Im vergangenen Oktober besuchte ich während meiner Reise durch Spanien und Portugal den Nationalpark Coto de Doñana. Von Sevilla aus machte ich einen Tagesausflug in das berühmte Naturschutzgebiet. Welche Tiere ich dort beobachten konnte und ob sich ein Besuch an nur einem Tag lohnt, erfährst du in diesem Beitrag.
Der Nationalpark Coto de Doñana
Eine einzigartige Natur. Unzählige Vogelarten. Und mit ganz viel Glück: ein Iberischer Luchs.
Den Nationalpark Coto de Doñana kannte ich bis dahin nur von Fotos. Schon lange trug ich den Wunsch in mir, diesen besonderen Ort einmal selbst zu erleben. Auf meiner zweiwöchigen Reise von Tarifa nach Lissabon stand der Nationalpark zunächst auf der Kippe – fast hätte ich ihn ausgelassen, mit dem Plan, ein anderes Mal für länger zurückzukommen.
Dann entdeckte ich Naturanda, die Tagestouren von Sevilla aus anbieten. Da ich ohnehin einen Stopp in Sevilla eingeplant hatte, zögerte ich nicht lange und buchte spontan einen Tagesausflug in den Nationalpark Coto de Doñana.
Natürlich ist ein einziger Tag viel zu kurz, um einen so vielfältigen Nationalpark wirklich kennenzulernen. Und trotzdem war ich mehr als glücklich, diese Tour gemacht zu haben. Sümpfe und Lagunen, Pinienwälder, wandernde Dünen und Steilküsten – Doñana beeindruckt mit einer außergewöhnlichen landschaftlichen Vielfalt. Ich war von diesem Ort tief begeistert. Auch die Tour selbst und die Gruppe machten den Tag zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Dabei begann der Tag alles andere als vielversprechend: Es regnete. Und regnete. Und regnete weiter. Eine Teilnehmerin entschied sich sogar, nicht mitzukommen, weil es ihr zu nass war. Doch später hörte der Regen glücklicherweise auf – und wir hatten mehr Glück, als die Wettervorhersage vermuten ließ.
Der Nationalpark Coto de Doñana ist eines der bedeutendsten Feuchtgebiete Europas und liegt an der Costa de la Luz in Spanien. Er bietet unzähligen Tierarten einen geschützten Lebensraum. Besonders für Zugvögel ist Doñana ein unverzichtbares Rastgebiet, bevor sie weiter in ihre Winterquartiere nach Afrika ziehen. Aber auch größere Säugetiere wie Rot- und Damhirsche oder Wildschweine sind hier zu Hause. Einer der bekanntesten Bewohner ist jedoch der Pardelluchs, der Iberische Luchs.
Und ob wir ihm an diesem Tag begegnet sind?
Information: Der Begriff Feuchtgebiet umfasst unterschiedliche Landschaftsformen wie Auen, Feuchtwiesen, Moore, Sümpfe oder Marschland. Ein besonders großes und bekanntes Feucht- beziehungsweise Sumpfgebiet ist das Pantanal in Brasilien.
Auf der Tour mit Naturanda begegnete ich zum ersten Mal bewusst der Unterscheidung zwischen den Begriffen „Nationalpark“ und „Naturpark“. Der Kern von Doñana ist als Nationalpark ausgewiesen, während ihn der Naturpark Doñana wie eine Art Schutzzone umgibt.
Doch worin liegt eigentlich der Unterschied? Im Nationalpark gilt der strengste Schutz: Die Natur steht über allem und menschliche Nutzung wird stark eingeschränkt, damit die Landschaft so unberührt wie möglich bleibt. Im Naturpark Doñana hingegen ist der Schutz weniger strikt – hier ist beispielsweise eine nachhaltige Landwirtschaft erlaubt.
Diese Unterschiede zu verstehen, fand ich sehr spannend, und ich war neugierig auf das, was uns im Nationalpark erwarten würde.
Information: Ich nahm an einer Tour mit Naturanda teil, die hervorragend organisiert war. Unser Guide vermittelte viele spannende Informationen, und auch die Gruppe war sehr angenehm. Für die Tagestour ab Sevilla bezahlte ich 89,00 Euro.
Eine zentrale Rolle für Doñana spielt der Fluss Guadalquivir. Er durchquert unter anderem Córdoba und Sevilla und mündet bei Sanlúcar de Barrameda in den Atlantik. In seinem Unterlauf, kurz vor der Mündung, bildet der Guadalquivir ausgedehnte Sumpf- und Feuchtgebiete – die sogenannten Las Marismas. Sie prägen die Landschaft Doñanas und sind Grundlage seiner außergewöhnlichen ökologischen Bedeutung.
Bevor ich auf die einzigartigen Bewohner in Doñanas eingehe, darf ein entscheidender Punkt nicht unerwähnt bleiben: Doñana leidet unter akutem Wassermangel. Dieser ist einerseits eine Folge des Klimawandels, andererseits aber auch des hohen Grundwasserverbrauchs für die intensive Landwirtschaft. Vor allem der Anbau von Erdbeeren und anderen Beeren entzieht der Region große Mengen Wasser. Der stetig steigende Wasserbedarf setzt das Schutzgebiet zunehmend unter Druck.
Ohne Wasser gibt es kein Feuchtgebiet – und verschwindet das Feuchtgebiet, geht ein lebenswichtiger Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten verloren. Zwar kann ein Frühjahr ungewöhnlich niederschlagsreich sein und Doñana vorübergehend Entlastung bringen, doch von einer nachhaltigen Erholung kann keine Rede sein. Um den Grundwasserspiegel dauerhaft zu stabilisieren, wären mehrere regenreiche Jahre nötig.
Diese Entwicklung ist schwer mitanzusehen. Spanische Erdbeeren haben inzwischen aufgrund der Wassersituation einen schlechten Ruf. Doch reicht das aus, um ein Umdenken zu bewirken und eine Entwicklung einzuleiten, die Doñana langfristig wieder ausreichend mit Grundwasser versorgt?
Information: Die Dünen im Doñana erfüllen eine wichtige Funktion für den Wasserhaushalt des Gebietes. Sie nehmen Grundwasser auf und leiten es in Richtung der Pinienwälder weiter. Dadurch entsteht ein natürlicher Kreislauf, der für das Ökosystem unverzichtbar ist. Ohne ausreichend Grundwasser kommt dieser Kreislauf zum Erliegen.
Flamingos, Weißstörche und mehr Vögel
Unsere Tour nahm ihren Anfang in Sevilla und führte uns zunächst in die Nähe von La Puebla del Río, einem Ort am Ufer des Guadalquivir. Dort erstrecken sich die sogenannten Las Marismas, eine weitläufige, von Wasser geprägte Landschaft. Einer der ersten Vögel, denen ich hier begegnete, war der Braunsichler.
In der Umgebung des Nationalparks Coto de Doñana begegneten mir Braunsichler immer wieder. Feuchtgebiete gehören generell zu ihren bevorzugten Lebensräumen, weshalb man sie häufig in Sümpfen, an Lagunen, Seen oder entlang von Flüssen beobachten kann.
Besonders interessant ist ihre große geografische Verbreitung. Ein Blick auf die Beobachtungsdaten bei iNaturalist zeigt, dass Braunsichler auf nahezu allen Kontinenten – mit Ausnahme der Antarktis – nachgewiesen wurden. In Südamerika scheinen sie sich bislang jedoch nicht etabliert zu haben, und auch in den nördlichen Regionen Nordamerikas, Europas und Asiens sind sie kaum anzutreffen.
Information: iNaturalist ist eine Plattform, auf der Beobachtungen von Tieren, Pflanzen und Pilzen geteilt werden können. Die Nutzer:innen unterstützen sich dort gegenseitig bei der Bestimmung der Arten und tragen zugleich dazu bei, wertvolle Daten zu sammeln, um deren Verbreitung besser zu verstehen.
Neben den zahlreichen Braunsichlern entdeckte ich auch viele Weißstörche. Während mir Braunsichler in Deutschland bislang noch nie begegnet sind, sind mir Weißstörche natürlich bestens vertraut. Sowohl im Norden als auch im Süden Deutschlands lassen sie sich in den Frühlings- und Sommermonaten gut beobachten.
Ein bekanntes Beispiel ist das brandenburgische Linum, wo man auf zahlreichen Dächern bewohnte Horste entdecken kann. Aber auch im Süden, etwa in der Storchenstation Salem, lassen sich unzählige Weißstörche aus nächster Nähe beobachten.
In der Umgebung des Nationalparks Coto de Doñana sah ich viele von ihnen durch die feuchten Wiesen schreiten, auf der Suche nach Nahrung.
Im Gegensatz zum Braunsichler besitzt der Weißstorch jedoch keine derart weite Verbreitung. Das spiegelt sich auch in den Beobachtungen auf iNaturalist wider. Zwar werden Weißstörche vereinzelt auch in Asien, etwa in Indien, beobachtet, der Großteil der Nachweise stammt jedoch aus Europa und Afrika.
Weißstörche sind Zugvögel, die weite Strecken zwischen ihren Brut- und Winterquartieren zurücklegen und dabei von Nordeuropa bis nach Südafrika ziehen können. Als Segelflieger sind sie auf warme Aufwinde angewiesen und meiden lange Überquerungen offener Meere. Daher nutzen sie auf ihrem Zug entweder die Route über Gibraltar (Westzieher) oder über den Bosporus (Ostzieher).
Information: In einem früheren Blogbeitrag berichte ich von meinen Vogelbeobachtungen rund um Tarifa, also an der Straße von Gibraltar. Schau gern vorbei, wenn du mehr darüber erfahren möchtest.
Zur Familie der Störche (Ciconiidae) gehören rund 20 Arten. Neben dem Weißstorch zählen dazu unter anderem der Marabu (linkes Foto), der südlich der Sahara verbreitet ist, sowie der Jabiru (rechtes Foto) aus Südamerika.
Nicht zu vergessen ist der Schwarzstorch, den ich schon einmal in einem Wildpark beobachten konnte. Sehr gern würde ich ihn auch einmal in freier Wildbahn sehen. Angeblich sollen Schwarzstörche auch in der Umgebung des Guadalquivir vorkommen.
An dem Ort mit den vielen Braunsichlern und Weißstörchen begegnete mir jedoch kein einziger Schwarzstorch...
... dafür aber unzählige wunderschöne Flamingos.
Wow. Was für eine schöne Beobachtung. So viele Flamingos. Ich wusste gar nicht wohin schauen. Überall schien es von den Flamingos nur so zu wimmeln.
Auch die Flamingos lieben das Wasser.
Apropos Wasser: In der Umgebung, in der wir so viele Flamingos beobachteten, wird auch Reis angebaut. Dabei versucht man teilweise, eine Art Ersatzlebensraum für Wasservögel zu schaffen. Allerdings benötigt auch der Reisanbau große Mengen Wasser. Welche Auswirkungen das auf das lokale Ökosystem hat, ist spannend zu hinterfragen.
Ganz ehrlich – ich hätte nicht gedacht, dass in Andalusien Reis angebaut wird!
Wir alle waren total begeistert von den Flamingos. Besonders schön fand ich, dass nicht nur ich von den vielen Vögeln fasziniert war. Für die anderen Teilnehmer:innen war es ebenfalls das erste Mal, so viele Flamingos zu sehen – und so konnten wir unsere Begeisterung gemeinsam teilen.
Bei den Flamingos in der Umgebung des Nationalparks Coto de Doñana handelt es sich übrigens um Rosaflamingos. Weltweit gibt es sechs Flamingoarten aus der Familie der Flamingos (Phoenicopteridae). In Spanien kommt überwiegend der Rosaflamingo vor, wobei laut iNaturalist auch der Zwergflamingo in Spanien beobachtet werden kann.
Genau deshalb nutze ich iNaturalist so gerne: Es zeigt, wo die verschiedenen Arten bereits gesichtet wurden.
An dem Ort, an dem wir waren, begegneten uns jedoch „nur“ Rosaflamingos.
Information: Die weiteren Flamingoarten neben dem Rosaflamingo und dem Zwergflamingo sind der Kubaflamingo, der Chileflamingo, der Andenflamingo und der James-Flamingo. Im Vogelpark Parque das Aves in Foz do Iguaçu habe ich ebenfalls schon Flamingos beobachtet. Mehr über diesen besonderen Vogelpark erfährst du in einem meiner früheren Blogbeiträge.
Rosaflamingos sind in ihren Ansprüchen an den Lebensraum sehr wählerisch. Sie leben in Kolonien mit zahlreichen Individuen, doch ihr Lebensraum muss ausreichend Schutz vor Störungen bieten und für Prädatoren schwer zugänglich sein. Gleichzeitig benötigen sie Zugang zu ihren Nahrungsgründen. Bevorzugt werden flache, schlammige Uferbereiche, Brackwassergebiete oder auch Meeresbuchten.
Typisch für Rosaflamingos ist ihr überwiegend rosa-weißes Gefieder, während die Hand- und Armschwingen schwarz gefärbt sind. Besonders gut konnte ich diese beobachten, als die Flamingos in ihre Kolonie einflogen.
Information: Wusstest du, dass der Rosaflamingo die größte unter den Flamingoarten ist? Im Durchschnitt erreichen Rosaflamingos eine Größe von 120 bis 140 cm, wobei die Männchen etwas größer als die Weibchen werden.
Interessant ist übrigens, dass Rosaflamingos nach dem Schlüpfen ein hellgraues Dunenkleid haben, das sich nach einigen Wochen zu einem dunkelgrauen Gefieder entwickelt. Erst nach mehreren Jahren nehmen die Jungvögel das für Rosaflamingos typische Federkleid an.
Unter den vielen Flamingos, die wir beobachteten, waren auch einige jüngere Tiere, die ihr adultes Federkleid noch nicht entwickelt hatten. Besonders spannend war, dass sich einige der Jungflamingos an einer Stelle versammelt hatten.
Besonders spannend ist auch, dass Jungvögel Monate oder sogar Jahre brauchen, bis ihre Beine kräftig rosafarben sind. An ihren schwarzen oder grauen Beinen lassen sie sich leicht als Jungtiere erkennen. Erst nach etwa zwei Jahren zeigen die Beine erste rosafarbene Stellen.
Auch die Schnabelbasis der Rosaflamingos verändert sich nur langsam: Sie benötigt Jahre, bis sie sich von grau zu einem blassen Rosa und schließlich zu einem kräftigen Rosa entwickelt.
Wir blieben eine ganze Weile bei den Flamingos. Es war lebendig und voller Bewegung. Ihre Rufe klangen wie Trompeten – als müssten sie sich ständig etwas mitteilen. Wir hörten ihnen einfach zu. Es war wunderschön.
Faszinierend war zu beobachten, wie immer mehr Rosaflamingos hinzukamen oder wieder davonflogen. Typisch für die Art ist, dass sie beim Flug Hals und Beine ausgestreckt halten.
Doch nicht nur Rosaflamingos zogen über uns hinweg – auch Kolbenenten waren unterwegs. Ich hätte sie nur zu gern aus nächster Nähe gesehen, da ich diese Vögel selbst nur sehr selten beobachten kann.
Da ich diese Vögel so selten sehe, hätte ich die Enten wohl kaum allein bestimmen können. Zum Glück gibt es iNaturalist!
Auch ein Graureiher zog über uns hinweg.
Bei all den Flamingos und Braunsichlern fiel er mir jedoch kaum auf – schließlich kann ich Graureiher sogar in Berlin regelmäßig beobachten.
Apropos Reiher: In der Gegend der Rosaflamingos fielen mir noch zwei weitere Reiherarten auf.
Zum einen der Kuhreiher (linkes Foto) und zum anderen der Seidenreiher (rechtes Foto). Beide Arten hatte ich bereits zuvor in Tarifa beobachten können.
Doch irgendwann beschlossen wir schließlich aufzubrechen, denn unser Ziel war noch der Nationalpark Coto de Doñana.
Ich machte ein letztes Foto, und dann gingen wir los.
Information: Einen Seidenreiher beobachtete ich auch in der Desembocadura del Guadalhorce bei Málaga. Kuhreiher sah ich bereits in Tarifa, aber auch mitten in Barcelona. Graureiher sehe ich regelmäßig in der Berliner Innenstadt. Offenbar fühlen sich viele Reiherarten gerne in Städten oder deren Nähe wohl.
Auf dem Weg Richtung El Rocío
Ich war unglaublich gespannt darauf, was mich im Nationalpark Coto de Doñana erwarten würde. Angeblich hatte ein Guide am Wochenende zuvor einen Iberischen Luchs auf einer Fahrbahn im Park gesehen, der nicht einmal besonders scheu gewesen sein soll, sondern einfach dort lag.
Wir bewunderten das Foto und hofften natürlich auf eine ähnliche Begegnung. Die anderen Teilnehmer:innen waren sehr optimistisch. Ich hingegen wusste, dass Beobachtungen solch scheuer Tiere wie des Iberischen Luchses meist reine Glückssache sind – es sei denn, man wartet stundenlang an einem Ort wo ein Iberischer Luchs schon oft gesehen wurde. Entsprechend zurückhaltend war mein Optimismus, den ich jedoch lieber für mich behielt, um die Stimmung nicht zu trüben. Vielleicht hätten wir ja doch Glück?
Auf dem Weg in den Nationalpark begegnete uns zwar kein Iberischer Luchs, dafür zog hoch über uns eine Rohrweihe hinweg. Wow!
Die Rohrweihe ist ein Kurz- und Langstreckenzieher, der in Europa, Afrika und Asien vorkommt. Es ist nicht verwunderlich, dass wir sie in der Umgebung des Nationalparks Coto de Doñana beobachten konnten, denn Rohrweihen bevorzugen Lebensräume mit ausgedehnten Röhrichten – einer typischen Vegetationsform von Feuchtgebieten. In dichtem Röhricht bauen sie ihre Nester, entweder über dem Wasser oder zwischen Sumpfpflanzen direkt auf dem Boden.
Die Rohrweihe gehört – ebenso wie der Habicht und der Mäusebussard – zu den Habichtartigen (Accipitridae). Während mir Habichte und Mäusebussarde in Berlin regelmäßig begegnen, war die Beobachtung einer Rohrweihe für mich daher etwas ganz Besonderes. Zumal ich sie ohne Hilfe vermutlich nicht eindeutig hätte bestimmen können, denn Vogelarten, die ich nur selten sehe, lassen sich für mich nicht immer sofort erkennen.
Lange hielten wir uns bei der Rohrweihe jedoch nicht auf, da wir noch in den Nationalpark hineinfahren wollten. An einer solchen Beobachtung konnten wir trotzdem nicht einfach vorbeifahren – dafür war der Moment zu besonders.
Wir fuhren also weiter.
Doch nur wenige Minuten später hielten wir erneut an – es gab schon wieder eine besondere Beobachtung. Unser Guide stoppte den Wagen und zeigte mit dem Finger in die Richtung, in der ein Vogel sitzen sollte. Wir brauchten einen Moment, um ihn zu entdecken. Schließlich sahen auch wir ihn.
Dennoch wunderten wir uns, wie gut die Augen unseres Guides sein mussten, dass er diesen Vogel aus so großer Entfernung sogar beim Autofahren entdecken konnte. Doch der Vogel ist an dieser Stelle regelmäßig zu sehen, weshalb unser Guide ganz gezielt auf das Rohr geschaut hatte. Das beruhigte uns.
Es war ein Steinkauz.
Auch wenn wir nur ganz kurz beim Steinkauz verweilten, freute ich mich sehr über diese Beobachtung. Steinkäuze sind eigentlich dämmerungs- und nachtaktiv. Nur während der Jungenaufzucht gehen sie gelegentlich auch tagsüber auf Beutefang. Da Steinkäuze jedoch meist im Frühjahr brüten und ihre Jungvögel großziehen, fragte ich mich, warum dieser Steinkauz ausgerechnet am helllichten Tag dort saß.
Mit dieser Frage beschäftigte ich mich jedoch nicht weiter und genoss einfach mein Glück. Viel Zeit zum Nachdenken blieb ohnehin nicht, denn nur wenige Minuten später wartete bereits die nächste besondere Beobachtung auf uns.
Schwarzstörche.
Das Glück war wieder auf meiner Seite: Ich wollte unbedingt Schwarzstörche in freier Wildbahn sehen – und jetzt konnte ich es. Zwar gelang mir kein besonders gutes Foto, doch die Freude war groß.
Auf dem rechten Bild ist ein Jungvogel zu erkennen, an seinem bräunlich-grauen Gefieder und dem weißen Bauchgefieder.
Auch bei den Schwarzstörchen hielten wir uns jedoch nur kurz auf, bevor wir weiterfuhren – vorbei an Stieren. Leider gibt es in Andalusien immer noch Stierkämpfe, und ich persönlich halte nicht viel davon, allein der Tradition zuliebe an solchen Praktiken festzuhalten.
Wir fuhren weiter, hielten aber stets die Augen offen – vielleicht versteckte sich ja irgendwo am Straßenrand ein Iberischer Luchs? Oder ein Kaninchen?
Tatsächlich huschte kurz ein Kaninchen vorbei, doch ich war zu langsam und konnte es leider nicht sehen.
Schließlich erreichten wir einen Ort, an dem wir ausstiegen und ein Stück zu Fuß gehen konnten. Bis dahin waren wir viel mit dem Auto unterwegs, und es tat wirklich gut, die Beine etwas zu vertreten.
An diesem Platz müssen offenbar auch viele Störche nisten – zwar nicht im Oktober, als ich dort war, aber vielleicht dann wieder im Frühjahr?
Plötzlich tauchte wieder ein Vogel über uns auf. War es etwa eine Rohrweihe? Oder vielleicht ein anderer Greifvogel?
Mit der Bestimmung tat ich mir auch hier unglaublich schwer.
Letztendlich stellte sich heraus: Es war keine Rohrweihe, sondern ein Zwergadler. Auch der Zwergadler gehört zu den Habichtartigen.
Wir fuhren weiter, als unser Guide plötzlich auf einer Sandstraße anhielt. Was hatte er wohl entdeckt?
Es war ein Mistkäfer!
Besonders spannend an diesem Käfer ist, dass er Dungkugeln formt. Diese vergräbt er entweder oder nutzt sie als Brutstätte für seine Eier. Weil Mistkäfer den Dung zu kleinen Kügelchen – sogenannten „Kotpillen“ – formen, sind sie auch unter dem Namen „Pillendreher“ bekannt.
Information: Dieser Mistkäfer hat keinen deutschen Namen. Sein lateinischer Name ist aber Scarabaeus cicatricosus. Dieser Käfer gehört zur Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae).
Auch hier hielten wir nur für einen kurzen Moment an.
Bald erreichten wir El Rocío, einen kleinen Ort direkt am Rande des Nationalparks Coto de Doñana. Doch bevor wir dort ankamen, mussten wir noch ein paar Mal stoppen – es gab wieder etwas Besonderes zu beobachten.
Dieses Mal waren es Rothirsche.
Auf unserem Weg Richtung El Rocío begegneten uns immer wieder Rothirsche. Einige waren unterwegs. Mal waren sie sehr scheu und liefen sofort davon, sobald wir mit dem Auto anhielten, mal waren sie weniger scheu und hielten inne, um uns neugierig zu beobachten.
Rothirsche sind vor allem in Europa verbreitet und lassen sich auch in Deutschland beobachten – etwa im Wald oder in einem Wildpark. Durch den Menschen wurden sie jedoch auch in Australien, Neuseeland, den USA und Kanada eingeführt.
Wie bei den meisten Hirscharten bildet nur das männliche Tier jedes Jahr ein Geweih aus.
Wir beobachteten die Rothirsche eine Weile.
Auffällig war, dass die ersten Tiere noch ziemlich scheu waren, je weiter wir jedoch in den Nationalpark Doñana hineinfuhren, desto geringer schien ihre Fluchtdistanz zu werden. Vielleicht haben die Rothirsche im Kerngebiet von Doñana gelernt, dass von Menschen keine Gefahr ausgeht, und zeigen deshalb weniger Scheu. Oder sind die Tiere in den Randzonen einfach weniger an Menschen gewöhnt?
Das sind natürlich nur meine persönlichen Beobachtungen aus ein paar kurzen Momenten mit den Rothirschen im Doñana-Gebiet. Ich kann daher nur Vermutungen anstellen – und liege vielleicht auch komplett falsch.
Nichtsdestotrotz machte ich ein letztes Foto und genoss die Anwesenheit der Rothirsche, bis wir schließlich weiterfuhren.
Schließlich erreichten wir El Rocío.
Der Ort wirkte sehr eigenartig, aber zugleich interessant: Kaum befestigte Straßen, viele unbewohnte Häuser und nur wenige Menschen auf den Straßen.
Ganz unbekannt ist El Rocío jedoch nicht – es ist ein bedeutender Wallfahrtsort. An Pfingsten, zur berühmten Wallfahrt Romería del Rocío, sollen angeblich über eine Million Pilger in den kleinen Ort kommen, um die Heilige Jungfrau Blanca Paloma („Weiße Taube“) zu verehren. Ansonsten leben hier nur etwa 2.000 Menschen.
Ich war im Oktober dort und konnte El Rocío daher von seiner „normalen“ Seite kennenlernen. Besonders auffällig waren die Sand- und Schotterwege, die perfekt für Pferde, aber kaum für Autos geeignet sind. Auch zur Wallfahrt ziehen viele Pilgergruppen mit Pferden nach El Rocío, wodurch die Straßen ihre ganz besondere Funktion behalten.
El Rocío war ein spannender Ort am Rande des Nationalparks Coto de Doñana.
Dass El Rocío am Rande des Nationalparks und damit in einem Feuchtgebiet liegt, erkennt man gut an der umliegenden Landschaft.
Ein Kuhreiher bewegte sich unweit von einem Beobachtungsplatz.
Nichtsdestotrotz, in El Rocío machten wir eine etwa halbstündige Pause, bevor es weiter nach Matalascañas ging, wo wir zu Mittag aßen. Nach dem Essen fuhren wir zu einem weiteren besonderen Ort – einem Ort, an dem ich noch viel länger hätte bleiben können...
Die Küste im Nationalpark Coto de Doñana
Besonders gut in Erinnerung geblieben ist mir der Strand in der Gegend um Matalascañas. Auf den ersten Blick wirkte der Ort etwas verschlafen und unscheinbar, doch dann fielen mir der Strand, die Landschaft und die intensiven Farben auf: das tiefe Blau von Meer und Himmel, das satte Grün der Pinienbäume und das warme Beige des Sandes – alles harmonierte perfekt. Was für ein einzigartiger Ort! Kein Wunder, dass viele Menschen aus Sevilla an den Wochenenden hier ihre Zeit verbringen.
Mit einer Länge von über 30 Kilometern ist die Küste von Doñana der längste unberührte Strand Spaniens. Ich konnte mich gar nicht sattsehen.
Angeblich leben dort auch Menschen in kleinen Hütten direkt am Strand. Diese winzigen Behausungen wirken fast wie ein Teil der Landschaft, unauffällig eingebettet zwischen Sand und Dünen. Man kann sich gut vorstellen, wie ruhig und abgeschieden das Leben dort sein muss, mit dem Rauschen des Meeres als ständige Begleitung. Es muss ein besonderes Gefühl sein, an einem so unberührten Ort den Alltag zu verbringen und jeden Morgen den weiten Blick über das Meer zu genießen.
Aber ob es so schön ist wie ich es mir vorstelle?
Tiere begegneten uns an diesem Ort nur sehr wenige. Das lag aber auch daran, dass es nicht die beste Beobachtungszeit war – am Nachmittag sind viele Tiere weniger aktiv.
Dennoch entdeckten wir Kot von Rothirschen (linkes Foto) und einige Mittelmeermöwen (rechtes Foto) zogen elegant über uns hinweg.
Ein Weg führte uns weiter ins Innere, zu den Pinien, die in ihrem schönsten Grün leuchteten. Zwischen den Bäumen lag der Duft von Harz in der Luft, gemischt mit einer leichten Brise vom Meer.
Von dort aus hatten wir zudem eine wunderbare Aussicht über die Dünen hinweg auf das blau schimmernde Meer. Sand, Pinien und Wasser fügten sich zu einem harmonischen Bild zusammen, und die Ruhe des Ortes machte jeden Moment besonders. Nur das Rauschen des Windes und der Wellen begleiteten uns.
Von unserem Aussichtspunkt aus entdeckten wir einen Leuchtturm. Zugegeben, ich brauchte eine Weile, bis ich ihn tatsächlich ausmachen konnte. Hätte mir niemand gesagt, dass er dort steht, hätte ich ihn vermutlich nie bemerkt – geschweige denn fotografieren können.
Hinter uns verdichteten sich die Wolken. Würden wir noch etwas Regen abbekommen? Bis jetzt hatten wir wirklich Glück – am Morgen hatte es ja noch so stark geschüttet. Ich hoffte auf Sonnenschein, doch falls es doch noch regnen sollte, dann wäre das eben so. Regen hat schließlich auch seinen eigenen Reiz.
Schließlich erreichten wir den Parkplatz, und von weitem entdeckte ich eine Elster. Die Elster kenne ich natürlich gut, da sie auch in Deutschland heimisch ist.
Natürlich freute ich mich, die Elster zu sehen – über eine Blauelster hätte ich mich aber vermutlich noch ein kleines bisschen mehr gefreut, denn diese Art hatte ich bisher noch nie live beobachten können.
Denn Blauelstern gibt es nicht in Deutschland. Aber sowohl die Elster als auch die Blauelster gehören zur Familie der Rabenvögel (Corvidae).
Die Blauelster kommt ausschließlich auf der Iberischen Halbinsel vor – also neben Spanien auch in Portugal. Unser Guide versprach mir, dass er anhalten würde, falls wir unterwegs eine Blauelster entdecken sollten (sofern es möglich ist).
Ich hoffte sehr auf mein Glück – und voilá: Eine Blauelster flog an den Rand einer Straße. Glücklicherweise gab es einen kleinen Streifen, auf dem wir das Auto halten konnten. So konnte ich die kleine, wunderschöne Blauelster in Ruhe betrachten und fotografieren.
Ich glaube, bei dieser Beobachtung war ich die Einzige, die sich so sehr darüber freute...
Information: Neben Elster und Blauelster gehören auch Nebelkrähen, Aaskrähen, Eichelhäher, Dohlen, Kolkraben und Saatkrähen zur Familie der Rabenvögel.
Palacio del Acebrón
Unser letzter Halt war der Galeriewald Palacio del Acebrón. Ein Galeriewald ist ein schmaler Waldstreifen, der sich entlang von Flüssen oder Bächen erstreckt. Solche Wälder sind besonders wertvolle Lebensräume, da sie oft in ansonsten unbewaldeten Landschaften vorkommen. Dank der ständigen Wasserversorgung können sie sogar in trockenen Regionen gedeihen.
Ich war gespannt darauf, den Wald zu erkunden – doch leider fing es genau in diesem Moment leicht an zu tröpfeln.
Doch das machte nichts – es ging auch so.
Der Wald wirkte geheimnisvoll und faszinierend zugleich.
Da der Himmel nun zugezogen war und es leicht nieselte, war es im Wald noch dunkler, und die Schatten zwischen den Bäumen schienen tiefer zu liegen. Ich bestaunte die raue Korkrinde eines Baumes und entdeckte auf dem Boden einen Laufkäfer, der flink über den Weg huschte. Überall spürte man die feuchte Luft, und das leise Tropfen der Regentropfen auf Blätter und Boden verstärkte das Gefühl, an einem fast verborgenen Ort zu stehen, an dem die Natur ihre eigenen Regeln zu haben schien.
Plötzlich wurde unser Guide ganz aufgeregt – was hatte er bloß entdeckt?
Ein Trupp Schwanzmeisen zog über uns hinweg! Die kleinen Vögel versteckten sich zwar im blattlosen Geäst, doch dieses Mal konnten sie sich nicht ganz verbergen. Sie waren unglaublich flink – viel zu schnell, um sie auf ein Foto zu bannen. Dennoch war die Beobachtung einfach herrlich.
Wow! Mit Schwanzmeisen hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet, da ich diese Vögel normalerweise nur im Winter sehe.
Schließlich erreichten wir einen Punkt, von dem aus wir eine wunderbare Aussicht aufs Wasser hatten.
Noch während wir den Blick über das Wasser schweifen ließen, hatte unser Guide bereits etwas Neues entdeckt.
Dieses Mal war ihm ein Eisvogel aufgefallen! Doch während ich bei den Schwanzmeisen wenigstens einen kurzen Blick erhaschen konnte, verschwand der Eisvogel blitzschnell wieder im Gebüsch. Schade.
Gleichzeitig fing es stärker an zu nieseln, doch wir ließen uns nicht entmutigen und beobachteten weiter. Wer weiß, welche Überraschungen noch auf uns warteten?
Kurz darauf schwamm ein Teichhuhn gemächlich über das Wasser, als würde es uns zeigen: Die Natur hält immer noch mehr bereit, wenn man nur genau hinsieht.
Irgendwann gingen wir schließlich weiter zurück zum Auto.
Ich war wirklich tief beeindruckt vom Nationalpark Coto de Doñana und seiner Umgebung. Landschaften, Tiere, die besondere Atmosphäre – alles passte perfekt zusammen. Der Oktober ist eine wunderbare Zeit, um den Park zu besuchen. Außerdem hat mir die Tour mit Naturanda rundum gefallen – gut organisiert, spannend und voller unvergesslicher Naturmomente.
Mehr Informationen
Warst du bereits im Nationalpark Coto de Doñana? Wie lange hast du dort verbracht und welche Tiere konntest du entdecken? Teile deine Erfahrungen gerne in den Kommentaren.