Pelikane am Kerkini-See zu beobachten, war schon lange ein Traum von mir. Im Februar führte mich die Reise in den griechischen Spätwinter, wo ich auf Bootstouren beeindruckende Begegnungen mit den majestätischen Vögeln erleben durfte. Welche zwei Pelikanarten hier leben und welche Eindrücke ich mit nach Hause genommen habe, erfährst du in diesem Beitrag.
Pelikane am Kerkini-See
Auf dem Wasser landende Pelikane. Im Hintergrund schneebedeckte Berge. Darüber ein rosafarbener Himmel. So stellte ich mir die Pelikane am Kerkini-See vor. Schon lange vor meiner Reise hatte ich atemberaubende Fotos von ihnen gesehen. Würde es mir wohl auch gelingen, Pelikane am Kerkini-See zu fotografieren?
Ich wünschte es mir sehr.
Doch zunächst stellten sich ganz praktische Fragen: Wo liegt der Kerkini-See eigentlich? Wie kommt man am besten dorthin? Und wo genau lassen sich die Pelikane am Kerkini-See beobachten?
Da ich selbstorganisiert und ohne Tourenanbieter im Februar zum Kerkini-See reiste, musste ich mir alle Informationen selbst zusammensuchen.
Der Kerkini-See liegt im Norden Griechenlands, in Zentralmakedonien, nahe der bulgarischen Grenze. Thessaloniki, die zweitgrößte Stadt Griechenlands, ist etwa 100 Kilometer entfernt. Im Norden des Sees erhebt sich der Berg Beles (auch Kerkini genannt). Im Nordosten mündet der Fluss Strymonas (Struma) in den Kerkini-See, bevor er südöstlich des Dorfes Lithotopos weiterfließt. Dort befindet sich eine Staumauer, mit deren Hilfe der Wasserstand des Sees reguliert wird. Ursprünglich diente sie vor allem dem Hochwasserschutz und der Vermeidung von Überschwemmungen. Zusätzlich wird der Kerkini-See zur Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen genutzt.
Im Laufe der Zeit hat sich der Kerkini-See jedoch zu einem bedeutenden Feuchtbiotop entwickelt, das zahlreichen Vogel- und Fischarten einen wichtigen Lebensraum bietet. Kein Wunder also, dass dieser besondere Ort auch Naturbegeisterte und Fotograf:innen anzieht – so wie mich.
Warum aber habe ich den Kerkini-See ausgerechnet im Februar besucht und nicht im April oder Mai, wenn die Vogelwelt am aktivsten ist?
Die Antwort lautet: Pelikane. Denn gerade in den Wintermonaten lassen sich die Pelikane am Kerkini-See besonders gut beobachten. Zwar sind sie angeblich das ganze Jahr über hier zu finden, doch während der Fortpflanzungszeit ziehen sie sich eher zurück.
Am Kerkini-See begegnet man gleich zwei beeindruckenden Pelikanarten: dem Rosapelikan und dem Krauskopfpelikan (Foto).
Information: Neben dem Rosapelikan und dem Krauskopfpelikan zählen auch der Brillenpelikan, der Nashornpelikan, der Rötelpelikan, der Graupelikan, der Braunpelikan und der Chilepelikan zu den Pelikanarten.
Doch zunächst stellte sich mir die Frage, wo sich die Pelikane eigentlich am besten beobachten lassen. Laut iNaturalist sind sie zwar überall auf dem Kerkini-See zu sehen, doch wie schon gesagt, ziehen sich die Pelikane ab dem Frühjahr zunehmend zurück.
An meinem ersten Tag am Kerkini-See fuhr ich daher mit dem Auto Richtung Mandraki, einem kleinen Dorf im Norden des Sees. Dort soll es einen Pelikan-Beobachtungsturm geben – zumindest laut Berichten.
Vor Ort dann die Ernüchterung: Kein einziger Pelikan weit und breit. Stattdessen sah ich Blässhühner, Silberreiher und Graugänse. Aber dort Pelikane am Kerkini-See? Nicht ein einziger (Foto: Livadia, ein Nachbardorf).
Also beschloss ich, weiter in Richtung des Dorfes Kerkini zu fahren. Entlang des Sees reihen sich mehrere kleine Dörfer aneinander. Meine Unterkunft befand sich im Dorf Livadias, von dort aus sind es nur wenige Fahrminuten bis nach Kerkini.
Apropos Auto: Ohne eigenes Fahrzeug ist man am Kerkini-See nur sehr eingeschränkt mobil. Ursprünglich hatte ich geplant, mit dem Zug anzureisen, doch im Nachhinein war ich sehr froh, ein Auto gehabt zu haben – auch wenn ich eigentlich nur ungern Auto fahre. Zumal ich den Wagen bereits in Thessaloniki mieten musste. Die Flexibilität vor Ort war den Aufwand jedoch wert.
In Kerkini selbst gibt es einen kleinen Hafen, von dem aus kleine Boote auf den See hinausfahren (Foto: Boote in Lithotopos).
Zunächst nahm ich an keiner Bootstour teil. Ich wollte erst mal den Kerkini-See von Land aus erkunden. Am Hafen von Kerkini sah ich dann meinen ersten Pelikan. Es war ein Krauskopfpelikan. Doch sobald er mich sah, schwamm er weg (das folgende Foto habe ich zu einem späteren Zeitpunkt aufgenommen).
Wo waren all die Pelikane am Kerkini-See?
Diese Frage ließ mich nicht los. Ebenso fragte ich mich, wo ich eine Bootstour unternehmen könnte – und vor allem, an wen ich mich dafür wenden sollte. Vor meiner Reise hatte ich mich leider zu kurzfristig über entsprechende Angebote informiert. In meiner Vorstellung würde es doch sicher möglich sein, spontan vor Ort an einer Tour teilzunehmen.
Doch genau das erwies sich als überraschend schwierig.
Also fuhr ich weiter Richtung Süden. Kurz vor Lithotopos entdeckte ich ein kleines Fischerhäuschen. Vielleicht, so hoffte ich, ließen sich von dort aus Pelikane am See beobachten?
Und tatsächlich – man konnte.
Mehr als eine Stunde hielt ich mich dort auf. Von meinem Platz aus konnte ich mehrere Pelikane beobachten – es waren Krauskopfpelikane. Dazu gesellten sich zahlreiche andere Wasservögel: Lachmöwen, Kormorane und Schwarzhalstaucher. Auf dem Wasser war einiges los.
Ob es an den Fischern lag, die von hier aus mit ihren Booten auf den Kerkini-See hinausfuhren?
Glücklicherweise schienen sie sich von meiner Anwesenheit nicht gestört zu fühlen. Dennoch fragte ich mich: Wo waren all die anderen Naturbeobachter:innen? War ich tatsächlich die Einzige? Oder gab es noch einen besseren Ort, um die Pelikane aus nächster Nähe zu erleben?
Wie auch immer – ich blieb erst einmal neben dem kleinen Fischerhäuschen stehen und genoss die Szenerie. Die Pelikane am Kerkini-See und all die anderen Wasservögel boten mehr als genug Anlass, einfach zu verweilen und zu beobachten.
Es bereitete mir große Freude, die Pelikane zu beobachten und zu fotografieren. Sie wirkten so unglaublich fotogen. Wie sie gemächlich über das Wasser glitten – mal geduckt liegend, fast eins mit der Oberfläche, mal zu zweit eng nebeneinander. Und dann wieder aufrecht, mit erhobenem Kopf, als würden sie mich direkt ansehen.
Untereinander schienen sich die Pelikane nicht zu stören. Friedlich glitten sie nebeneinander über das Wasser oder schwammen gelassen aneinander vorbei.
Viele Kormorane zogen ihre Bahnen zwischen den Pelikanen hindurch. Immer wieder tauchten sie ab, nur um wenige Augenblicke später ganz in ihrer Nähe wieder an die Oberfläche zu kommen. Es wirkte, als respektierten sie gegenseitig ihre Anwesenheit – ruhig, selbstverständlich und ohne jede Scheu.
Was ich allerdings ebenfalls beobachten musste, stimmte mich nachdenklich: Zwischen den Pelikanen trieben Plastikkanister und leere Flaschen im Wasser. Warum wurden sie von den Booten aus nicht einfach eingesammelt?
Überhaupt fiel mir rund um den Kerkini-See immer wieder weggeworfenes Plastik in der Natur auf.
Ja, der See ist ein Paradies für zahlreiche Vogelarten und Naturfotograf:innen – ein Ort von beeindruckender Schönheit. Doch auch dieses Paradies hat seine Schattenseiten. Und diese möchte ich nicht unerwähnt lassen.
Nichtsdestotrotz entdeckte ich von meinem Beobachtungspunkt neben dem kleinen Fischerhäuschen aus in der Ferne weitere Vögel. Besonders ins Auge fielen die Rosapelikane mit ihrem zart rosafarbenen Gefieder, das selbst auf Distanz deutlich leuchtete.
Ich beschloss schließlich, die Krauskopfpelikane und die anderen Wasservögel neben dem Fischerhäuschen zunächst hinter mir zu lassen. In einem weiten Bogen ging ich – mit möglichst großem Abstand zu den rastenden Vögeln – neben Gebüsch entlang. Vielleicht bot sich mir aus der Ferne noch eine andere Perspektive, um sie zu beobachten.
Neben den Pelikanen waren vor allem zahlreiche Kormorane und Lachmöwen zu beobachten, aber auch Alpenstrandläufer. Was für eine beeindruckende Vielfalt an wunderschönen Vögeln, dachte ich bei mir.
Ich bemühte mich, so unsichtbar wie möglich zu bleiben. Doch eine unbedachte Bewegung meinerseits ließ zunächst einen Vogel auffliegen, dann den nächsten – und schließlich noch einen weiteren. Ein Teil der Gruppe nahm die Unruhe zum Anlass, sich in die Luft zu erheben.
Ich fühlte mich schlecht. Schließlich befanden sich die Vögel in ihrer wohlverdienten Rast.
Information: Apropos Alpenstrandläufer: Diese faszinierende Art durfte ich bereits an ganz unterschiedlichen Orten beobachten – etwa auf der Insel Grímsey in Island sowie in Barbate im andalusischen Spanien. Wenn du neugierig bist, welche weiteren Vogelarten mir dort begegnet sind, schau gern in die entsprechenden Blogbeiträge hinein.
Es tat mir sehr leid. Gerade in solchen Situationen ist es wohl besser, eine ortskundige Person an seiner Seite zu haben – jemanden, der die Vögel und ihr Verhalten kennt und ihre Fluchtdistanz realistisch einschätzen kann. Ich war eigentlich überzeugt gewesen, genügend Abstand gehalten zu haben.
Also zog ich mich auf eine dahinterliegende Wiese zurück. Dort entdeckte ich einige Singvögel. Eine Haubenlerche hüpfte über das Gras. Sie wirkte aufmerksam und wachsam, zeigte Scheu – aber keine übermäßige. Mehr zu den anderen Vögeln erzähle ich in einem weiteren Blogbeitrag.
Schließlich kehrte ich noch einmal zu dem kleinen Fischerhäuschen zurück. Die Pelikane dort schienen inzwischen zur Ruhe gefunden zu haben.
Ich beschloss dann, meine Fahrt weiter Richtung Süden nach Lithotopos fortzusetzen. Laut iNaturalist werden die Pelikane dort vor allem in den Wintermonaten gesichtet – und tatsächlich entdeckte auch ich wieder einige Exemplare.
Leider schwammen sie erneut zwischen viel treibendem Plastik.
Dann bemerkte ich drei Pelikane, die eine Plastikflasche neugierig umkreisten. War das etwas Fressbares? Immer wieder stießen sie mit ihren Schnäbeln dagegen, hoben sie an, ließen sie fallen und versuchten es erneut. Zum Glück ließ sich das Fundstück nicht verschlucken. Sogar beim Untersuchen wechselten sie sich ab, als würden sie gemeinsam herausfinden wollen, ob sich der vermeintliche Fund lohnte.
Außerdem entdeckte ich Boote, die – so vermutete ich es – zu den Pelikanen hinausfuhren. Doch wen hätte ich hier überhaupt nach einer Bootstour fragen können? Es waren kaum Menschen unterwegs.
In der Nähe von Lithotopos stieß ich auf weitere Fischer. Auch hier sammelten sich zahlreiche Pelikane um die Boote. Doch die Beobachtung der Vögel gestaltete sich schwieriger als zuvor.
Hin und wieder sah ich einzelne Pelikane über mir hinwegfliegen, majestätisch und lautlos.
Ich entdeckte noch einen Silberreiher, doch die Pelikane zu fotografieren erwies sich als ausgesprochen schwierig.
Also entschied ich mich, zum kleinen Fischerhäuschen zurückzugehen. Vielleicht hatte sich das Licht ein wenig verändert und ich könnte noch andere Fotos machen.
Für einen winzigen Augenblick schob sich die Sonne sogar kurz hervor, doch insgesamt blieb der Tag bewölkt und grau.
Ich nutzte die weitere Gelegenheit, um mich im Fotografieren zu versuchen.
Es war bereits nach Mittag, und ich überlegte, ob ich den Kerkini-See mit dem Auto umrunden oder lieber zurück Richtung Kerkini und Livadia fahren sollte. Vielleicht würde ich dort jetzt mehr Pelikane entdecken – oder vielleicht Leute treffen, die Bootstouren anbieten?
Ich blieb noch einen Moment stehen – zum Glück. Denn genau in dem Moment, als ich ans Zurückfahren dachte, kamen drei Iren zum Fischerhäuschen. Normalerweise bin ich nicht besonders gesprächig, doch wir grüßten uns, und ich fragte sie, ob sie schon eine Bootstour gemacht hätten. „Ja, und die nächste beginnt in einer halben Stunde“, antworteten sie.
So kam es, dass ich gemeinsam mit den drei Iren an meiner ersten Bootstour teilnehmen konnte – der Nachmittagstour, die um halb drei startete. Zuvor machte ich noch ein letztes Foto von den Pelikanen am kleinen Fischerhäuschen, bevor wir Richtung Lithotopos fuhren, wo die Tour begann.
Information: Zu Hause hatte ich noch sehr kurzfristig versucht, eine Bootstour zu organisieren – leider ohne Erfolg. Ein bekannter Anbieter vor Ort ist Nikos, der regelmäßig Touren anbietet. Am besten sucht man über eine Suchmaschine nach „Nikos“ und „Kerkini“, um direkt eine Ansprechperson zu finden, die Bootstouren zu den Pelikanen vermittelt.
Der Rosapelikan
Mit einer Körperlänge von bis zu 170 Zentimetern und einem Gewicht von rund zehn Kilogramm zählt der Rosapelikan zu den größten flugfähigen Wasservögeln der Welt. Dabei sind die Männchen deutlich größer und kräftiger gebaut als die Weibchen. Insgesamt übertrifft er in seiner Größe sowohl den Höckerschwan als auch den Graureiher zum Teil deutlich.
Typisch für den Rosapelikan ist sein ausgeprägtes Brutverhalten in großen Kolonien. Wo ein Rosapelikan zu sehen ist, befinden sich meist weitere Artgenossen in unmittelbarer Nähe – besonders während der Fortpflanzungszeit, wenn sich hunderte bis tausende Vögel an einem geeigneten Platz versammeln.
Information: Weitere Vogelarten, die in Kolonien brüten, sind zum Beispiel Papageitaucher, Basstölpel oder Uferschwalben. In meinen früheren Blogbeiträgen kannst du noch mehr über diese faszinierenden Vögel erfahren.
Als Lebensraum bevorzugt er ausgedehnte Feuchtgebiete wie Süßwasserseen, Flussdeltas, Lagunen und Sümpfe, ebenso wie Brackwasserseen. Darüber hinaus nimmt er auch vom Menschen geschaffene Gewässer an, etwa große Stauseen wie den Kerkini-See, sofern sie ausreichend Nahrung und störungsarme Brutplätze bieten.
Die größten Brutkolonien des Rosapelikans befinden sich in Afrika – dort ist die Art am häufigsten vertreten. Ein Blick auf die Beobachtungsmeldungen bei iNaturalist zeigt zudem, dass Rosapelikane insgesamt ein weites Verbreitungsgebiet haben, das sich über Europa, Afrika und Asien erstreckt. Aus Australien, Südamerika und der Antarktis liegen bislang keine Nachweise vor. In Nordamerika hingegen – genauer gesagt vor allem in Florida – wurden sieben einzelne Beobachtungen dokumentiert und auf iNaturalist hochgeladen (Stand Juni 2026). Wie diese Vögel dorthin gelangt sind, bleibt offen: Denkbar ist menschlicher Einfluss.
Frage: Kennst du iNaturalist? Falls nicht, iNaturalist ist eine Citizen-Science-Plattform, auf der jede:r seine Beobachtungen teilen kann. Außerdem hilft sie dabei, Pflanzen- und Tierarten zu bestimmen.
Rosapelikane unternehmen zudem saisonale Wanderungen. Als Thermiksegler – ähnlich wie Störche – nutzen sie aufsteigende Warmluft und meiden längere Strecken über offenem Meer. Daher ziehen sie bevorzugt über Landmassen und an Engstellen wie Meerengen entlang. Allerdings sind nicht alle Populationen Zugvögel: Einige, insbesondere viele afrikanische Rosapelikane, gelten als überwiegend standorttreu und verbleiben ganzjährig in ihren Brutgebieten.
Am Kerkini-See beobachtete ich vor allem Krauskopfpelikane. Nur an einer einzigen Stelle begegnete mir ein einzelner Rosapelikan.
Information: Eine weitere beeindruckende Art ist der Brillenpelikan. Beobachten konnte ich diese Pelikane in Australien – sowohl auf Moreton Island als auch auf Kangaroo Island. Wenn du mehr über meine Begegnungen mit den Brillenpelikanen erfahren möchtest, wirf gern einen Blick in einen meiner früheren Blogbeiträge.
Der Krauskopfpelikan
Der am häufigsten im Februar am Kerkini-See beobachtete Pelikan ist der Krauskopfpelikan. Krauskopfpelikane zählen – ebenso wie Rosapelikane – zu den größten Wasservögeln überhaupt. Zwar sollen Rosapelikane im Durchschnitt etwas größer werden, insgesamt erreichen jedoch beide Arten meist eine vergleichbare Größe. Wie bei vielen Vogelarten sind auch hier die Weibchen in der Regel etwas kleiner als die Männchen; im übrigen Erscheinungsbild unterscheiden sich die Geschlechter jedoch kaum voneinander.
Krauskopfpelikane besitzen einen rund 40 Zentimeter langen Schnabel, der an der Spitze einen auffälligen orangefarbenen „Nagel“ trägt. Die Färbung von Schnabel und Kehlsack variiert im Jahresverlauf und hängt davon ab, ob die Tiere ihr Pracht- oder Schlichtkleid tragen. Das intensiver gefärbte Prachtkleid zeigen sie während der Paarungszeit, außerhalb dieser Phase tragen sie das unauffälligere Schlichtkleid.
Der Kehlsack ist gelblich bis rot-orange gefärbt. Die Intensität der Farbe variiert individuell und hängt zudem davon ab, ob gerade Paarungszeit ist oder nicht.
Das Gefieder an Kopf und Hals ist lang und deutlich gekräuselt – daher rührt auch der Name Krauskopfpelikan. Insgesamt ist das Gefieder überwiegend weiß; lediglich die Flügelspitzen sind schwärzlich gefärbt.
Krauskopfpelikane – ebenso wie Rosapelikane und alle übrigen Pelikanarten – gehören zur Ordnung der Pelecaniformes, die im Deutschen als Ruderfüßer bezeichnet wird. Zu dieser Gruppe zählen unter anderem auch Kormorane und Tölpel.
Die Bezeichnung „Ruderfüßer“ weist auf ein typisches Merkmal dieser Vögel hin: Alle vier Zehen sind durch eine durchgehende Schwimmhaut verbunden, was sie zu hervorragenden Schwimmern macht.
Allen Vertretern dieser Gruppe gemeinsam ist eine unbefiederte Hautpartie im Kehlbereich. Allerdings ist sie nicht bei allen Arten gleichermaßen ausgeprägt – bei den Pelikanen entwickelt sie sich zu einem besonders großen und funktional bedeutsamen Kehlsack.
Typisch für den Krauskopfpelikan – wie für sämtliche Pelikanarten – ist der bis zu 40 Zentimeter lange Schnabel mit dem daran anschließenden, stark dehnbaren Hautsack. Dieser ist mit dem Unterschnabel verbunden und kann sich beim Beutefang erheblich erweitern. Beim Fischfang wirkt er wie ein Kescher: Der Vogel schöpft Wasser samt Beute auf, lässt das überschüssige Wasser ablaufen und verschlingt anschließend den Fang.
Das konnte ich während meiner beiden Bootstouren auf dem Kerkini-See eindrucksvoll beobachten. In den folgenden Abschnitten berichte ich ausführlicher von meinen Eindrücken und Beobachtungen.
Information: Da ich auf meinen Bootstouren auf dem Kerkini-See ausschließlich Krauskopfpelikane beobachten konnte, verwende ich im weiteren Verlauf dieses Beitrags den Begriff „Pelikane“ immer im Sinne von Krauskopfpelikanen.
Pelikane am Kerkini-See am Abend
Meine erste Bootstour auf dem Kerkini-See startete am Nachmittag und endete in den Abendstunden; insgesamt waren wir etwa zwei bis drei Stunden unterwegs. Der Himmel war zwar bedeckt und nur gelegentlich brachen ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolken, doch ich versuchte dennoch, das Beste aus den schwierigen Lichtverhältnissen zu machen – ebenso wie die anderen Wildtierfotograf:innen an Bord.
Insgesamt waren wir zu sechst plus Bootsfahrer, und jede:r hatte eine hochwertige Kamera dabei. Mir war zuvor gar nicht bewusst gewesen, wie bekannt die Pelikane am Kerkini-See unter Wildtierfotograf:innen sind.
Als wir losfuhren, begannen plötzlich die Krauskopfpelikane, uns zu folgen – und nur wenige Augenblicke später wurde mir klar, warum: Fische. Der Bootsfahrer hatte zwei Eimer voller Fisch an Bord, die er nach und nach den Pelikanen zuwarf.
„Ach so“, dachte ich, „deshalb lassen sich die Pelikane am Kerkini-See so gut fotografieren!“ Für mich war das eine echte Überraschung, denn ich hatte angenommen, wir könnten ihr von Menschen unbeeinflusstes Verhalten beobachten. Tatsächlich wurden die Vögel jedoch gezielt durch die Fütterung in die gewünschte Richtung gelenkt, um perfekte Fotomotive zu ermöglichen.
Natürlich habe ich mich auch gefragt: Finde ich das eigentlich gut? Naja – wenn man an einen neuen Ort kommt, die Tiere und ihren Lebensraum nicht kennt, fällt es schwer, das richtig einzuschätzen. Angeblich hatten Biolog:innen die Praxis des Fischfütterns anfangs kritisch gesehen, inzwischen wird sie jedoch offenbar akzeptiert und sogar begrüßt.
Frage: Was hältst du davon? Für mich ist es interessant zu sehen, wie nah man den Tieren so kommen kann – und gleichzeitig merkt man, dass alles ein wenig „inszeniert“ wird. Es regt zum Nachdenken darüber an, wie wir unsere Beobachtungen in der Natur interpretieren.
Als einfache Touristin, Reisende oder Naturbeobachterin – wie auch immer man es nennen mag – fällt es mir schwer, das künstliche Anfüttern zu bewerten. Dafür kenne ich den Kerkini-See, seine Umgebung und die dort lebenden Tiere zu wenig.
Also nahm ich den Ort so an, wie er sich mir zeigte, und nutzte die Gelegenheit, die Pelikane am Kerkini-See aus nächster Nähe zu beobachten – und natürlich auch zu fotografieren. Zwar erleichtert das Anfüttern die Bedingungen erheblich, doch ganz ohne Herausforderungen war das Fotografieren dennoch nicht: das wechselnde Licht, die ständige Bewegung der Tiere und die Frage nach der passenden Objektivwahl verlangten Aufmerksamkeit und Flexibilität.
Schon zu Beginn unserer Bootsfahrt folgten uns die Pelikane am Kerkini-See. Sie wussten genau, dass es Fische geben würde, und begleiteten uns aufmerksam und erwartungsvoll über das Wasser.
Information: Apropos Anfüttern. Auch an anderen Orten werden Tiere gefüttert, obwohl sie nicht in Gefangenschaft leben. Ein Beispiel dafür sind die Murmeltiere am Großglockner. Mehr dazu findest du in einem früheren Blogbeitrag.
Nach und nach warf der Bootsführer den Pelikanen Fische zu. Sofort nahmen sie die Verfolgung auf. Mit kräftigen Flügelschlägen flogen sie rechts oder links am Boot vorbei, setzten neben uns auf dem Wasser auf oder landeten hinter uns, um keine Gelegenheit zu verpassen. Immer wieder positionierten sie sich neu, aufmerksam und erstaunlich geschickt, um den nächsten Fisch zu erwischen.
Zu Beginn waren es nur wenige Pelikane, die uns begleiteten – doch ihre Zahl sollte bald wachsen.
Besonders faszinierend war es für mich, den Pelikanen beim Landen zuzusehen. Mit weit ausgebreiteten Flügeln kamen sie im Landeanflug heran, bremsten kurz vor der Wasseroberfläche ab und setzten schließlich sanft auf dem See auf, wobei sie noch ein Stück über das Wasser glitten.
Es sind beeindruckend schöne Vögel. Und doch – das muss ich an dieser Stelle ehrlich zugeben – all diese Eindrücke hätte ich weder erleben noch fotografisch festhalten können, wenn die Tiere nicht vom Boot aus angefüttert worden wären.
Ist das jetzt natürliches Verhalten?
Nun ja – ich habe die Beobachtungen und die zahlreichen Gelegenheiten, Fotos von den Pelikanen zu machen, natürlich sehr genossen. Gleichzeitig war mir bewusst, dass es sich um künstlich beeinflusstes Verhalten handelte. Ich möchte das nicht kritisieren, aber ich finde es wichtig, diese Information nicht unerwähnt zu lassen – gerade für alle, die Wildtiere fotografieren.
Vor meiner Abreise hatte ich schon viele beeindruckende Fotos gesehen. Jetzt weiß ich auch, wie sie so entstanden sind.
Nach und nach kamen immer mehr Pelikane hinzu, alle auf der Jagd nach dem Fisch. Wer würde wohl als Erstes zuschnappen? Manchmal war es klüger, an einer freien Stelle zu landen, fernab von den anderen, um die besten Chancen auf den nächsten Happen zu haben.
Schließlich entschied sich ein Pelikan, direkt auf dem Boot zu landen. Das hatte für ihn klare Vorteile: Kein anderer Pelikan konnte ihm den Fisch noch streitig machen. Dennoch kamen auch die anderen Pelikane am Kerkini-See nicht zu kurz – nur auf dem Boot entfiel der Kampf um den nächsten Happen.
Die anderen Pelikane mussten sich gedulden – wenn sie nicht gerade stritten, warteten sie oder setzten ihr liebliches „Schau mich an“-Gesicht auf.
Nach wie vor war es bewölkt, die Sonne traute sich kaum hervor. Doch immerhin: Es regnete nicht.
Manchmal fuhr das Boot, manchmal hielten wir an. Der Bootsführer fragte immer wieder, wie er wenden sollte – er wollte die besten Positionen für uns Fotograf:innen ermöglichen. Der Pelikan auf dem Boot blieb dabei gelassen an seinem Platz und fuhr einfach mit.
Ich machte unzählige Fotos von den Pelikanen – wahrscheinlich viel zu viele. Besonders reizvoll war für mich, sie beim Landen auf dem Wasser einzufangen.
Aber sie interessierten sich natürlich nur für Eines.
Den Fisch.
Schließlich hielten wir erneut an. Die Pelikane am Kerkini-See sammelten sich um das Boot und richteten neugierig und erwartungsvoll ihre Blicke auf uns.
In diesem Moment konnte ich Portraits von den wartenden Pelikanen aufnehmen. Es sind wirklich beeindruckend schöne Vögel.
Plötzlich änderte sich auch das Licht: Es wurde wärmer, farbiger und zeigte den See nicht länger nur in Grau. Ich nutzte die Gelegenheit, um weitere Aufnahmen von ihnen zu machen.
Den Pelikan auf dem Boot, der mit uns mitgefahren war, konnte ich nun in ein besseres Licht rücken. Nicht nur ich – auch die anderen Fotograf:innen an Bord nutzten die Gelegenheit.
Einige Pelikane legten sogar ihren Kopf aufs Boot – eine Pose, die mich sofort an einen Hund erinnerte. Und tatsächlich funktionierte es: Vom Bootsführer gab es prompt einen Fisch. Ganz schön schlaue Vögel! Sie schienen genau zu wissen, was sie tun mussten, um an ihren nächsten Happen zu kommen.
Das Licht war noch immer schwach, doch auf der Wasseroberfläche spiegelte es sich und tauchte die Umgebung in ein zartes Rot. Auf dem Boot war ich in mich gekehrt und sprach nur wenig. Auch die anderen Teilnehmer:innen richteten ihre Aufmerksamkeit ganz auf die Pelikane am Kerkini-See. Dennoch herrschte eine angenehme, fast stille Atmosphäre: Kein Drängeln, kein Streit um den besten Platz. Jeder verhielt sich respektvoll gegenüber den anderen. Gemeinsam bemühten wir uns, die Schönheit der Pelikane am Kerkini-See bestmöglich einzufangen.
Zum Ende der Tour wurde es immer spannender. Das Licht verlor seine graue Schwere und gewann an Wärme und Tiefe. Auch der Bootsführer, der normalerweise selbst fotografisch unterwegs ist, bemerkte die Veränderung. Geduldig wies er uns immer darauf hin, wo er den Fisch hinwerfen würde, sodass wir unsere Kameras rechtzeitig bereitmachen konnten.
Zwar war dies nicht das völlig natürliche Verhalten der Pelikane am Kerkini-See, dennoch bot es uns die Gelegenheit, ihre Dynamik und Anmut eindrucksvoll festzuhalten.
Ich habe übrigens mit einem 70–200 mm-Objektiv fotografiert. Zusätzlich hatte ich ein 50 mm-Objektiv dabei, wobei für Landschaftsaufnahmen vermutlich noch eine geringere Brennweite besser geeignet gewesen wäre. An Bord war ein Fotograf, der Festbrennweiten von 105 mm und mehr dabei hatte – das lohnt sich auf jeden Fall, denn die Pelikane am Kerkini-See kommen oft nah genug heran, sodass sich mit einer Festbrennweite besonders gelungene Portraitaufnahmen machen lassen.
Nichtsdestotrotz schien es, als hätten manche Vögel schon aus der Ferne bemerkt, dass bei uns etwas abzustauben war.
Mehr Pelikane bedeuteten für uns vor allem mehr Gelegenheiten, die Pelikane am Kerkini-See zu fotografieren. Für die Vögel selbst jedoch hieß es vor allem eines: mehr Konkurrenz untereinander.
Manchmal saßen sie auch einfach nur da und blickten ruhig in Richtung Boot. Fast wirkte es, als würden sie geduldig abwarten. Ob sie wohl hofften, noch einen Fisch abzubekommen? In ihren Bewegungen lag eine Mischung aus Gelassenheit und Erwartung – ein stilles Beobachten, das ebenso faszinierend war wie ihre spektakulären Flüge.
Als es zunehmend dunkler wurde, machten wir uns langsam auf den Rückweg in Richtung Lithotopos. Da noch etwas Fisch übrig war, begleiteten uns die Pelikane am Kerkini-See ein Stück. Sie stiegen auf, folgten dem Boot, landeten wieder auf dem Wasser – stets in der Hoffnung auf eine weitere Beute. Dieses stetige Auf und Ab, dieses Wechselspiel aus Fliegen und Landen, setzte sich immer wieder fort.
Irgendwann legte ich die Kamera zur Seite. So sehr ich das Fotografieren liebe – manchmal empfinde ich sie auch als kleine Barriere zwischen mir und dem Moment. Dann möchte ich nicht durch den Sucher blicken, sondern einfach nur beobachten. Warum fotografiere ich also?
Im Nachhinein kenne ich die Antwort: Ich freue mich über die Bilder. Und ich freue mich ebenso, sie hier auf dem Blog teilen zu können – als Erinnerung an einen Abend voller Licht, Bewegung und Begegnungen.
Frage: Nimmst du deine Kamera mit auf Reisen, um besondere Momente festzuhalten? Oder lässt du sie ganz bewusst zu Hause, um Tiere und Natur ohne den Blick durch den Sucher zu erleben? Mich interessiert, wie du das handhabst – schreib mir deine Gedanken gerne in die Kommentare.
Pelikane am Kerkini-See am Morgen
Nach meiner ersten Bootstour vergingen zwei Tage, bis ich wieder auf den Kerkini-See hinausfahren konnte. Es regnete. Zwar wäre eine Tour auch bei leichtem Niesel möglich gewesen, doch die Wettervorhersage versprach einen freundlichen Vormittag – und auf diesen wollte ich warten.
In der Zwischenzeit streifte ich zu Fuß am See entlang oder blieb in meiner Unterkunft und begann, die ersten Bilder zu sichten. Denn Fotos hatte ich reichlich gemacht. Auch an jenem Morgen, als ich erneut an einer Bootstour teilnahm.
Die Tour begann bereits um sieben Uhr morgens. Noch im Dunkeln kam ich am Hafen von Kerkini an. Zwar wäre auch ein Start in Lithotopos möglich gewesen, doch ich war ehrlich erleichtert, direkt in Kerkini loszufahren – besonders bei Nebel fahre ich am Kerkini-See ungern zu weit mit dem Auto.
Als wir ablegten, war es noch immer dunkel. So erlebte ich das erste Licht des Tages direkt draußen auf dem Kerkini-See – diesen stillen Moment, wenn die Nacht langsam dem Morgen weicht.
Und kaum hatten uns die Pelikane entdeckt, folgten sie dem Boot, als hätten sie nur auf uns gewartet.
Wir waren nicht die Einzigen, die die Pelikane auf dem Kerkini-See beobachten – und auch fotografieren – wollten. In der Ferne entdeckte ich ein weiteres Boot. Ob sie keine Fische dabeihatten? Es wirkte fast so, denn nach und nach drehten die Pelikane ab und kamen in unsere Richtung geflogen.
Im sanften Morgenlicht versuchte ich, einen Pelikan als Silhouette festzuhalten – nur seine Konturen vor dem heller werdenden Himmel, reduziert auf Form und Bewegung.
Wieder waren ausschließlich Fotograf:innen an Bord. Ich fand das ziemlich beeindruckend – die Pelikane am Kerkini-See scheinen tatsächlich unter Wildtierfotograf:innen einen legendären Ruf zu genießen.
Die Sonne war noch nicht ganz aufgegangen, doch die Pelikane begleiteten geduldig das Boot, als wären sie sich des morgendlichen Schauspiels voll bewusst.
Dieses Mal hatte der Bootsführer nur einen Eimer Fische dabei, beim letzten Mal waren es noch zwei gewesen. Auch jetzt jedoch bemühte er sich – es war allerdings ein anderer Bootsführer – die beste Position für uns zum Fotografieren zu finden.
Die Sonne schickte ihre ersten warmen Strahlen über den See, während sich im Hintergrund Nebel über dem Kerkini-See legte. Ich liebte diese Atmosphäre: geheimnisvoll und still, und doch voller Leben.
Wie schon bei der vorherigen Tour wechselte das Boot zwischen Bewegungen und Momenten des Verweilens – mal fuhren wir weiter, mal hielten wir eine Weile still, um die Szene in Ruhe wirken zu lassen.
Schließlich ging die Sonne auf, und der Anblick auf dem Kerkini-See war einfach wunderschön. Den Sonnenaufgang gemeinsam mit den Pelikanen zu erleben, war ein besonderer Moment voller Ruhe und Licht.
Einzig das viele Reden störte ein wenig – ich hätte den See am liebsten ganz still erlebt. Der Bootsführer war sehr freundlich und bemühte sich, uns das bestmögliche Erlebnis zu bieten, doch in dieser stillen Schönheit waren mir seine Worte manchmal zu viel.
Was ich im Nachhinein jedoch etwas bereute, war, dass ich den Bootsführer nicht ausführlicher zu den Pelikanen am Kerkini-See befragt hatte. Zwar ging ich mit unzähligen Fotos nach Hause, doch die Pelikane blieben für mich weiterhin ein kleines Mysterium.
Leider zogen nach und nach ein paar Wolken auf und versteckten die Sonne wieder hinter ihrem Schleier, sodass das Licht langsam gedämpfter wurde.
Auch dieses Mal waren wieder ausschließlich Krauskopfpelikane zu beobachten. Und die Rosapelikane? Wo halten sie sich eigentlich im Winter auf? Ist es normal, dass sie sich von den Booten fernhalten – oder gibt es generell nur wenige von ihnen am Kerkini-See?
Fragen über Fragen, die ich gerne gestellt hätte, die mir nun aber im Nachhinein durch den Kopf gehen.
Ach ja – und manche Pelikane trugen Nummern an den Flügeln. Steckte dahinter ein Forschungsprojekt? Wurden sie markiert, um ihre Bewegungen besser nachvollziehen zu können?
Ich erfuhr zumindest, dass es von biologischer Seite inzwischen begrüßt wird, dass die Pelikane am Kerkini-See gefüttert werden. Dadurch bleiben viele von ihnen das ganze Jahr über in der Region, ziehen sich jedoch im Laufe des Frühlings zunehmend zurück.
Nichtsdestotrotz fasste – wie schon bei meiner ersten Tour – auch dieses Mal wieder ein Pelikan Mut und landete kurzerhand auf dem Boot.
Natürlich war es der Fisch, der ihn hergelockt hatte. Mit leicht geneigtem Kopf und diesem beinahe bittenden Blick fixierte er den Bootsführer – so eindringlich, dass es kaum möglich war, ihm zu widerstehen. Die Taktik ging auf: Kurz darauf bekam er seinen nächsten Fisch.
Da war ein Pelikan, der immer wieder seinen Schnabel weit aufriss. Soweit ich es verstanden habe, hing das mit dem Fisch zusammen, den er gefressen hatte, denn Pelikane öffnen ihren Schnabel häufig, um die Beute im Kehlsack richtig zu positionieren und überschüssiges Wasser ablaufen zu lassen, bevor sie sie endgültig hinunterschlucken.
Der Nebel hing noch immer über dem Kerkini-See, während die Sonne zunehmend schwächer wurde. Schließlich erreichten wir eine Stelle, an der sich die Pelikane wunderschön im Wasser spiegelten, perfekt für Fotos. Unser Bootsführer wusste genau, was Fotograf:innen suchten: das richtige Licht, den Nebel und die perfekte Spiegelung.
Beide Bootstouren, sowohl die am Morgen als auch die am Abend dauerten etwa zwei Stunden. Angeblich kann eine Tour auch mal drei Stunden dauern, wenn die Bedingungen perfekt sind.
Es war im Februar übrigens recht kalt. Ich hatte Handschuhe dabei und eine Winterjacke an. Nach zwei Stunden war ich etwas durchgefroren, aber ehrlich gesagt, merkte ich das erst am Ende, weil ich so mit den Pelikanen beschäftigt war.
Da sich die Lichtbedingungen verschlechterten, fuhren wir schließlich wieder zurück zum Hafen.
Interessant war, dass die Pelikane am Kerkini-See zu wissen schienen, dass der Bootsführer keinen Fisch mehr hatte. Wir fuhren nämlich los und die Pelikane blieben zurück.
Information: Für eine Bootstour solltest du ungefähr mit rund 60 Euro rechnen. Manche Hotels bieten ebenfalls Touren an, bei denen der Preis bereits enthalten sein oder etwas günstiger sein kann. Im Februar, als ich dort war, lag der Preis jedenfalls bei diesem Betrag.
Mehr Informationen
Kennst du die Pelikane am Kerkini-See? Warst du schon einmal dort oder hast du Pelikane an einem anderen Ort beobachtet? Hinterlasse gerne einen Kommentar und teile deine Erlebnisse.