unterkunft lag in der Nähe der Schweinsbrücke, einer sehr angenehmen und ruhigen Gegend. Ich empfehle, die Unterkunftssuche in Wismar möglichst frühzeitig zu beginnen. Etwa zwei Monate vor meiner Reise fand ich weder ein kostengünstiges Hotel noch ein Hostel mit freien Zimmern. Deshalb bin ich auf Airbnb ausgewichen und war mit dieser Wahl sehr zufrieden.
Wismar ist auch unter dem Namen Hansestadt Wismar bekannt, da die Stadt im Mittelalter Mitglied der Hanse war. Die Hanse war ein Zusammenschluss von Handelsstädten, die vor allem Hafenstädte wie Wismar umfasste.
Ziel der Hanse war es, die wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder zu fördern und Handelsprivilegien zu sichern. Die Hansestädte profitierten von gemeinsamen Handelswegen, Schutz vor Piraterie und einer stärkeren Verhandlungsposition gegenüber anderen Mächten.
Weitere bedeutende Hansestädte in Deutschland sind Hamburg, Lübeck und Bremen.
Tiefer in die Geschichte Wismars einzutauchen, spare ich mir an dieser Stelle – schließlich soll es hier vor allem um die Kegelrobben in der Wismarer Bucht gehen.
Ein paar letzte fotografische Eindrücke von Wismar und seiner beeindruckenden Architektur möchte ich dir aber dennoch nicht vorenthalten.
Bevor ich zu den Kegelrobben in der Wismarer Bucht komme, möchte ich noch erwähnen, dass die Stadt viele Grünflächen bietet, die zum Verweilen einladen.
Zum Beispiel am Mühlenbach...
... oder im schönen Lindengarten.
An einem Abend saß ich dort auf einer Bank und lauschte dem Gesang der Vögel. Plötzlich wechselten sich ein Rotkehlchen und eine Mönchsgrasmücke ab – ein wunderbarer Moment.
Das Rotkehlchen konnte ich sogar mit der Kamera festhalten.
Wismar ist nicht nur wunderschön, sondern auch sehr einladend – an einem Fenster entdeckte ich den Spruch: „Tritt ein, bring Glück herein“. Genau so fühlt sich die Stadt an: offen, herzlich und voller Leben. Nach diesen Eindrücken geht es nun weiter zu den faszinierenden Kegelrobben in der Wismarer Bucht.
Information: Falls du in Wismar ein Fahrrad ausleihen möchtest, gibt es zahlreiche Anbieter. Ich selbst habe am Alten Holzhafen ein Cityfahrrad gemietet. Die Abwicklung verlief reibungslos und unkompliziert. Für den Tag zahlte ich 10 Euro.
Kegelrobben in der Wismarer Bucht
Für mich gehört das Fotografieren von Tieren in ihrer natürlichen Umgebung zu den schönsten, aber auch herausforderndsten Momenten überhaupt. Entsprechend groß war meine Vorfreude, als sich die Gelegenheit ergab, die Kegelrobben in der Wismarer Bucht beobachten zu dürfen. Ich hatte das Glück, einen Platz auf der MS Seebär zu bekommen und an einer geführten Ausfahrt teilzunehmen.
Doch schon während der Tour wurde mir klar: Dies würde fotografisch kein einfacher Tag werden. Die Entfernung zu den Tieren, das stetig schwankende Boot und die vielen anderen Naturbegeisterten an Bord machten das Fotografieren zur echten Herausforderung. Und ja – die ganz großen Bilder blieben diesmal aus.
Aber das ist in Ordnung. Denn für mich steht immer eines im Vordergrund: Die Tiere nicht zu stören. Kein Foto der Welt ist es wert, in das Leben der Tiere einzugreifen. Viel wichtiger ist es, dass sie sich sicher fühlen und ihr natürliches Verhalten zeigen können.
Information: Falls du selbst einmal an einer Bootsausfahrt mit der MS Seebär teilnehmen möchtest, kann ich nur empfehlen, mindestens eine Stunde vor Abfahrt vor Ort zu sein. Bei meiner Tour waren die Plätze schnell vergeben – viele, die später kamen, mussten leider wieder umkehren. Der Treffpunkt befindet sich an Steg D der Weißen Wiek in Boltenhagen (Ortsteil Tarnewitz).
Langsam nahm die MS Seebär Kurs auf die Robbensandbank Lieps – ein beliebter Ruheplatz für Kegelrobben. Die flache Sandbank ist ein geschützter Ort mitten in der Wismarer Bucht und wird besonders gern von den großen Meeressäugern aufgesucht. Mit etwas Glück lassen sich dort nicht nur Kegelrobben, sondern hin und wieder auch Seehunde beobachten.
Schon auf dem Weg dorthin gab es einiges zu entdecken: Eine kleine Gruppe Höckerschwäne glitt majestätisch übers Wasser, während eine Silbermöwe ruhig auf den Wellen trieb – ein friedlicher Auftakt zu unserer kleinen Reise in die Welt der Ostseetiere.
Information: Weitere Informationen zu Fahrzeiten und Angeboten findest du auf der Webseite der MS Seebär. An ausgewählten Tagen wird die Tour von einer Robbenreferentin des BUND begleitet, die spannende Einblicke in das Leben der Kegelrobben gibt. Ein Blick auf das Instagram-Profil des BUND Klützer Winkel lohnt sich ebenfalls – dort gibt es regelmäßig Updates, Fotos und Wissenswertes rund um die Robben der Region.
Die Fahrt ging weiter – und mit ihr die Entdeckungen. Immer wieder begegneten uns verschiedene Vogelarten. War das dort hinten nicht eine Eiderente? Ja, tatsächlich – eine einzelne Eiderente zog ihre Bahn über das Wasser. Wie schön! Ich hatte sie schon auf Helgoland und in Island gesehen, und doch freue ich mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich eine entdecke.
Etwas später sah ich eine Sturmmöwe auffliegen. Hatten wir sie mit dem Boot aufgeschreckt? Oder war sie ohnehin gerade im Aufbruch? Das Boot bewegte sich langsam und mit Rücksicht – so, wie es sein sollte, wenn man sich in den Lebensraum wilder Tiere begibt.
Schließlich näherten wir uns der Sandbank. Und tatsächlich – dort lagen Robben, dicht aneinandergedrängt, ihre Körper in der Sonne ruhend. Doch wie viele waren es? Und gehörten sie alle zur gleichen Art? Waren es ausschließlich Kegelrobben – oder hatten sich auch ein paar Seehunde dazugesellt?
Meistens sind es