Tarifa im Süden Spaniens ist ein echtes Paradies für Naturfreunde – besonders, wenn es ums Vögel beobachten in Tarifa geht. An der schmalen Meerenge zwischen Europa und Afrika lassen sich zahlreiche Vögel aus nächster Nähe entdecken. Bei meinen Beobachtungen konnte ich eine beeindruckende Vielfalt an Arten erleben – ein unvergessliches Naturerlebnis.
Die Stadt Tarifa
Kilometerlange Strände, angenehme Temperaturen und ein ruhiges, zugleich lebendiges Städtchen – all das verbinde ich mit Tarifa. Wenn ich an die Stadt denke, kommen sofort positive Gefühle in mir auf. Mit weniger als 20.000 Einwohnern wirkt der Ort überschaubar und entspannt, zumindest im Oktober, als ich dort war. In den Sommermonaten mag das Bild ein anderes sein.
Besonders ins Auge fällt das Castillo de Guzmán, das nahe dem Hafen über der Stadt thront.
Ein Spaziergang durch die Altstadt von Tarifa lohnt sich in jedem Fall. Kleine Geschäfte und gemütliche Restaurants prägen das Bild und laden dazu ein, zu verweilen, durch die Gassen zu schlendern und entspannt auf den Straßen ins Gespräch zu kommen. Diese Atmosphäre ist kaum mit der Hektik europäischer Großstädte wie Berlin, London oder Paris zu vergleichen.
Natürlich hat man bei einem Besuch in Tarifa oft noch andere Ziele im Blick: Der Ort ist besonders bei Wind- und Kitesurfern beliebt und gilt als einer der besten Spots Europas. Oder sogar weltweit?
Gut, ich selbst bin keine Wind- oder Kitesurferin. Mich hat Tarifa aus einem anderen Grund fasziniert: seine einzigartige Lage an der Straße von Gibraltar. Denn die Stadt besitzt eine besondere geografische Bedeutung. Tarifa gilt als der südlichste Ort des europäischen Festlandes.
Die kleine, felsige Insel Isla de las Palomas vor der Küste markiert den südlichsten Punkt. Von hier aus sind es nur etwa 14 Kilometer bis nach Marokko, also nach Afrika. Diese Nähe macht Tarifa nicht nur für Reisende spannend, sondern auch für zahlreiche Zugvögel, die die Meerenge als wichtige Passage nutzen.
Hinzu kommt, dass hier Atlantik und Mittelmeer aufeinandertreffen. Diese besondere Lage schafft ein einzigartiges Nahrungsangebot für Wale und Delfine vor Tarifa. Grindwale, Blau-weiße Delfine und Große Tümmler sind regelmäßig zu sehen, mit etwas Glück auch Finn- oder Pottwale. Das Meer vor Tarifa bietet somit zahlreiche Möglichkeiten für beeindruckende Beobachtungen.
Doch im Mittelpunkt dieses Beitrags steht die Vogelwelt – denn Vögel beobachten in Tarifa gehört zu den eindrucksvollsten Naturerlebnissen der Region. Schon auf Spaziergängen unweit des Stadtzentrums lässt sich eine erstaunliche Vielfalt an Vogelarten entdecken.
An dieser Stelle muss ich allerdings erwähnen, dass ich nicht zur besten Zeit zum Vögel beobachten in Tarifa war. Da ich nur während der Herbstferien reisen kann, bin ich zeitlich etwas eingeschränkt.
Nichtsdestotrotz lädt Tarifa auch im Oktober noch zum Verweilen ein. Das Wasser scheint weiterhin angenehm zu sein, und ich habe zahlreiche Strandbesucher gesehen. Man kann am Strand liegen, wind- oder kitesurfen, in einem der Cafés sitzen oder einfach einen ausgedehnten Spaziergang am Meer unternehmen.
Tagsüber leuchtete das Meer in einem herrlichen Blau. Zwar gab es auch mal Regen und zeitweise Wolken am Himmel, doch insgesamt hatte ich im Oktober großes Glück mit dem Wetter.
Auch wenn ich nicht zur idealen Zeit zum Vögel beobachten in Tarifa war, konnte ich dennoch einige entdecken. Besonders zwei Orte haben mir dabei sehr gefallen: der Naturpark El Estrecho, den man gut zu Fuß erreichen kann, und der Playa de los Lances. Neben unzähligen Einfarbstaren sah ich auch viele Schwarzkehlchen – Vögel, die ich sonst kaum zu Gesicht bekomme. Für die Einheimischen vielleicht nichts Besonderes, für mich aber schon.
An einem anderen Tag unternahm ich einen Ausflug nach Barbate, wo ich ebenfalls auf schöne und interessante Vogelarten traf.
Tarifa hat mir insgesamt sehr gut gefallen, und ich hätte mir gut vorstellen können, dort noch länger zu bleiben.
Information: Von Tarifa aus lassen sich zahlreiche Ausflüge unternehmen. Ich selbst machte einen Abstecher nach Gibraltar, um die berühmten Berberaffen zu beobachten. In Tarifa selbst bietet sich die Möglichkeit, Wale und Delfine in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen.
Vögel beobachten in Tarifa
Naturpark El Estrecho
Wer Vögel beobachten möchte, muss früh aufstehen. Doch gilt das auch im Oktober in Tarifa? Ja und nein – es kommt darauf an, was man unter „früh“ versteht. An dem Tag, an dem ich den Naturpark El Estrecho besuchte, ging die Sonne erst um 8:36 Uhr auf. Für mich fühlte sich das bereits ziemlich spät an.
Trotzdem machte ich mich an diesem Morgen früh auf den Weg – noch vor Sonnenaufgang. Schließlich wollte ich möglichst viele Vögel beobachten in Tarifa. Zunächst suchte ich mir einen Weg aus der Altstadt hinauf in Richtung Naturpark El Estrecho. Ohne App hätte ich ihn vermutlich nicht gefunden. Doch sobald ich den Wanderweg entdeckt hatte, wurde es einfach – verlaufen konnte man sich kaum.
Unterwegs hörte ich viele Amseln, bekam jedoch keine zu Gesicht. Es war noch recht dunkel. Auch oben angekommen änderte sich das zunächst nicht. Zwar zwitscherten bereits einige Vögel eifrig, doch sobald sie mich bemerkten, flogen sie davon.
Als schließlich die Sonne aufging, hielt ich erst einmal inne und genoss die wunderschönen Farben über dem Meer.
Außer mir war noch niemand unterwegs. Nur ich, die Vögel und der wunderschöne Sonnenaufgang. Ich liebe den Morgen – auch wenn es sich ein wenig merkwürdig anfühlte, in der Dunkelheit allein an einem unbekannten Ort einen Berg hinaufzulaufen.
Doch der Ausblick machte alles mehr als wett.
Und dann waren da natürlich noch die Vögel.
Auf einem Dach entdeckte ich einen Hausrotschwanz. Kaum hatte ich ihn erspäht und mich so leise wie möglich verhalten, bemerkte er mich und flog davon.
Als ich nach rechts schaute, entdeckte ich ein Schwarzkehlchen, das auf einem Zaun saß. Natürlich blieb es nicht lange dort, sondern zog weiter, bis ich es schließlich auf dem Ast eines Busches wiederentdeckte.
Information: Das Schwarzkehlchen gehört – ebenso wie das Rotkehlchen und das Braunkehlchen – zur Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae). Auch der Hausrotschwanz und der Gartenrotschwanz zählen zu dieser Familie, ebenso wie die Nachtigall und der Steinschmätzer.
Übrigens hielt ich mich in der Nähe der Vogelwarte CIMA (Centro para la Investigación de la Migración y el Cambio Global) auf. Irgendwann kurz nach Sonnenaufgang fuhr ein Auto vor, jemand stieg aus und ging hinein. Nach und nach kamen auch weitere Menschen, viele mit ihren Hunden, um dort spazieren zu gehen.
Der Ort scheint dafür sehr beliebt zu sein.
Das konnte ich gut verstehen. Im Naturpark El Estrecho verlaufen die Wege auf der dem Meer zugewandten Seite des Berges. Man läuft also nicht direkt am Wasser, sondern etwas höher gelegen – und wird dafür mit einer großartigen Aussicht belohnt.
Ich versuchte, weitere Vogelarten zu entdecken. Zwar waren ihre Rufe gut zu hören, doch während sich der Hausrotschwanz weitgehend zurückgezogen hatte, zeigten sich die Schwarzkehlchen deutlich aktiver.
Bevorzugt nutzten sie exponierte Sitzwarten, beispielsweise frei herausragende Äste oder Sträucher. Dieses Verhalten ist charakteristisch für Schwarzkehlchen: Von solchen Ansitzen aus beobachten sie ihre Umgebung und starten kurze Jagdflüge, um Insekten zu erbeuten.
Schwarzkehlchen bevorzugen offene Landschaften mit niedriger Vegetation und einzelnen Büschen. Typische Lebensräume sind unter anderem Heidegebiete, Hochmoore sowie Offenland mit Ginsterbeständen.
Im Alltag begegne ich Schwarzkehlchen nur selten, was wenig überrascht: In dicht besiedelten Großstädten fehlen die von ihnen bevorzugten Lebensräume. Beobachtet habe ich die Art jedoch bereits in der Döberitzer Heide sowie auf Borkum. Schwarzkehlchen kommen also durchaus in Deutschland vor. Die mitteleuropäischen Populationen sind jedoch Kurzstreckenzieher und überwintern vor allem auf der Iberischen Halbinsel sowie in Nordafrika.
Da ich neben den Schwarzkehlchen keine weiteren Vogelarten entdeckte, beschloss ich, den Weg noch weiter hinaufzugehen. Schließlich fiel mir in einem ungenutzten Gebäude erneut ein Hausrotschwanz auf. Solche unbewohnten Gebäude bieten offenbar ideale Nist- und Aufenthaltsplätze für diese Art. Wie die Schwarzkehlchen sind auch Hausrotschwänze Kurzstreckenzieher: Sie überwintern überwiegend in den südlich gelegenen Mittelmeerländern oder in Nordafrika.
Die warmen Farben des Morgens tauchten die Landschaft in ein sanftes, friedliches Licht. Überall um mich herum zwitscherten Vögel, doch kaum einer zeigte sich – genau das macht das Vögel beobachten in Tarifa so spannend und zugleich herausfordernd. Da mir ihre Gesänge unbekannt waren, konnte ich die Arten nicht bestimmen – in solchen Momenten wäre es sehr hilfreich gewesen, eine erfahrene Ornithologin oder ein erfahrener Ornithologe an meiner Seite zu haben.
Da mir dort oben kein Vogel vor die Augen kam, entschied ich, umzudrehen und an einen Ort zu gehen, an dem die Beobachtungschancen besser standen. Schließlich entdeckte ich ein Rotkehlchen.
Etwas versteckt saß es im Gebüsch.
Dann entdeckte ich erneut einen unauffälligen Vogel, fast verborgen zwischen den Zweigen. Es war eine Samtkopf-Grasmücke.
Meine allererste Samtkopf-Grasmücke hatte ich auf Sardinien beobachtet. Umso größer war nun meine Freude, ihr wieder zu begegnen – denn in Deutschland, wo ich wohne, ist diese Art weder im Sommer noch im Winter anzutreffen. Wer Samtkopf-Grasmücken beobachten möchte, muss in die Mittelmeerregion reisen, wo sie Lebensräume mit niedrigem Gebüsch und dichtem Gestrüpp bevorzugen – genau wie dort, wo ich sie gesehen hatte.
Anschließend setzte ich meinen Weg fort, in der Hoffnung, noch weitere Vögel zu entdecken – schließlich ist Vögel beobachten in Tarifa immer für eine Überraschung gut. Als ich wieder an der Vogelwarte ankam, entschied ich mich, für den Rückweg einen anderen Weg zu wählen.
Ich begegnete weiteren Schwarzkehlchen (linkes Foto) und Samtkopf-Grasmücken (rechtes Foto).
Irgendwann beschloss ich, meine Kamera einzupacken. Auf der dem Meer zugewandten Seite entdeckte ich noch ein paar Schwarzkehlchen, doch da es dort weniger Gebüsch gab, versteckten sie sich noch schneller, als sie es ohnehin getan hätten. Also ließ ich das Fotografieren sein und genoss stattdessen das Zwitschern der Vögel und den Ausblick auf das Meer.
Wer sich für Greifvögel interessiert, findet im Naturpark El Estrecho angeblich hervorragende Beobachtungsmöglichkeiten während der Zugzeiten. Da ich nicht zur optimalen Zeit in Tarifa war, konnte ich nur einmal aus der Ferne einen Greifvogel beobachten – möglicherweise ein Schwarzmilan oder ein Wespenbussard. Auch Zwergadler und Schlangenadler lassen sich im Park beobachten. Am besten eignen sich geführte Touren, um die Arten sicher zu entdecken.
Information: Wer mehr Informationen über die Vogelwelt im Naturpark El Estrecho sucht, findet auf der Seite der Vogelwarte CIMA viele nützliche Hinweise. Leider habe ich selbst keine Tour oder Führung gebucht, würde es im Nachhinein aber auf jeden Fall empfehlen.
Playa de los Lances
Ein Ort in Tarifa, der mir besonders gut in Erinnerung geblieben ist, ist die Umgebung rund um den Strand Playa de los Lances. Dieser Ort ist nicht nur bei Strandgänger:innen sowie Kite- und Windsurfer:innen beliebt, sondern auch bei Vogelbeobachter:innen wie mir. Bereits am ersten Tag, nach meiner ersten Ausfahrt zu den Delfinen und Walen, unternahm ich – nachdem es aufgehört hatte zu nieseln – einen Spaziergang zum Playa de los Lances. Dort war ich nicht allein: Zahlreiche Wind- und Kitesurfer:innen nutzten den kräftigen Wind, um ihrem Hobby nachzugehen.
Etwas hinter dem Strand verläuft ein Holzsteg, der sich besonders für wunderschöne Spaziergänge am Morgen und am Abend eignet – im Oktober aber auch am Nachmittag, da es nicht mehr so heiß ist. Kaum dort angekommen, wurde ich bereits von den ersten Schwarzkehlchen begrüßt. Mal saßen sie im Gras und hielten sich halb verborgen hinter dem Gebüsch auf, mal nutzten sie einen Ast als Sitzwarte. Immer wieder ließen sie sich auch auf dem Zaun nieder, der entlang des Holzstegs verläuft.
Schnell fielen mir auch die zahlreichen Sperlinge auf der Weide auf. Doch es waren nicht die Sperlinge, die ich aus Berlin kannte – nein, es waren Weidensperlinge. Wow. Zum ersten Mal begegnete ich ihnen und hatte sogar die Gelegenheit, sie zu fotografieren. Einfach war das allerdings nicht: Die Vögel waren recht scheu und hielten sich in einiger Entfernung von mir auf der Weide auf.
Irgendwann wurden sie durch etwas aufgeschreckt und flogen in einem großen Schwarm davon.
Doch schon bald ließen sie sich wieder nieder. Allerdings dauerte es nicht lange, bis sie erneut aufgeschreckt davonflogen. Doch halt – da waren nicht nur Weidensperlinge, sondern auch Stare!
In den Wiesen nahe den Rindern beobachtete ich besonders viele Einfarbstare. Auch im Zentrum von Tarifa begegnete ich gefühlt unendlich vielen von ihnen, wo ich sie sogar noch etwas besser beobachten konnte.
Jedenfalls sah ich Sperlinge und Stare gemeinsam in einem großen Schwarm davonfliegen. Schützen sie sich auf diese Weise besser vor Fressfeinden? Sparen sie so Energie beim Fliegen? Oder gibt es noch eine andere biologische Bedeutung dafür, dass Sperlinge und Stare – also zwei unterschiedliche Arten – gemeinsam in einem Schwarm unterwegs sind?
Nichtsdestotrotz verzauberte mich die Landschaft mit all ihren Vögeln bereits am ersten Tag – und mir wurde schnell klar, warum Vögel beobachten in Tarifa so viele Naturfreunde begeistert. Und ich wusste sofort, wohin ich in den kommenden Tagen immer wieder zurückkehren würde.
Ich lief noch ein Stück weiter, bis mich der Weg schließlich zu einem kleinen Häuschen führte – einem Vogelbeobachtungshäuschen.
Dort begegnete ich mehrfach anderen Vogelbeobachter:innen – ich war also nicht die Einzige, die sich für das Vögel beobachten in Tarifa interessierte. Einmal ergab sich sogar ein sehr nettes Gespräch, bei dem ich erfuhr, dass man im Oktober in Tarifa mit etwas Glück sogar Sepiasturmtaucher beobachten kann.
Leider bekam ich selbst keinen zu Gesicht. Wie bereits weiter oben erwähnt, lohnt es sich jedoch ganz sicher, einen lokalen Guide hinzuzuziehen, der sich mit der Vogelwelt Andalusiens bestens auskennt – besonders, wenn man das Vögel beobachten in Tarifa noch intensiver erleben möchte.
Information: Bei den Sepiasturmtauchern handelt es sich um Zugvögel, die weite Strecken zurücklegen. Besonders gut lassen sie sich auf den Azoren und anderen Inseln im Atlantik beobachten. Auf den Azoren zählen sie zu den häufigsten Brutvögeln.
Ich genoss den Tag sehr, auch wenn das Wetter wechselhaft war. Auf der einen Seite schien die Sonne und tauchte alles in helles Licht, während auf der anderen Seite ein tiefes Blau den Himmel verdunkelte. Schließlich entschloss ich mich, langsam den Rückweg zu meiner Unterkunft anzutreten, bevor es dunkel wurde – denn der Weg zurück dauerte gut eine Stunde.
Auf meinem Rückweg machte ich jedoch noch eine weitere schöne Begegnung: Zwei Haubenlerchen tauchten ganz plötzlich vor mir auf. Sie waren kaum zu überhören.
Nach meinem ersten Tag in Tarifa freute ich mich schon auf den nächsten und war gespannt, was mich wohl beim erneuten Besuch des Strandes Playa de los Lances erwarten würde.
Am nächsten Morgen begann ich mit einem Besuch im Naturpark El Estrecho (siehe oben) und nahm anschließend an einer Delfinausfahrt teil. Danach machte ich mich wieder auf den Weg zum Playa de los Lances.
Kaum angekommen, schien das erste Schwarzkehlchen schon auf mich zu warten.
Und dann tauchte noch ein Sperling auf. Aber war es ein Weidensperling oder doch ein „ganz normaler“ Haussperling?
Frage: Was denkst du? Ist das ein Weidensperling oder ein Haussperling? Ich denke es ist ein Haussperling, weil der Sperling einen grauen Scheitel hat.
Zugegeben, da musste ich schon sehr genau hinschauen – vor allem, weil Weidensperlinge für mich neu waren.
Ich entdeckte jedoch Sperlinge, die eindeutig anders aussahen als die, die ich sonst kannte. Aber trotzdem war ich mir bei diesem Sperling nicht sicher, ob es sich jetzt um einen Haussperling oder um einen Weidensperling handelt. Auf iNaturalist habe ich Unterstützung bei der Bestimmung bekommen und angeblich handelt es sich um einen Weidensperling.
Das alles war also unglaublich spannend!
Auf meinem zweiten Spaziergang hörte ich immer wieder einen Gesang, der mir unbekannt war – ein leises „tsip-tsip-tsip“. Wenn ich den Vogel erblickte, sah ich etwas Orangebräunliches mit feinen Streifen.
Plötzlich saß eine Haubenlerche direkt vor mir.
Aber nein, wie eine Lerche klang das nicht.
Ich suchte weiter, achtete dabei jedoch darauf, keine schnellen oder ruckartigen Bewegungen zu machen – ich wollte den kleinen Vogel ja nicht erschrecken, sondern ihn einfach nur kennenlernen.
Meine Vorsicht und Geduld zahlten sich schließlich aus: Der kleine Vogel setzte sich auf einen dünnen Ast und begann, seinen Gesang fortzusetzen.
Für mich war es das erste Mal, dieser Vogelart zu begegnen: ein Zistensänger. Klar, diese Vögel kommen vor allem in Süd- und Westeuropa vor, nicht in Deutschland. Was für ein Glück, eine für mich völlig neue Vogelart entdeckt zu haben!
Doch lange ließ er mich nicht an seiner Beobachtung teilhaben. Kaum war er verschwunden, flog ein Graureiher über mir hinweg.
Ich schaute nicht nur in die Luft, sondern suchte auch die Wiese nach Schwarzkehlchen ab, immer noch in der Hoffnung auf ein schönes Foto von einem der Vögel. Hin und wieder blieben sie sogar etwas länger auf ihrer Sitzwarte.
Ein Vogel, den ich am Strand Playa de los Lances ebenfalls recht häufig sah, war der Kuhreiher.
Kuhreiher fühlen sich auf Feldern und Weiden, wo sie neben Viehherden leben, besonders wohl. Manchmal setzen sie sich sogar auf die weidenden Tiere auf den Rücken. Neben den Rindern fangen sie vor allem Insekten.
Entlang des Zaunes ließ sich schließlich ein Stieglitz kurz nieder – zwar nur für einen Moment, aber immerhin. Ich hatte sie schon die ganze Zeit in größeren Trupps umherfliegen sehen, aber nur an diesem Zaun konnte ich einen Stieglitz einmal aus der Nähe beobachten. Ganz offensichtlich war er auf Nahrungssuche.
Am häufigsten am Playa de los Lances waren jedoch eindeutig die Schwarzkehlchen. Einmal hatte ich sogar das Glück, zwei Schwarzkehlchen gleichzeitig fotografieren zu können. Das Foto ist zwar nicht perfekt, aber ich freute mich trotzdem darüber.
Wie am Tag zuvor wanderte ich wieder bis zur Vogelbeobachtungshütte. Dort erwartete mich eine weitere besondere Begegnung: Rosaflamingos.
Zwar waren die Flamingos recht weit entfernt, doch ich beobachtete sie mit großem Vergnügen.
Das hatte ich nun nicht erwartet. Als ich dann noch nach rechts schaute, entdeckte ich einen Seidenreiher. Auch ihn konnte ich in Spanien zum ersten Mal fotografieren – obwohl sie gar nicht so selten sind. Ich sah sie auch in Málaga und später noch in der Nähe von Lissabon.
Auf meinem Rückweg Richtung Tarifa begegnete mir noch eine größere Gruppe Stieglitze, die sich vor mir niederließ.
Auch begegneten mir erneut zahlreiche Schwarzkehlchen und Haubenlerchen, wobei ich die Haubenlerchen nur hörte – sehen ließen sie sich eher nicht. Dennoch war es schön, ihrem Gesang zu lauschen. Es war Oktober, Herbst, doch ihr Lied versetzte mich zurück in den warmen Sommer.
Schließlich machte ich ein letztes Foto unter eher suboptimalen Lichtbedingungen und ging zurück Richtung Zentrum, um dort noch die Stare zu beobachten (mehr dazu in einem anderen Blogbeitrag).
Am darauffolgenden Tag besuchte ich den Playa de los Lances nicht, weil ich am Morgen zuerst die Stare an einem anderen Ort beobachten wollte – ihren Tagesbeginn zu erleben, war mir wichtig. Danach fuhr ich nach Gibraltar, um die Berberaffen zu treffen.
Als ich am nächsten Tag zurückkehrte, nahm ich zunächst an einer Delfinausfahrt teil. Doch danach zog es mich erneut an den Playa de los Lances.
Allerdings war ich etwas ausgelaugt und hatte Rückenschmerzen vom vielen Tragen meines großen Objektivs. Daher beschloss ich, „nur“ die Landschaften zu genießen und den Vögeln zuzuhören. Ich wollte an diesem Tag nicht viele Fotos machen – und das war auch einmal schön! Ein entspannter Spaziergang ohne schweres Equipment.
Das Besondere am Playa de los Lances ist nicht nur der Strand und das Meer, die Wiesen und das Grasland, sondern auch die vielen Dünen, Schilfflächen und Lagunen – ideale Voraussetzungen für das Vögel beobachten in Tarifa, denn all das macht den Ort so attraktiv für viele verschiedene Vogelarten.
Obwohl ich müde war, blieb ich an diesem Abend länger. Der Tag war warm gewesen, und am Abend zeigten sich die wunderschönsten Farben. Das Rauschen des Meeres, das Gezwitscher der Vögel und der Duft eines Ortes, den ich neu liebgewonnen hatte, machten den Moment besonders. An diesem Tag blieb ich bis zum Sonnenuntergang.
Zwar verpasste ich dadurch das Einfliegen der Stare, doch ich wollte Tarifa und seine Vogelwelt von möglichst vielen Orten und zu unterschiedlichen Tageszeiten erleben.
Tipp: Einen besonders schönen Sonnenaufgang kann man am Morgen im Naturpark El Estrecho erleben, während die Sonne am Abend am Strand Playa de los Lances untergeht.
Daher machte ich mich an einem anderen Tag schon am frühen Morgen auf den Weg zum Playa de los Lances. Ich wollte den Strand einmal bei Tagesanbruch und die Vogelwelt am Morgen erleben. Würden sich die Lerchen und Schwarzkehlchen jetzt besser beobachten lassen? Tauchten vielleicht noch weitere Arten auf, die mir bisher verborgen geblieben waren?
Und tatsächlich: Ich machte weitere besondere Beobachtungen. Die Lerchen zeigten sich am Morgen deutlich aktiver und länger.
Die Lichtbedingungen zum Fotografieren waren zwar noch nicht optimal, aber ich probierte es trotzdem. Es waren wunderschöne Vögel – ich mag Lerchen ohnehin sehr. Und nun saß eine direkt vor mir. Einfach nur schön.
Und es sollte nicht nur eine kurze Begegnung bleiben. Immer wieder zeigte sich eine der Lerchen. Oder war es immer dieselbe?
Frage: Was denkst du – handelt es sich hier um eine Haubenlerche oder vielleicht doch um eine Theklalerche? Bis jetzt konnte ich mit iNaturalist leider noch nicht eindeutig herausfinden, um welche Art es sich genau handelt. Sicher ist jedoch: Es handelt sich auf jeden Fall um eine Lerche der Gattung Galerida.
Ein Haussperling war nicht weit von der Lerche zu sehen.
Von den Weidensperlingen hörte ich zunächst allerdings noch nichts – sie hielten sich weiter drinnen in den Feldern auf.
Zwar hielt ich vor allem Ausschau nach Vögeln, doch als ich über eine kleine Brücke ging, fielen mir die vielen Fische im Wasser auf. Das konnte ich nicht übersehen. Es sah merkwürdig aus, aber auch wunderschön, so viele Fische an der Wasseroberfläche zu beobachten.
Angeblich handelte es sich um die Dicklippige Meeräsche. Ich habe die Fische mithilfe von iNaturalist bestimmt und vertraue der Bestimmung der Person, die sie eingetragen hat. Genau deshalb liebe ich iNaturalist – ich kenne mich mit Fischen nämlich überhaupt nicht aus.
Ich ging schließlich weiter und suchte erneut nach Vögeln. Mir flogen einige bereits bekannte Arten vor die Nase – natürlich die Schwarzkehlchen.
Mal putzten sie sich, mal blieben sie einfach auf ihrer Sitzwarte sitzen, oder sie sangen.
Dann entdeckte ich ein Schwarzkehlchen, das nicht sofort losflog, als es mich bemerkte. Es setzte sich zunächst auf einen Zaun, flog dann weiter und ließ sich auf einem Pfahl nieder.
Ich war dem Schwarzkehlchen sehr dankbar, dass ich etwas bei ihm bleiben konnte, um es zu beobachten. Es blieb eine Weile auf dem Zaun sitzen und ließ sich durch meine Anwesenheit kaum stören – das war so besonders.
Dann flog es weiter und landete auf einem Ast eines Busches, bevor es sich schließlich von mir verabschiedete.
Ich hielt nach dem Schwarzkehlchen Ausschau, doch es schien verschwunden zu sein.
Plötzlich tauchte eines wieder vor mir auf. War es dasselbe Schwarzkehlchen? Ganz sicher konnte ich es nicht sagen, aber ich versuchte es erneut zu fotografieren.
Dieses Foto mochte ich besonders, weil es die besondere Lichtstimmung an diesem Morgen einfängt. Es war ein sehr angenehmer Morgen mit all den vielen, schönen Vögeln. Lerchen und Schwarzkehlchen konnte ich an diesem Tag viel besser fotografieren.
Doch es blieb nicht dabei: Zwischen den Ästen eines Busches entdeckte ich plötzlich einen Zistensänger.
Dachte der Zistensänger, er hätte sich versteckt? Oder wusste er, dass ich ihn sehen konnte? Das werde ich wohl nie erfahren.
Doch dann bewegte er sich etwas, und ich konnte sein Gesicht erkennen.
Er hielt sich nicht lange in seinem „Versteck“ auf, flog aber nicht dorthin, wo ich ihn nicht mehr sehen konnte. Vielleicht wollte er sich tatsächlich nicht verstecken, so wie er es an den anderen Tagen getan hatte.
Er setzte sich auf einen dickeren Grashalm, sodass ich ihn gut beobachten konnte.
Doch es war noch nicht genug: Er flog weiter – immer noch in Sichtweite. Ich konnte sogar seine kurzen Flügelchen erkennen. Awww – Zistensänger sind wirklich niedliche Vögel.
Eine Gruppe Stieglitze war ebenfalls wieder unterwegs, doch so schnell sie auftauchten, verschwanden sie auch wieder.
Und dann waren da noch die Sperlinge, die mir teilweise wieder Kopfzerbrechen bereiteten.
Ich denke, dass es sich hier um Haussperlinge handelt...
Aber hier?
Frage: Falls du die Sperlinge sicher bestimmen kannst, freue ich mich natürlich über einen Kommentar.
Ich denke, sowohl der Abend als auch der Morgen bieten besondere Momente zur Vogelbeobachtung in Tarifa. Gefühlt waren die Vögel am Morgen aktiver und weniger scheu – wobei das natürlich auch vom Tagesverlauf abhängen kann. Der Tag versprach freundlich, sonnig und warm zu werden.
An diesem Tag schaffte ich es leider später nicht mehr, am Abend zum Playa de los Lances zurückzukehren, da ich noch nach Barbate fuhr, um weitere Vögel zu beobachten.
Bevor ich am Morgen zurück ins Zentrum ging, begegneten mir noch zahlreiche Schwarzkehlchen im Schilf.
Information: Neben den bereits genannten Vögeln konnte ich übrigens auch viele Schwalben beobachten. Besonders am frühen Abend waren sie aktiv und in der Nähe der Wohngebäude entlang des Strandes unterwegs.
Meeresvögel rund um Tarifa
Neben den zahlreichen Singvögeln konnte ich in Tarifa auch Meeresvögel beobachten. Wie weiter oben schon erwähnt, lassen sich in Tarifa Sepiasturmtaucher sehen – was mich natürlich sehr interessiert hätte. Am besten sucht man sich dafür einen lokalen Vogelguide, der die Vögel der Gegend kennt. Angeblich ist der Oktober ein guter Monat, um Sepiasturmtaucher in Tarifa zu beobachten.
Auch wenn ich keinen Sepiasturmtaucher zu Gesicht bekam, begegnete mir dennoch ein ganz besonderer Vogel – und das völlig unerwartet: ein Basstölpel!
Basstölpel kenne ich vor allem von Helgoland, wo man zahlreiche Exemplare beobachten kann. Typisch für Basstölpel ist, dass sie in Kolonien brüten, wie man es auf Helgoland sehen kann. In Tarifa sah ich allerdings nur einen einzelnen Basstölpel.
Dafür entdeckte ich mehrere Mittelmeermöwen.
Möwen sah ich sowohl vom Boot aus als auch an meinem Lieblings-Vogelbeobachtungshäuschen, dort allerdings meist nur aus der Entfernung.
Oder in kleinen Seen, die sich am Strand gebildet hatten, wo sie seelenruhig schwimmen konnten.
Ich gebe zu, dass die Meeresvögel bei meinem Besuch in Tarifa dieses Mal nicht im Mittelpunkt standen. Dennoch waren sie wunderschön. Wo Meeresvögel unterwegs sind, fühle ich mich besonders wohl – schließlich ist das Meer dann nie weit entfernt.
An einem Tag fuhr ich nach Barbate, wo ich noch weitere Vögel beobachten konnte, die typisch nah am Meer leben. Schau doch auch in diesen Blogbeitrag.
Eine weitere Besonderheit Tarifas sind die vielen Einfarbstare. Vor allem am Abend ist es ein beeindruckendes Schauspiel, sie beim Einfliegen in ihre Schlafbäume zu beobachten. Ich liebte den Klang der Einfarbstare am Abend in Tarifa so sehr, dass ich diesen Vögeln einen eigenen Blogbeitrag widme.
Mehr Informationen
Hast du schon einmal Vögel beobachten in Tarifa ausprobiert oder an einem anderen Ort in Andalusien oder Spanien? Teile deine Erfahrungen und Tipps gern in den Kommentaren!