Bären beobachten in Finnland war für mich ein großer Traum, den ich mir im Juli erfüllen konnte. In der finnischen Taiga wollte ich Braunbären in ihrem natürlichen Lebensraum erleben und herausfinden, wie nah man diesen beeindruckenden Tieren kommen kann. Meine Erfahrungen, Tipps und Eindrücke von den Beobachtungstouren teile ich in diesem Blogbeitrag.
Kuusamo im Nordosten Finnlands
Endlos weite Wälder, unzählige glitzernde Seen und eine beeindruckende Ruhe – Finnland hat mich vom ersten Moment an in seinen Bann gezogen. Schon bei meiner ersten Reise vor ein paar Jahren wusste ich: Hierher möchte ich zurückkehren. Und dieses Mal hatte ich ein ganz besonderes Ziel: Bären beobachten in Finnland. Die Möglichkeit, Braunbären in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben, war ein lang gehegter Traum, der mich schließlich in die Wälder rund um Kuusamo führte.
Kuusamo ist eine kleine Stadt im Nordosten Finnlands und zählt mit weniger als 15.000 Einwohnern zu den eher beschaulichen Orten des Landes. Bekannt ist die Region vor allem durch das nahe gelegene Wintersportzentrum Ruka, das zu den beliebtesten Skigebieten Finnlands gehört und bereits Austragungsort internationaler Wintersportveranstaltungen war.
Doch nicht nur im Winter hat die Region ihren Reiz. Sobald der Schnee geschmolzen ist, zeigt sich Ruka von einer ganz anderen Seite. Rund um den Ort gibt es zahlreiche Wanderwege, die durch die finnische Landschaft führen und immer wieder schöne Ausblicke auf die weitläufigen Wälder und die zahlreichen Seen der Region bieten. Die unberührte Natur rund um Kuusamo macht den Ort außerdem zu einem besonderen Ausgangspunkt für das Bären beobachten in Finnland.
Information: Falls du mehr über meine Wanderungen rund um Kuusamo erfahren möchtest, schau gerne in meinen anderen Blogbeitrag. Dort stelle ich drei Wanderungen vor, die ich in der Region unternommen habe, und nehme dich mit zu einigen der schönsten Landschaften rund um Ruka und Kuusamo.
Ich selbst entschied mich gegen eine Unterkunft direkt in Kuusamo oder Ruka und übernachtete stattdessen in einer „Wilderness Lodge“ mitten in der Natur. Die Lage der Lodge war ideal, denn der Ausgangspunkt für mein Vorhaben „Bären beobachten in Finnland“ befand sich ganz in der Nähe. Rückblickend war das für mich die perfekte Wahl, denn so konnte ich die Ruhe der finnischen Landschaft genießen und war am Abend trotzdem schnell bei den Bären.
Die Lodge lag außerdem direkt an einem wunderschönen See – ein ruhiger Ort, an dem ich nach meinen Ausflügen entspannen und die besondere Atmosphäre der finnischen Natur auf mich wirken lassen konnte.
Wichtig ist vor allem, dass man in der Region mit einem eigenen Auto unterwegs ist. Ohne Auto ist es deutlich schwieriger, die verschiedenen Ausgangspunkte rund um Kuusamo zu erreichen.
Zum Startpunkt der Bärenbeobachtung könnte man theoretisch von der Wilderness Lodge aus laufen. Ich habe dort allerdings niemanden gesehen, der diese Strecke zu Fuß zurückgelegt hat. Von der Wilderness Lodge aus sollte man zu Fuß etwa eine halbe Stunde oder mehr einplanen. Für die An- und Abreise könnte die Unterkunft in der Regel einen Shuttle vom Flughafen organisieren. Aber ich war froh, dass ich ein Auto hatte.
Information: Die nächsten größeren Städte sind Rovaniemi und Oulu. Beide liegen rund 190 bis etwas über 200 Kilometer von Kuusamo entfernt und sind damit noch eine gut erreichbare Verbindung zur Region. Die finnische Hauptstadt Helsinki befindet sich dagegen deutlich weiter südlich – etwa 800 Kilometer entfernt.
Wer in der Region rund um Kuusamo unterwegs ist, entdeckt mit etwas Glück nicht nur bei einer geplanten Bärenbeobachtung spannende Tiere. Auch Rentiere gehören hier zum Landschaftsbild und sind regelmäßig in der Umgebung zu sehen – häufig ganz unvermittelt an oder sogar auf den Straßen. Dann heißt es natürlich: langsam fahren und den Tieren ausreichend Platz lassen.
Die Menschen vor Ort sprechen bei den Rentieren oft von „halbwilden“ Tieren, da sie frei durch die Landschaft ziehen, aber nicht mit vollständig wilden Tieren vergleichbar sind. Auch rund um meine Unterkunft konnte ich diese besonderen Tiere erleben: Eines Morgens entdeckte ich ein Rentier direkt am See und konnte diesen ruhigen Moment in der finnischen Natur genießen.
Dieses Rentier habe ich direkt am Flughafen in Kuusamo entdeckt – ein besonderer Empfang in der finnischen Wildnis.
Die Region rund um Kuusamo bietet beste Voraussetzungen für besondere Naturerlebnisse. Für mich führte die Reise jedoch zu einem ganz bestimmten Ziel: Bären beobachten in Finnland. Doch bevor ich von diesem Erlebnis berichte, möchte ich zunächst den Hauptdarsteller vorstellen – den Braunbären.
Information: Vielleicht kennst du bereits meinen früheren Blogbeitrag über den Bärenwald Müritz. Dort finden Bären aus nicht artgerechter Haltung ein neues Zuhause und können in naturnah gestalteten Gehegen wieder viele ihrer natürlichen Verhaltensweisen ausleben.
Der Braunbär
Braunbären gehören zur Klasse der Säugetiere und zur Ordnung der Raubtiere. Sie zählen zur Familie der Bären (Ursidae), die insgesamt acht Arten umfasst. Neben dem Braunbären gehören auch der Amerikanische Schwarzbär, der Kragenbär, der Eisbär, der Lippenbär, der Malaienbär, der Brillenbär und der Große Panda zu dieser Familie.
Die Familie der Bären wird im Deutschen auch als Großbären oder Echte Bären bezeichnet (Foto oben: Braunbär; unten links: Großer Panda im Tiergarten Schönbrunn in Wien; unten rechts: Brillenbär im Tiergarten Schönbrunn).
Kleinbären (Procyonidae) sind – wie ihr Name bereits andeutet – klein bis mittelgroß. Wie die Großbären gehören auch sie zur Ordnung der Raubtiere. Zur Familie der Kleinbären werden heute insgesamt 14 Arten gezählt. Zu ihren bekanntesten Vertretern zählen der Waschbär und der Nasenbär (Foto links: Waschbär in Berlin; Foto rechts: Südamerikanischer Nasenbär in Brasilien).
Information: Möchtest du mehr über Südamerikanische Nasenbären erfahren? Dann schau dir gerne einen meiner früheren Beiträge an. Darin berichte ich über die Nasenbären bei den Iguaçu-Wasserfällen.
Der Kleine Panda, auch Rote Panda genannt, gehört dagegen weder zu den Großbären noch zu den Kleinbären, sondern zu den Katzenbären (Ailuridae). Zu den Katzenbären zählen aktuell nur zwei Arten. Früher gehörten die Kleinen Pandas noch zu den Kleinbären (Foto: Kleiner Panda im Tierpark Berlin).
Nichtsdestotrotz gibt es beim Braunbären mehrere Unterarten. Zu den bekanntesten zählen unter anderem der Europäische Braunbär (Ursus arctos arctos), der Grizzlybär (Ursus arctos horribilis) und der Kodiakbär (Ursus arctos middendorffi). Darüber hinaus werden in der Literatur zahlreiche weitere Unterarten beschrieben. Da sich Wissenschaftler:innen jedoch bis heute nicht einig sind, welche Unterarten tatsächlich anerkannt werden sollten, möchte ich dieses Thema hier nicht weiter vertiefen.
Wenn ich im Folgenden einfach von „Bären“ spreche, sind damit die Braunbären gemeint, die im Osten Finnlands leben.
Braunbären haben einen stämmigen und kräftigen Körperbau. Ihr Kopf ist groß und massig, mit einer deutlich vorstehenden Schnauze. Die Ohren sind relativ klein, abgerundet und stehen seitlich vom Kopf ab. Auch ihre Augen sind vergleichsweise klein.
Ihr Sehvermögen ist eher schwach ausgeprägt. Dafür verfügen Braunbären über ein gutes Gehör und vor allem über einen ausgezeichneten Geruchssinn, der ihr wichtigster Sinn bei der Nahrungssuche und Orientierung ist.
Braunbären haben in der Regel ein dunkelbraunes Fell. Die Fellfarbe kann jedoch stark variieren und reicht von gelblich- und graubraunen Farbtönen bis hin zu nahezu schwarzem Fell.
Außerdem besitzen Braunbären große und kräftige Füße. Beim Laufen setzen sie den gesamten Fuß mit der Sohle auf den Boden. Wie alle Bären sind sie sogenannte Sohlengänger. Sowohl die Vorder- als auch die Hinterfüße verfügen jeweils über fünf Zehen.
Wie auf dem Foto zu sehen ist, besitzen Braunbären nur einen kurzen, stummelartigen Schwanz.
Braunbären in Finnland können eine Körperlänge von bis zu 250 cm erreichen. Ihr Gewicht variiert je nach Jahreszeit erheblich. Männchen können bis zu 300 kg wiegen, während Weibchen ein Gewicht von bis zu 170 kg erreichen. Die abgebildeten Tiere zeigen diesen Geschlechtsunterschied: Links ist ein Männchen, rechts ein Weibchen zu sehen.
Braunbären sind laut IUCN nicht vom Aussterben bedroht und werden daher in der Roten Liste als „nicht gefährdet“ (englisch: „Least Concern“) geführt. Die weltweite Population wird auf etwa 50.000 bis 55.000 Tiere geschätzt und gilt derzeit als stabil.
Es gibt noch so viele spannende Aspekte über Braunbären zu entdecken. Themen wie Winterschlaf, Nahrung und Verhalten werde ich im nächsten Abschnitt näher betrachten. Besonders faszinierend ist es, Braunbären selbst in ihrem natürlichen Lebensraum zu erleben. Denn durch eigene Beobachtungen bekommt man einen viel intensiveren Eindruck von diesen Tieren, als es allein durch Recherche und Lesen möglich ist.
Im nächsten Abschnitt möchte ich meine persönlichen Erfahrungen beim Bären beobachten in Finnland teilen und zeigen, welche besonderen Momente und Eindrücke diese beeindruckenden Tiere bei mir hinterlassen haben.
Information: Eine weitere Möglichkeit, Bären zu beobachten, bietet die Hohe Tatra in der Slowakei. Sam von Wildlife Impulse hat dazu einen Gastartikel auf diesem Blog geschrieben und berichtet von seinen Erfahrungen bei der Bärenbeobachtung in dieser beeindruckenden Region. Schau gerne einmal vorbei.
Bären beobachten in Finnland
Was tun, wenn man beim Spazierengehen einem Braunbären begegnet? Zugegeben – diese Frage ging mir während meiner Wanderungen tagsüber immer wieder durch den Kopf. Die Antwort lautet: Auf keinen Fall wegrennen. Stattdessen sollte man ruhig bleiben. Manche Experten empfehlen sogar, leise mit dem Bären zu sprechen und ihm zu signalisieren, dass man keine Gefahr darstellt. Sich totzustellen wird nur in bestimmten Situationen empfohlen, etwa wenn ein Braunbär tatsächlich angreift.
Zum Glück ist eine Begegnung mit einem Braunbären beim Wandern in Finnland eher unwahrscheinlich. Braunbären sind scheue Tiere und meiden den Kontakt zu Menschen. Außerdem sind sie vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv – nicht mitten am Tag.
So blieb mir glücklicherweise eine unerwartete Begegnung auf meinen Wanderungen erspart. Umso größer war am Abend die Vorfreude, endlich Braunbären zu sehen. Denn genau dafür war ich nach Kuusamo gereist: zur Bärenbeobachtung.
Bis ich meinen ersten Braunbären tatsächlich zu Gesicht bekam, verging allerdings noch etwas Zeit. Jetzt war Geduld gefragt.
Information: Wer Braunbären in Finnland sehen möchte, braucht mehr als nur Glück. Am besten gelingt das im Rahmen einer geführten Tour. Die Tiere sind äußerst scheu und in der freien Wildbahn nur selten zu entdecken.
Um 18 Uhr sollte ich am Treffpunkt sein. Als ich ankam, warteten bereits einige andere Teilnehmer. Ich war überrascht, wie viele wir insgesamt waren. Offenbar wollten an diesem Abend viele Bären in Finnland beobachten. Ob wir wohl alle in derselben Beobachtungshütte untergebracht werden würden?
Die Antwort lautete: nein. Die Gruppe wurde auf mehrere Beobachtungshütten aufgeteilt.
Am ersten Abend landete ich in der größten Hütte – gemeinsam mit etwa zehn weiteren Bäreninteressierten. Zunächst hatte ich die Sorge, dass wir zu viele sein könnten. Wenn ständig jemand spricht oder sich bewegt, würden die Bären doch sicher fernbleiben. Doch diese Sorge war unbegründet. Alle verhielten sich erstaunlich ruhig. Es war mucksmäuschenstill.
Wer Bären in Finnland beobachten möchte, braucht vor allem eines: Geduld. Also warteten wir. Minute um Minute verging. Wir hielten Ausschau, beobachteten die Landschaft – und warteten weiter.
Doch zunächst ließ sich kein einziger Bär blicken.
Stattdessen beobachtete ich die Seeadler sowie die zahlreichen Möwen und Rabenvögel, die sich vor der Beobachtungshütte aufhielten. Auch wenn ich eigentlich auf Braunbären hoffte, gab es in der finnischen Wildnis bereits jetzt jede Menge zu entdecken.
In Finnland leben Schätzungen zufolge etwa 2.000 bis 3.000 Braunbären. Die tatsächliche Zahl ist jedoch nicht bekannt und kann je nach Quelle variieren.
Finnland ist ein hervorragender Ort, um Braunbären zu beobachten. Die Tiere leben dort vor allem in den weitläufigen Nadelwäldern der Taiga, die ihnen ausreichend Nahrung, Schutz und Rückzugsmöglichkeiten bieten. Als Einzelgänger benötigen Braunbären große, möglichst ungestörte Reviere – genau diese Bedingungen finden sie in den abgelegenen Waldgebieten Finnlands.
Dann, ganz plötzlich, erschien der erste Braunbär.
Es war ein Männchen – ein altes, beeindruckendes Tier.
Information: Neben den Braunbären leben in Finnland auch etwa 400 Vielfraße und rund 400 Wölfe. Während Wölfe meist in Rudeln unterwegs sind, gelten Vielfraße als scheue Einzelgänger und sind nur selten zu beobachten.
Unser Guide erzählte uns im Flüsterton, dass dieser Braunbär vermutlich seinen letzten Sommer erlebte. Er war bereits sehr alt und hatte kaum noch Muskelmasse. Braunbären können in freier Wildbahn je nach Lebensbedingungen etwa 20 bis 30 Jahre alt werden.
Als ich ihn beobachtete, fiel mir auf, wie langsam er sich bewegte. Selbst den Lachs, der an einem Baum befestigt war, erreichte er nur mit Mühe.
Ja, Lachs. Damit die Chancen beim Bären beobachten in Finnland steigen, verteilen die Guides rund um den Teich und in der Umgebung der Beobachtungshütten Lachse. Eine Garantie, Braunbären zu sehen, gibt es trotzdem nicht. Auch wenn Futter ausgelegt wird, sind die Tiere wild und kommen nur, wenn sie selbst entscheiden.
Tatsächlich mussten wir mehrere Stunden warten. Denn trotz der Lachse in der Nähe blieb es allein den Bären überlassen, ob sie auftauchten oder nicht.
Eigentlich ernähren sich Braunbären im Sommer vor allem von Beeren. Doch sie sind Allesfresser und passen ihre Nahrung an das jeweilige Angebot der Jahreszeit an. Im Herbst stehen zusätzlich Nüsse und Baumfrüchte wie Eicheln und Bucheckern auf ihrem Speiseplan. Gleichzeitig müssen sie sich ausreichend Fettreserven für den Winter anfressen. In der kalten Jahreszeit halten Braunbären Winterruhe.
Im Frühling ernähren sie sich unter anderem von Wurzeln, Gräsern, Insekten und auch Aas.
Kuusamo liegt direkt an der Grenze zu Russland – doch für die Bären spielt diese Grenze keine Rolle. Sie wandern zwischen den Ländern umher und kommen auch nach Finnland, um dort Nahrung zu finden. Dazu gehört auch der Lachs, der für viele Braunbären eine willkommene zusätzliche Nahrungsquelle ist.
Der alte Bär bewegte sich nur langsam fort. An mehreren Stellen suchte er nach Lachs – offenbar kannte er den Ablauf bereits sehr gut. Routiniert ging er von einem Platz zum nächsten und wusste genau, wo sich die Suche lohnen könnte.
Schließlich wagte er sich sogar ins Wasser. Auch dort hielt er Ausschau nach Lachs und hatte tatsächlich Erfolg: Er fand einen.
Trotzdem wirkte er nicht ganz entspannt. Immer wieder hielt er inne und schaute sich aufmerksam um, als würde er seine Umgebung genau im Blick behalten.
Irgendwann entschied er sich jedoch, zurück in den Wald zu verschwinden. Etwas schien ihn beunruhigt zu haben.
Tatsächlich konkurrieren Braunbären untereinander um Nahrung und Ressourcen. Besonders ältere oder geschwächte Tiere gehen Konfrontationen mit jüngeren, kräftigeren Männchen lieber aus dem Weg. Vielleicht hatte der alte Bär etwas wahrgenommen – ein Geräusch, eine Bewegung oder möglicherweise sogar einen anderen Bären in der Nähe? Wir können es nur vermuten.
Wir warteten wieder.
Hoffentlich würde er noch einmal auftauchen. Und tatsächlich: Nach einiger Zeit kam der alte Bär erneut aus dem Wald. Doch diesmal wirkte er deutlich unruhiger.
Er suchte noch einmal nach Lachs, blieb aber nicht lange. Immer wieder schaute er sich aufmerksam um. Er setzte sich noch einmal kurz hin. Vermutlich um sich auszuruhen. Schließlich entschied er sich, wieder im Wald zu verschwinden.
Ich hatte auf weitere Bären gehofft. Angeblich soll es in der Gegend auch eine Bärenmutter mit zwei Jungtieren geben, die sich vor allem um Mitternacht beobachten lässt. Tatsächlich sind Bärinnen mit ihren Jungen jedoch sehr vorsichtig und meiden ausgewachsene Männchen. Der Grund dafür ist, dass es bei Bären zu Infantizid kommen kann: Männchen töten mitunter fremde Jungtiere, damit das Weibchen schneller wieder paarungsbereit wird.
Und dann, ganz plötzlich, erschien tatsächlich noch ein weiterer Bär. Diesmal war es ein Weibchen – allerdings ohne Jungtiere.
Information: Die Abendtour begann um 18:00 Uhr und endete um 22:00 Uhr. Wer die Bären noch etwas länger beobachten möchte, kann auch in einer der Beobachtungshütten übernachten – diese Möglichkeit wird ebenfalls angeboten.
In dem Moment, als ich die Bärin sah, dachte ich sofort: Ja, die Weibchen sind tatsächlich deutlich kleiner als die Männchen.
Sie hatte es auf den Lachs abgesehen, musste jedoch feststellen, dass ein anderer Bär bereits vor ihr am Fluss war.
Gerade solche Verhaltensweisen machen das Bären beobachten in Finnland so faszinierend – mit etwas Geduld erlebt man nicht nur die Tiere aus nächster Nähe, sondern bekommt auch einen spannenden Einblick in ihr Verhalten.
Im Unterschied zu dem älteren Bären schaffte sie es jedoch scheinbar mühelos, auf einen Baumstamm zu klettern, um sich den Lachs zu holen.
Übrigens sollte man bei einer Begegnung mit einem Bären nicht versuchen, auf einen Baum zu klettern. Wie ich selbst beim Bären beobachten in Finnland sehen konnte, sind Braunbären ausgezeichnete Kletterer – und ein Baum bietet daher keinen sicheren Schutz.
Auch die Bärin blickte sich immer wieder aufmerksam um. Obwohl gerade keine Paarungszeit war und sie keine Jungtiere bei sich hatte, schien sie ihre Umgebung ständig im Blick zu behalten. Jede Bewegung wurde aufmerksam registriert, bevor sie sich weiter dem Fluss näherte.
Die Paarungszeit der Braunbären fällt in die Monate Mai bis Juli. Weibchen paaren sich in dieser Zeit mit mehreren Männchen. Nach der Befruchtung entwickelt sich der Embryo jedoch zunächst nicht weiter: Die befruchtete Eizelle bleibt bis zu fünf Monate frei in der Gebärmutter. Erst mit Beginn der Winterruhe nistet sie sich ein und die eigentliche Tragzeit beginnt. Die Jungtiere kommen dann im Januar oder Februar während der Winterruhe zur Welt. Sie werden blind, nackt und nur wenige Hundert Gramm schwer geboren. Im Frühjahr verlassen sie gemeinsam mit ihrer Mutter die Höhle und bleiben in der Regel etwa zwei Jahre an ihrer Seite. Meist bringt eine Bärin ein oder zwei Jungtiere zur Welt, manchmal drei oder sogar vier – allerdings nur alle zwei bis vier Jahre.
Information: Besonders vorsichtig sollten Wanderer im Frühjahr in Bärengebieten sein, wenn Bärinnen mit ihren Jungtieren unterwegs sind. Die Mütter verteidigen ihren Nachwuchs entschlossen – auch gegenüber ausgewachsenen Männchen.
Leider tauchte die Bärin mit ihren Jungtieren nicht auf. Vermutlich war sie vorsichtig und mied die Nähe anderer Bären.
Braunbären sind grundsätzlich Einzelgänger. Nur während der Paarungszeit begegnen sich Männchen und Weibchen, und natürlich bleiben Muttertiere mit ihrem Nachwuchs zusammen. Wenn die Mutter die Jungtiere verlässt, bleiben sie meist noch einige Monate zusammen, bevor sie ihre eigenen Reviere suchen. Danach streifen sie wie erwachsene Bären allein durch die Natur.
An meinem ersten Tag begegneten mir gleich zwei Braunbären: ein Männchen und ein Weibchen. Auf die erste Sichtung mussten die anderen Bärenbeobachter:innen und ich allerdings etwa drei Stunden warten. Man braucht also viel Geduld, wenn man Bären beobachten möchte.
Auch am zweiten Tag dauerte es ähnlich lange, bis der erste Bär auftauchte. Diesmal war es ein jüngeres, kräftiges Männchen.
Eigentlich hätte ein kräftiges Männchen wie dieses den Lachs nicht nötig gehabt – anders als der alte Bär am Tag zuvor. Doch auch er konnte der zusätzlichen Nahrungsquelle nicht widerstehen.
Wie bereits erwähnt, im Spätsommer und Herbst nehmen sie besonders viel Nahrung auf, um Fettreserven für den Winter anzulegen.
Obwohl es noch Sommer war, suchte wohl auch dieser Bär im Teich weiter nach Lachsen. Es war faszinierend zu beobachten, wie gezielt die Bären die Fische aufspürten – ein besonderer Moment beim Bären beobachten in Finnland. Nachdem er schließlich einen Lachs gefunden hatte, zog auch er sich wieder in den Wald zurück. Vielleicht war ein noch stärkeres Männchen in der Nähe?
Frage: Wie stehst du dazu? Besuchst du Orte, an denen Tiere angefüttert werden, damit man sie überhaupt beobachten kann? Oder meidest du solche Angebote grundsätzlich? Ich würde gerne wissen, wie du darüber denkst.
Ich habe insgesamt an drei Tagen an einer Beobachtungstour teilgenommen. Am dritten Tag blieb ich jedoch über Nacht in einer der Beobachtungshütten, denn Braunbären sind vor allem dämmerungs- und nachtaktiv.
An diesem Tag begann meine Beobachtung bereits um 17 Uhr, also eine Stunde früher als an den vorherigen Tagen. Die erste Hütte lag etwas abseits des großen Teichs. Ich war ganz allein dort und konnte die Bären dort noch aus größerer Nähe beobachten.
Information: Ich blieb in dieser abgelegenen Hütte jedoch nur bis etwa 22 Uhr. Danach wurde ich abgeholt und zu einer anderen, kleineren Hütte am Hauptteich gebracht. Auch dort war ich allein in der Beobachtungshütte und wartete gespannt auf weitere Bärenbeobachtungen.
An meinem dritten Tag musste ich nicht lange warten. Ehrlich gesagt war ich zuvor etwas enttäuscht gewesen, dass die Bären so schwierig zu beobachten waren. Sie waren weit entfernt und verschwanden meist schnell wieder im Wald. Doch dieser Tag sollte meine bisherigen Eindrücke verändern.
Gegen 18:20 Uhr tauchte der erste Bär auf. Es war ein Weibchen.
Ich hatte mich so gefreut. Denn ich saß allein in der Beobachtungshütte, es war kalt, und ich wusste nicht, ob überhaupt ein Bär auftauchen würde. Genau das macht das Bären beobachten in Finnland eigentlich besonders: Man kann keine Sichtung erzwingen, sondern muss sich auf die Natur einlassen.
Gleichzeitig musste ich mir bewusst machen, dass genau diese Ungewissheit dazugehört, wenn man Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet. Geduld und eine gewisse Frustrationstoleranz sind dabei unerlässlich.
Die Bärin suchte aufmerksam die Umgebung nach Lachsen ab.
Sie war die Erste an diesem Tag – und natürlich fand sie den Lachs. Auch sie schien den Teich bereits gut zu kennen und wusste genau, an welchen Stellen sie suchen musste.
Mit ihrem ersten Fang verschwand sie jedoch wieder im Wald. Nur wenige Minuten später kehrte sie zurück, um sich den nächsten Lachs zu holen.
Nachdem sie zurückgekehrt war, blieb sie diesmal länger. Sie suchte die Umgebung aufmerksam nach weiterer Nahrung ab. Tatsächlich entdeckte sie ein Loch und begann darin zu graben. Was sie dort wohl gefunden hatte?
Schließlich bewegte sich die Bärin in Richtung Wasser. Ich war voller Vorfreude, denn nun konnte ich sie aus noch größerer Nähe beobachten. Wow – auch mein Fotografenherz schlug höher, als sie sich genau so positionierte, dass sich ihr Spiegelbild im ruhigen Wasser zeigte. Im Flüsterton bedankte ich mich bei der Bärin für diesen besonderen Moment.
Dann blieb sie am Wasser stehen und blickte hinunter auf die Oberfläche, fast so, als würde sie ihr eigenes Spiegelbild bewundern.
Aber natürlich galt ihr Interesse nicht ihrem Spiegelbild, sondern nur dem Lachs – und den fand sie schließlich auch. Mit dem Fisch im Maul verschwand sie wieder im Wald.
Es waren insgesamt wunderschöne Beobachtungen. Ich war unglaublich froh, dass ich in dieser abgelegeneren Beobachtungshütte die Bärin so intensiv erleben konnte – ganz allein mit ihr und diesem besonderen Moment.
Ich hoffte sehr, dass sie noch einmal zurückkommen würde. Und tatsächlich: Sie kam wieder.
Vielleicht lag es daran, dass sie mich in dieser Hütte nicht wahrnahm? Oder waren die anderen Beobachtungshütten einfach zu stark frequentiert? Ich kann es nicht sagen. Vielleicht war es auch einfach nur Glück, dass ich die Bärin aus dieser Nähe beobachten durfte.
Fest steht: Sie kehrte zurück.
Und tatsächlich fand sie nur kurze Zeit später den nächsten Lachs. Es schien fast so, als würde sie jeden verfügbaren Fisch aufspüren und verschwinden lassen, sodass für nachfolgende Bären kaum noch etwas übrig blieb.
Ich hatte nicht auf die Uhr geschaut, aber seit ihrem ersten Auftauchen war sicherlich schon mehr als eine halbe Stunde vergangen. Eine ungewöhnlich lange und intensive Beobachtung – genau solche Momente machen das Bären beobachten in Finnland so besonders.
Danach verließ sie das Wasser wieder, blieb aber in der Umgebung. Es schien, als würde sie den Bereich rund um den Teich weiter absuchen.
Sie kehrte zu dem Loch zurück, in dem sie zuvor schon gebuddelt hatte. Immer wieder hob sie ihre Schnauze in die Luft. Suchte sie noch nach dem Geruch eines Lachses?
Scheinbar ja, denn nur wenige Augenblicke später hatte sie bereits wieder ein Stück Lachs im Maul. Ihre feine Nase hatte sie also nicht getäuscht.
Information: Wenn man Bären beobachten möchte, sollte man am besten auf Mückenspray und Deo verzichten. Denn Bären verfügen über einen außergewöhnlich guten Geruchssinn und könnten durch starke, ungewohnte Gerüche aufmerksam werden.
Natürlich kam die Bärin wieder zurück. Es wurde tatsächlich eine außergewöhnlich lange Beobachtung – ganz anders als an den Tagen zuvor. Und das, obwohl es noch so früh war: Es war noch nicht einmal 20 Uhr. An den vorherigen Tagen hatten wir den ersten Bären meist erst nach 20 Uhr, eher sogar gegen 21 Uhr, gesehen.
Dann passierte plötzlich etwas Unerwartetes: Die Bärin richtete sich auf und stand auf ihren beiden Hinterbeinen.
Wie gebannt beobachtete ich diesen Moment.
Vielleicht wollte sie sich einen besseren Überblick verschaffen oder einen Geruch aus der Luft aufnehmen. Hatte sie einen anderen Bären wahrgenommen oder suchte sie einfach weiter nach Lachsen?
Nach einigen Momenten stellte sie sich wieder auf ihre vier Pfoten und schaute sich um.
Dann richtete sie sich erneut auf. Ihre Haltung auf den beiden Hinterbeinen wirkte fast so, als würde sie einem anderen Bären ein „Stopp“ signalisieren wollen.
Doch weit und breit war kein weiterer Bär zu sehen. Oder konnte nur ich keinen entdecken?
Ich musste der Bärin noch einmal im Flüsterton für diese wunderschönen Beobachtungen danken. Sie konnte mich zwar nicht hören – oder vielleicht doch? –, aber ich sagte es trotzdem.
Insgesamt war sie bestimmt fast eine Stunde vor der Beobachtungshütte zu sehen. Irgendwann entschied sie sich jedoch, weiterzuziehen. Ob sie auf ihrem Weg an den anderen Beobachtungshütten vorbeikam und dort ebenfalls noch den einen oder anderen Lachs fand?
Das Bären beobachten in Finnland ist ein ganz besonderes Erlebnis. Wer Braunbären in freier Natur sehen möchte, sollte dies in den Frühlings-, Sommer- oder Herbstmonaten tun. Im Winter ziehen sich die Tiere zur Winterruhe zurück – eine Strategie, um Energie zu sparen und die kalte Jahreszeit zu überstehen.
Dabei schlafen Braunbären nicht so tief wie echte Winterschläfer. Sie können weiterhin auf ihre Umgebung reagieren und suchen geschützte Plätze wie Höhlen, Felsnischen oder dichte Fichten auf.
Ich war im Juli in Finnland und hatte an meinem dritten Tag unglaubliche Bärenbeobachtungen. Nachdem die Bärin weitergezogen war, tauchte gegen 20 Uhr ein weiterer Bär auf. An seiner Größe war zu erkennen, dass es sich um ein Männchen handelte.
Dieses Männchen erschien gegen 20 Uhr vor der Beobachtungshütte. Auch er suchte aufmerksam die Umgebung ab. Immer wieder hob er seine Schnauze in die Luft und bewegte den Kopf von rechts nach links und wieder zurück. Er prüfte die Umgebung eindeutig mit seinem ausgeprägten Geruchssinn.
Anschließend ging er ins Wasser.
Fand er dort Lachs? Nein, nicht wirklich. Er machte keinen Fang – vermutlich hatte das Weibchen zuvor bereits den größten Teil der verfügbaren Lachse gefunden.
Insgesamt blieb er nicht lange vor der Beobachtungshütte, vielleicht etwa zehn Minuten. Er grub noch ein wenig in dem Loch, in dem zuvor schon das Weibchen gesucht hatte. Doch auch dort schien nichts mehr zu holen zu sein.
Information: Später erfuhr ich, dass er auch noch am größeren Teich aufgetaucht war. Dort gab es schließlich ebenfalls Lachse zu holen. Vielleicht war er dort sogar der Erste gewesen und hatte mehr Erfolg bei der Suche nach Nahrung.
Kurz bevor ich abgeholt wurde, tauchte gegen 21:50 Uhr die Bärin wieder auf. Sie ging noch einmal zum Teich, verschwand aber schon kurze Zeit später wieder im Wald.
Besonders aufgefallen ist mir, wie unauffällig sich die Bären den Beobachtungshütten näherten. Immer wieder war es eine Überraschung, wenn plötzlich ein Bär im Gebüsch auftauchte – ganz unvermittelt und fast lautlos.
Gegen 22 Uhr wurde ich schließlich abgeholt und zu einer anderen Beobachtungshütte gebracht. Dort befand sich die größte Hütte, während ich in einer kleineren daneben untergebracht war. In der großen Hütte saßen zwei oder drei weitere Personen, während ich die kleine Hütte ganz für mich allein hatte. Für das Bären beobachten in Finnland war das für mich die perfekte Situation.
Da es bereits spät war und Braunbären vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv sind, dauerte es nicht lange, bis der erste Bär auftauchte.
Die nächsten Stunden sollten in Bezug auf das Bären beobachten in Finnland genauso einzigartig werden wie die Zeit in der anderen Beobachtungshütte. Bereits gegen 22:20 Uhr tauchte das erste Männchen auf. Auffällig war eine Verletzung auf seinem Rücken.
Diese Verletzung half mir später, den Bären wiederzuerkennen, denn er sollte in dieser Nacht noch mehrmals vor der Hütte auftauchen.
Dieses Männchen hielt sich tatsächlich lange vor meiner Beobachtungshütte auf. Es suchte nach Lachsen, fraß, ging ins Wasser und wiederholte immer wieder dieselbe Prozedur.
Inzwischen war es dunkel geworden und das Fotografieren wurde zunehmend schwieriger. Trotzdem blieb dieser Bär lange Zeit in und um den Teich und bot mir damit eine beeindruckende Beobachtung.
An diesem Tag ging die Sonne um etwa 23 Uhr unter. Aber es wurde nicht vollständig dunkel.
Wenn ich mich mal nicht auf die Bären fokussierte, bewunderte ich die „Nacht“ im finnischen Norden. Am darauffolgenden Tag ging die Sonne übrigens schon wieder etwas nach 3 Uhr auf.
Nichtsdestotrotz zog das Männchen gegen 23:45 Uhr weiter. Doch schon kurze Zeit später tauchte der nächste Bär auf – und nur zehn Minuten danach ein weiterer. Es war ein kleineres Tier, das sich jedoch nicht lange aufhielt und schnell wieder verschwand. Ich hörte ein Grummeln des größeren Bären. Für den kleineren Bären tat es mir irgendwie leid.
Nur wenige Minuten später erschien ein weiterer Bär. War es vielleicht das Männchen mit der Verletzung auf dem Rücken? Er kam zwar aus derselben Richtung, aber ich glaube nicht, dass es derselbe Bär war. Er schien kleiner zu sein, hielt Abstand und zog ebenfalls weiter.
Der größere Bär hingegen ließ sich nicht stören. Er schwamm ruhig durch den Teich, hielt immer wieder seine Schnauze in die Luft und schien die Umgebung mit seinem Geruchssinn abzusuchen. Und dann – schwuppdiwupp – hatte er plötzlich einen Lachs im Maul.
Eine ganz besondere Beobachtung war der Moment, als sich das Männchen nur wenige Meter vor meiner kleinen Beobachtungshütte aufhielt. Hatte ich Angst? Nein. Ich fühlte mich sicher und geschützt.
Ehrlich gesagt hatte ich beim Wandern tagsüber mehr Respekt. Was, wenn plötzlich ein Bär aus dem Gebüsch auftauchen würde? Doch diese Gedanken werden den Tieren nicht wirklich gerecht. In der Regel haben Bären deutlich mehr Angst vor uns Menschen, als wir vor ihnen.
Irgendwann wurde ich müde. Schlafen wollte ich eigentlich nicht – dafür war ich viel zu gespannt, was noch passieren könnte. Außerdem war mir kalt, sodass ich mich nur kurz für etwa zehn Minuten auf die Matratze legen wollte. Aus den zehn Minuten wurde jedoch mehr.
Gegen 2:20 Uhr hörte ich draußen einen Bären im Teich schwimmen. Sofort war ich wieder wach. Diesen Moment wollte ich mir nicht entgehen lassen. Ich beobachtete ihn eine Weile, legte mich danach aber noch einmal hin.
Irgendwann war es dann bereits 4 Uhr morgens. Eigentlich wollte ich nicht so viel schlafen, doch offenbar war die Müdigkeit stärker. Trotzdem setzte ich meine Beobachtungen ab 4 Uhr wieder fort. Inzwischen bewegte ich mich etwas mehr in der Hütte – nicht nur wegen der Aufregung, sondern auch, weil mir noch kälter geworden war.
Gegen 6 Uhr morgens tauchte schließlich wieder der Bär mit der Verletzung auf dem Rücken auf.
Ich freute mich, den Bären wiederzusehen. Gleichzeitig fragte ich mich, wo die Bärenmutter mit ihren Jungtieren geblieben war. Hatte sie sich wegen der vielen anderen Bären in dieser Nacht nicht an den Teich getraut? Oder war sie doch dort gewesen und ich hatte genau diese wenigen Minuten verschlafen? Ich hatte zwar nicht viel geschlafen, aber ganz ausschließen konnte ich das nicht.
Nichtsdestotrotz freute ich mich auch über diese Begegnung. Genau das macht das Bären beobachten in Finnland aus: Man weiß nie, welcher Bär als Nächstes auftaucht.
Dieser männliche Bär hielt sich so früh am Morgen nicht mehr so lange vor den Beobachtungshütten auf. Etwa eine Viertel Stunde. Mal war er im Wasser und fand immer noch einen Leckerbissen, und mal bewegte er sich ganz nach an die Beobachtungshütte.
Ganz ausschließen konnte ich nicht, dass der Bär meine Anwesenheit zumindest ein wenig wahrnahm. Vielleicht bemerkte er meine Präsenz, fühlte sich davon aber nicht gestört.
Ich freute mich jedenfalls, ihn zum Abschluss meiner Beobachtungen noch einmal aus nächster Nähe erleben zu dürfen. Genau solche Momente machen das Bären beobachten in Finnland zu einem unvergesslichen Erlebnis. Bevor er im Wald verschwand, gönnte er sich noch ein kurzes Schlammbad.
Ich selbst verließ die Beobachtungshütte schließlich gegen 8:00 Uhr.
Information: Ich nahm an zwei Beobachtungstouren teil, die jeweils von 18 bis 22 Uhr dauerten. Am dritten Tag begann meine Beobachtung bereits um 17 Uhr und endete erst am nächsten Morgen um 8 Uhr. Insgesamt verbrachte ich damit rund 23 Stunden in den Beobachtungshütten.
Praktische Tipps
Anreise
Bevor ich nach Kuusamo reiste, verbrachte ich einige Tage in Oulu. Da Oulu über einen größeren Flughafen verfügt, eignet sich die Stadt gut als Ausgangspunkt für die Weiterreise.
Von Oulu aus fuhr ich mit dem Bus nach Kuusamo. Die etwa dreistündige Fahrt kostete mich 31,90 Euro. Mein Busticket hatte ich vorab über die Website von Mathkahuolto gekauft. Vor Ort habe ich keinen Ticketschalter gesehen. Ich vermute jedoch, dass man Fahrkarten auch direkt im Bus kaufen kann. In Finnland ist bargeldloses Bezahlen allerdings weit verbreitet und meist die bevorzugte Zahlungsmethode.
Am Flughafen in Kuusamo mietete ich für vier Tage einen Mietwagen. Um vom Busbahnhof im Zentrum dorthin zu gelangen, empfiehlt sich ein Taxi. Für den Mietwagen inklusive Vollkaskoversicherung bezahlte ich insgesamt 393,98 Euro. Die Vollkaskoversicherung war mir wichtig, da ich nicht nur auf asphaltierten Straßen unterwegs war.
Den Mietwagen gab ich kurz vor meiner Abreise wieder am Flughafen in Kuusamo zurück. Von dort trat ich schließlich auch meinen Rückflug an. Übrigens gibt es im Winter deutlich mehr Flugverbindungen, da dann in der Region Hochsaison herrscht.
Unterkunft
Ich habe drei Nächte in der Unterkunft Isokenkäisten Klubi übernachtet. Für mich war das die beste Entscheidung, da sie nur wenige Minuten vom Startpunkt der Bärenbeobachtungen entfernt liegt. Mit dem Auto brauchte ich gerade einmal etwa zehn Minuten.
Die Unterkunft befindet sich direkt an einem wunderschönen See und bietet eine herrliche Ruhe. Obwohl sie mitten in der Natur liegt, gibt es WLAN, und die gemütliche Einrichtung ließ für mich keine Wünsche offen.
Tagsüber nutzte ich die Zeit für Ausflüge in die Umgebung. Dafür ist allerdings ein Mietwagen unverzichtbar, da es in der Region praktisch keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt. Bis nach Kuusamo fährt man je nach Strecke etwa eine Stunde.
Für drei Nächte inklusive Frühstück bezahlte ich insgesamt 303,00 Euro.
Beobachtungshütten
Ich habe die Bären über Bear Kuusamo beobachtet. Für eine Abendtour bezahlte ich 130 Euro, die Tour mit Übernachtung kostete 190 Euro. Bear Kuusamo bietet bereits seit vielen Jahren Bärenbeobachtungen in verschiedenen Beobachtungshütten an. Dadurch verteilen sich die Besucher:innen auf mehrere Hütten und man kann die Bären aus unterschiedlichen Perspektiven beobachten. Für mich war das eine ideale Möglichkeit, Bären beobachten in Finnland zu erleben.
Information: Es kann sich lohnen, mehrere Abende in den Beobachtungshütten zu verbringen. Die Sichtungswahrscheinlichkeit ist zwar hoch, dennoch gibt es Unterschiede: An manchen Tagen sind die Bären aktiver als an anderen. Besonders in der Nacht steigt die Chance, mehr Aktivitäten zu beobachten.
Mehr Informationen
Vögel beobachten im Bärengebiet - Naturerlebnisse aus der Wildnis (bald auf dem Blog zu lesen)
Wandern in Kuusamo – unterwegs in der finnischen Wildnis (bald auf dem Blog zu lesen)
Der Braunbär auf Wikipedia
Artenporträt Braunbär auf der Seite vom Bundesamt für Naturschutz
Steckbrief über den Braunbären auf Euronatur
Große Säugetiere in Finnland (auf Englisch)
Warst du schon einmal Bären beobachten in Finnland oder hast Bären an einem anderen Ort in freier Wildbahn erlebt? Teile gerne deine Erlebnisse mit uns in den Kommentaren!