Vögel in der Tejo-Mündung zu beobachten, gehört zu den schönsten Naturerlebnissen rund um Lissabon. Im vergangenen Oktober habe ich an einer Tagestour von Lissabon aus teilgenommen und war beeindruckt von der Artenvielfalt und der weitläufigen Landschaft. In diesem Beitrag teile ich meine Eindrücke von der Tagestour, stelle einige der beobachteten Vogelarten vor und gebe dir einen Einblick in das Naturgebiet der Tejo-Mündung.
Lissabon
Die Festungsanlage Castelo de São Jorge, der Torre de Belém – ein zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörender Turm – oder eine Fahrt mit der legendären Straßenbahn E28 zählen zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Nicht zu vergessen sind die Kathedrale von Lissabon (Sé Patriarcal) sowie der Elevador de Santa Justa, der sich unweit der belebten Rua Augusta befindet. Hinzu kommen die zahlreichen Aussichtspunkte wie der Miradouro da Graça, der Miradouro São Pedro de Alcântara, der Miradouro de Santa Catarina oder der Miradouro Nossa Senhora do Monte – und noch viele mehr.
Kurz gesagt: Lissabon hat unglaublich viel zu bieten.
Wie kommt man bei all diesen unverzichtbaren Sehenswürdigkeiten also auf die Idee, Vögel beobachten in der Tejo-Mündung in den Mittelpunkt einer Reise zu stellen?
Tatsächlich ist Lissabon – was die Vogelbeobachtung betrifft – ein äußerst spannender Ort, und das zu jeder Jahreszeit. Ich war im Oktober dort und sehr gespannt, welche Vogelarten mir begegnen würden. Mein eigentliches Ziel war die Tejo-Mündung, die noch zum Großraum Lissabon gehört und als bedeutendes Vogelgebiet gilt. Vögel beobachten in der Tejo-Mündung war dabei der Hauptgrund meiner Reise.
Natürlich nahm ich mir trotzdem Zeit, die Stadt selbst zu erkunden, und reservierte einen ganzen Tag für Sightseeing. So gut mir Lissabon auch gefallen hat, freute ich mich doch besonders auf die Beobachtungen in der Tejo-Mündung – für mich der perfekte Ausgleich. Ursprünglich wollte ich an zwei Tagen Vögel beobachten, doch leider machte mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung. An einem verregneten Tag entschied ich mich stattdessen für einen Besuch im Oceanário de Lisboa.
Da es in diesem Blogbeitrag jedoch nicht um Lissabon an sich, sondern um die Vögel der Tejo-Mündung gehen soll, beschränke ich mich hier auf einige wenige fotografische Eindrücke der Stadt.
Information: Falls du mehr über meinen Besuch im Ozeaneum von Lissabon (Oceanário de Lisboa) erfahren möchtest, findest du dazu einen eigenen Beitrag hier demnächst.
Vögel in der Tejo-Mündung
Vor meiner Reise nach Lissabon stellte sich mir die Frage: Sollte ich alleine losziehen und auf eigene Faust Vögel beobachten – oder doch lieber einen ortsansässigen Guide buchen, der sich in der Tejo-Mündung bestens auskennt und mir an nur einem Tag möglichst viele verschiedene Vogelarten zeigen kann?
Ich entschied mich schließlich für die zweite Variante – und war mit dieser Entscheidung rundum zufrieden.
Einige Tage zuvor war ich bereits in Tarifa und Barbate unterwegs, allerdings alleine und ohne Guide. Vielleicht hätte ich mit einem ortskundigen Vogelguide dort noch die eine oder andere zusätzliche Art entdecken können. Für Lissabon wollte ich deshalb bewusst einen anderen Ansatz wählen und mich von einem erfahrenen Guide begleiten lassen.
Rückblickend war das genau die richtige Entscheidung: Dank meines Guides konnte ich innerhalb eines einzigen Tages zahlreiche Vogelarten im Großraum Lissabon beobachten, die ich alleine vermutlich nicht oder nur mit deutlich größerem Aufwand gefunden hätte.
Die Tour mit Rui begann früh am Morgen um 7:15 Uhr. Da die Sonne an diesem Tag bereits um 7:01 Uhr aufgegangen war, wurde es gerade erst hell. Zu den ersten Vögeln, die Rui mir zeigen konnte, gehörten ein Steinkauz (Foto), ein Hausrotschwanz und ein Haussperling.
Information: Auch im Nationalpark Coto de Doñana hatte ich das Glück, einen Steinkauz zu beobachten. Schau doch auch in meinen weiteren Blogbeitrag über den Nationalpark Coto de Doñana – dort zeige ich dir, welche Tiere ich während meines Besuchs beobachten konnte.
Wenn ich hier über meine Vogelbeobachtungen schreibe, lasse ich die genauen Orte bewusst weg. Wir waren an mehreren unterschiedlichen Stellen unterwegs, und ich habe mir die Namen der einzelnen Orte weder gemerkt noch nachgefragt. An diesem Tag wollte ich mich einfach voll und ganz auf die Vögel in der Tejo-Mündung konzentrieren, ohne mir viele weitere Gedanken machen zu müssen.
Kurz nachdem ich die ersten drei Vogelarten gesehen hatte, tauchte ganz plötzlich ein Wiedehopf auf.
Wow! Gleich zu Beginn der Tour ein echtes Highlight – was würde da wohl noch auf mich zukommen?
Auf den Wiedehopf hatte ich mich ehrlich gesagt besonders gefreut. Ich wusste zwar, dass es im Großraum Lissabon Wiedehopfe gibt, doch dass mir gleich so früh einer begegnen würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Das kam völlig unerwartet. Angeblich reisen viele Vogelbegeisterte nach Lissabon, vor allem wegen dieser außergewöhnlichen Art.
Und das kann ich gut verstehen: Der Wiedehopf ist ein wunderschöner und ganz besonderer Vogel. Für mich war es das erste Mal, dass ich einen Wiedehopf in freier Wildbahn sehen durfte.
Leider blieb er nicht lange auf der Mauer sitzen, sondern flog kurz darauf hinüber auf ein Dach.
Information: Auch in Deutschland lassen sich Wiedehopfe beobachten, zum Beispiel in der Döberitzer Heide. Mittlerweile soll es dort immer mehr geben. Schau gerne in meinen früheren Beitrag über die Döberitzer Heide.
Es ging mit dem Auto weiter.
Versteckt in Gebüschen neben dem Schotterweg entdeckte ich einen Graureiher und einen Weißstorch. Über uns zog eine Rohrweihe hinweg, und auch Löffler, Kormorane und Rosaflamingos bewegten sich elegant durch die Luft. Später sollte ich diese Vögel in der Tejo-Mündung noch näher beobachten können.
Plötzlich setzte sich ein Bergpieper auf einen Pfahl. Vorsichtig versuchte ich, ihn vom Auto aus zu fotografieren – gar nicht so einfach!
Auch wenn er „Bergpieper“ heißt, bedeutet das nicht, dass er ausschließlich in gebirgigen Regionen lebt. Besonders im Winter zieht der Bergpieper gerne in tiefere Lagen und Küstenregionen, wo er offene Flächen und Feuchtgebiete findet. Genau diese Bedingungen bieten die Feuchtgebiete der Tejo-Mündung, die den Bergpieper in dieser Jahreszeit anziehen.
Information: Besonders viele Bergpiper konnte ich auf dem Großglockner – also in einer wirklich gebirgigen Region – in Österreich beobachten. Es war Sommer, und neben den Bergpiepern waren auch Murmeltiere und Steinböcke unterwegs. Mehr dazu findest du in meinen früheren Blogbeiträgen.
An einer Nebenstraße entdeckten wir zahlreiche Weißstörche. Leider scheuchten wir sie beim Vorbeifahren unbeabsichtigt auf, und sie flogen davon.
Wir fuhren weiter und stießen auf eine weitere Gruppe Weißstörche. Da sie so zahlreich waren, wirkten sie fast „normal“ und hatten nicht mehr die besondere Wirkung, die seltenere Vogelarten auslösen.
Auch den Graureiher kannte ich mittlerweile schon allzu gut.
Ein Vogel, den ich sonst nur selten sehe, aber gut bestimmen kann, ist der Löffler. Er gehört, wie auch der Braunsichler, zur Familie der Ibisse. Besonders viele Braunsichler konnte ich im Nationalpark Coto de Doñana beobachten, aber auch in der Tejo-Mündung sind sie häufig anzutreffen.
Auf den Löffler freute ich mich dennoch besonders, denn obwohl ich ihn kannte, hatte ich ihn bisher noch nie in freier Wildbahn beobachten oder fotografieren können.
Ich richtete meinen Blick vor allem auf die Vögel auf dem Feld – leider mit dem Nachteil, dass ich die Zwergdommel, die hinter dem Auto ins Schilf lief, verpasste. Ich ärgerte mich sehr; zu gerne hätte auch ich sie gesehen.
Dafür entging mir nicht das Rotkehlchen, das sich direkt vor uns auf einen dünnen Baumstumpf setzte. Leider blieb es nur kurz dort, bevor es wieder weiterzog.
Zahlreiche Heringsmöwen und Mittelmeermöwen zogen an uns vorbei.
Ich richtete meinen Blick erneut auf die Weißstörche. Eine Gruppe stand ruhig beieinander – ein Anblick, den ich so selten erlebe. Weißstörche habe ich schon oft gesehen, doch dass sie in einer Gruppe nebeneinander stehen, ist nicht ungewöhnlich, aber ich sehe sie selten so. Es war ein faszinierender und zugleich schöner Moment.
Information: Wenn du mehr über Störche in Deutschland erfahren möchtest, schau gerne in meine Blogbeiträge über die Weißstörche in Linum oder die Storchenstation Salem.
Es gibt Vögel, die fallen sofort ins Auge – und dann gibt es solche, die sich eigentlich nicht verstecken, aber trotzdem kaum auffallen. Zum Glück hatte ich einen Guide, der mich auf den Flussuferläufer aufmerksam machte.
Wow! Später entdeckten wir noch weitere Flussuferläufer, aber in diesem Moment freute ich mich riesig – es war das erste Mal, dass ich diese Art in freier Wildbahn sah. Ich habe zwar keine strikte Bucketlist mit allen Vögeln, die ich sehen möchte, doch es ist immer wieder ein besonderes Erlebnis, eine neue Art zu entdecken – und dann noch eine so schöne wie den Flussuferläufer.
Auf den Feldern waren zahlreiche Löffler und Graureiher zu beobachten. Dazwischen gesellte sich neben einem Graureiher ein Kuhreiher (linkes Foto). Nur wenige Meter entfernt rastete eine Heringsmöwe (rechtes Foto).
Es war also ganz schön viel los – ein reges Treiben, das die Felder in ein lebendiges Vogelparadies verwandelte.
Wenige Momente später machte mich Rui auf einen Vogel aufmerksam, auf den ich schon lange gehofft hatte: den Kiebitz.
Der Kiebitz wurde 2024 in Deutschland zum Vogel des Jahres gekürt. Als Wiesenbrüter ist er besonders gefährdet, denn die intensive Landwirtschaft setzt ihm stark zu. Auch andere Bodenbrüter, wie die Feldlerche, stehen vor ähnlichen Herausforderungen.
Der Kiebitz ist ein wunderschöner Vogel – leider wird er immer seltener. In Deutschland habe ich bisher nur einmal kurz einen sehen können. Umso mehr freute ich mich, in Portugal gleich mehrere Kiebitze beobachten zu können.
Das war ein weiteres schönes Erlebnis.
Nur wenige Meter von den Kiebitzen entfernt entdeckte ich einen Schnepfenvogel. War das etwa wieder ein Flussuferläufer?
Nein – dieses Mal handelte es sich um einen Waldwasserläufer. Ich gebe zu, bei der Unterscheidung dieser beiden Arten brauchte ich Hilfe. Solche Vögel sehe ich nun mal nicht regelmäßig, da ist ein Expertenauge sehr willkommen.
Wir fuhren weiter und entdeckten einen Graureiher, der uns scheinbar aufmerksam beobachtete. Auf einem Rind saß ein Kuhreiher – ein Bild, das man oft sieht. Kuhreiher halten sich gerne dort auf, wo auch Rinder weiden, denn sie lieben Insekten. Wenn die Rinder über die Felder laufen, stören sie Insekten im Gras – eine willkommene Gelegenheit für die Vögel, schnell Beute zu machen.
Unser weiterer Weg führte uns zunächst auf eine asphaltierte Straße. Dort entdeckten wir eine Bachstelze, die jedoch schnell wieder davonflog. Nur wenige Augenblicke später begegneten uns zahlreiche Sumpfkrebse, die sofort ihre Scheren hoben, sobald man ihnen zu nahekam – ein kleines Schauspiel am Straßenrand.
Unser nächstes Ziel war ein Gewässer, in der Hoffnung, dort Rosaflamingos beobachten zu können.
Schon auf dem Weg begegneten uns viele Vögel: Eine Gruppe Ringeltauben saß auf den Stromleitungen, und weiter entfernt entdeckte ich eine Elster – wie schön! An diesem Tag begegneten mir viele verschiedene Arten, doch eine fehlte leider: die Blauelster, die es zwar auch in Portugal gibt. Zum Glück hatte ich sie nur wenige Tage zuvor gesehen, und die „normale“ Elster an diesem Tag war ebenfalls ein schöner Anblick.
Bevor wir unser nächstes Ziel erreichten, mussten wir noch einmal kurz anhalten – der Grund: Zistensänger.
Zwar hatte ich diese Art erst wenige Tage zuvor in Tarifa gesehen, es war also nicht meine erste Begegnung, doch die Freude war trotzdem riesig. Auch wenn ich Zistensänger nicht besonders gut kenne, mag ich sie sehr. So klein, mit kurzen Flügelchen und scheinbar unauffällig, bleiben sie einem doch dank ihres Gesangs unvergesslich. Meist trällern sie nur kurz, um gleich wieder zu verschwinden – und genau das macht sie für mich so besonders. Ich wünschte, ich könnte diesen Vogel genauso regelmäßig beobachten wie eine Amsel oder Kohlmeise, um sie besser kennenzulernen.
Schließlich erreichten wir das Gewässer, an dem ich einige Rosaflamingos beobachten konnte. Neben den älteren Vögeln entdeckte ich auch Jungvögel, die man daran erkennt, dass ihr Gefieder noch nicht so kräftig rosa gefärbt ist wie bei den adulten Tieren.
Es waren nur wenige Rosaflamingos, und sie flogen leider recht schnell wieder davon. Hoffentlich war es nicht wegen uns! So sehr ich es liebe, Vögel zu beobachten, möchte ich nicht der Grund sein, dass sie einen Ort verlassen.
Über dem Gewässer zogen Braunsichler und Stelzenläufer hinweg. Ich hätte gern noch mehr Stelzenläufer gesehen – und tatsächlich sollte mir das etwas später auch gelingen.
Wir blieben nicht lange an diesem Ort, denn die Vögel in der Tejo-Mündung schienen an diesem Tag lieber woanders zu sein.
Was ich dennoch beobachten konnte, war eine Löffelente. Es waren zwar nur wenige, doch später sollte ich noch viele weitere dieser eleganten Vögel sehen.
Wir fuhren weiter zu einem anderen Ort, an dem es einen Eisvogel geben sollte. Leider ließ sich auch dieser an diesem Tag nicht blicken.
Stattdessen entdeckte ich erneut einen Zistensänger – diese kleinen Vögel scheinen hier wirklich regelmäßig anzutreffen zu sein. Einfach wunderschön!
Über das Wasser zogen zudem ein paar Rosaflamingos, doch so große Gruppen, wie ich sie im Nationalpark Coto de Doñana gesehen hatte, gab es hier nicht. Ich sah immer nur einzelne Vögel. Angeblich gibt es in der Tejo-Mündung aber auch größere Schwärme – an diesem Tag hatte ich einfach kein Glück was die Flamingos anging.
Plötzlich machte mich Rui auf einen Vogel aufmerksam – leider war er sehr weit entfernt, und ich brauchte einen Moment, ihn überhaupt zu entdecken. Es war ein Fischadler! Schade nur, dass er so weit weg war, denn auch er gehörte für mich zu den Erstbeobachtungen an diesem Tag.
Ansonsten entdeckte ich in der Tejo-Mündung noch weitere, mir bekannte Vögel: einen Seidenreiher (oberes Foto), Lachmöwen, Löffelenten, Blässhühner und einen Silberreiher (unteres linkes Foto). Außerdem begegnete mir ein Zwergtaucher (unteres rechtes Foto). Zwergtaucher sehe ich nur selten – aber einmal hatte ich sogar das Glück, sie mitten in Berlin in einem Teich schwimmen zu sehen.
Ein Vogel, der uns immer wieder über den Weg flog, war der Wellenastrild. Kannte ich ihn nicht? Doch, ich kannte ihn – viele Wellenastrilde hatte ich bereits im Botanischen Garten von Rio de Janeiro gesehen. Ich erinnerte mich noch an ihr flinkes Umherfliegen. Damals konnte ich immerhin ein Foto von ihnen machen, in der Tejo-Mündung gelang mir das leider nicht. Einer saß sogar einmal direkt vor mir – das wäre das perfekte Bild gewesen, doch ich hatte Schwierigkeiten zu fokussieren. Schade!
Nichtsdestotrotz gelang es mir, andere Vögel besser abzulichten. Dazu gehörte unter anderem der Hausrotschwanz. An einem anderen Ort schien uns ein Hausrotschwanz sogar förmlich zu begrüßen.
Doch er wirkte recht aufgeregt und lebhaft, und erst ganz am Ende gelang es mir, ihn in Ruhe zu fotografieren. Ob er sich damit von uns verabschieden wollte?
Dazwischen gab es natürlich noch viel mehr zu entdecken: Auf einem Boot saßen zwei Einfarbstare, begleitet von ein paar Haussperlingen.
Apropos Einfarbstare: In Málaga hörte ich in den Abendstunden große Starenschwärme, darunter vor allem Einfarbstare, die sich in den Bäumen sammelten. Ähnliches konnte ich auch in Tarifa beobachten. Dort sah ich, wie zahlreiche Stare am Abend in einen großen Baum einflogen, um dort die Nacht zu verbringen. Übrigens teilten sie sich diesen Schlafplatz mit einigen Kuhreihern – eine ausgesprochen spannende Beobachtung.
Nichtsdestotrotz hielt ich weiter Ausschau nach anderen Vögeln. Auf einem der Boote saß eine Bachstelze, auf einem weiteren ein Flussuferläufer – zwei Arten, die ich an diesem Tag in der Mündung des Tejo bereits beobachten konnte.
Auch im Uferbereich gab es noch viele spannende Beobachtungen. Leicht zu erkennen war für mich der Steinwälzer (links), den ich bereits von Helgoland und Borkum kannte. Zu den Steinwälzern gesellte sich außerdem ein Regenpfeifer (rechts). Diese Art war mir eigentlich ebenfalls schon vertraut – von Borkum, von Grímsey in Island und von einer früheren Beobachtung in Barbate in Andalusien. In diesem Fall handelte es sich um einen Sandregenpfeifer.
Am anderen Ende des Ufers war eine Gruppe Löffler zu sehen, leider jedoch in großer Entfernung. Sie standen ruhig im Wasser und schienen dort zu ruhen – vermutlich auch, um vor möglichen Feinden geschützt zu sein.
Von diesem Ort aus bot sich zudem ein schöner Blick auf Lissabon. Es zeigt sich also, dass man sich nicht weit von Städten entfernen muss, um lohnende Vogelbeobachtungen zu machen.
Außerdem hielt sich in der Nähe noch ein Flussuferläufer auf. Möglichst unauffällig bewegte er sich am Ufer entlang und verschwand immer wieder hinter den Uferpflanzen. Ich verhielt mich entsprechend vorsichtig, um ihn nicht zu erschrecken.
Nachdem wir uns vom Hausrotschwanz verabschiedet hatten, zogen wir weiter.
Schließlich bot sich mir an einem anderen Ort noch ein deutlich besserer Blick auf einen Stelzenläufer. Am Vormittag hatte ich ihn bereits fliegend gesehen, nun watete er vor mir durch das flache Wasser. Im Gegensatz zum Sandregenpfeifer oder zum Flussuferläufer ist der Stelzenläufer sehr leicht zu bestimmen – vor allem an seinen langen, roten Beinen.
In der Nähe der Stelzenläufer ließen sich auch einige Säbelschnäbler beobachten. Übrigens gehören Säbelschnäbler und Stelzenläufer beide zur Familie der Säbelschnäbler (Recurvirostridae) – im Deutschen ist das tatsächlich etwas verwirrend.
Leider waren die Säbelschnäbler aber zu weit entfernt, um sie gut fotografieren zu können. An einem späteren Ort sollte ich jedoch noch deutlich mehr von ihnen sehen.
An der Stelle, an der die Stelzenläufer besonders gut zu beobachten waren, zeigten sich neben den Säbelschnäblern außerdem Brandgänse, Rosaflamingos, Lachmöwen, Heringsmöwen, Sandregenpfeifer und Löffelenten. Es gab also wirklich viel zu entdecken.
Wir fuhren weiter. Und dann tauchte plötzlich ein ganz besonderer Vogel auf: der Wiedehopf.
Rückblickend war es für mich eine wirklich gute Entscheidung, an einer Tour mit einem Guide teilzunehmen. Ohne diese Begleitung hätte ich an einem einzigen Tag niemals so viele Vögel in der Tejo-Mündung entdecken können.
Auf dem Weg zum nächsten Ort legten wir erneut einen Halt ein, denn dort hielt sich ein Rotschenkel auf. Seine Beine sind entweder orangerot oder dunkelrot – daher auch sein Name.
Außerdem waren noch Bachstelzen – die scheinen ja fast überall vertreten zu sein – sowie Lachmöwen und Seeregenpfeifer zu beobachten.
Besonders ins Auge fiel auch ein Rosaflamingo, allerdings noch kein adultes Exemplar. Das ließ sich am Gefieder erkennen: Bei Rosaflamingos dauert es mehrere Jahre, bis sie ihr charakteristisches rosa Gefieder vollständig entwickeln.
Anschließend fuhren wir in einen völlig anderen Lebensraum – eine deutlich trockenere Gegend. Entsprechend fehlten hier Rosaflamingos, Löffler oder Flussuferläufer. Umso mehr freute ich mich auf weitere Vögel in der Mündung des Tejo.
Schon kurz nach Beginn unserer Erkundung begegneten uns ein Schwarzkehlchen (linkes Foto) und ein Turmfalke (rechtes Foto).
Unzählige Schwarzkehlchen hatte ich bereits ein paar Tage zuvor in Tarifa gesehen, und Turmfalken kenne ich gut aus Berlin – dort lassen sie sich regelmäßig auf dem Tempelhofer Feld beobachten.
Plötzlich entdeckte ich einen Einfarbstar, der auf einem Zaunpfahl Platz genommen hatte. Nur kurz verweilend, flog er bald davon.
Nicht weit entfernt versuchte ein Wiesenpiper, sich hinter ein paar ausgetrockneten Gräsern zu verstecken.
Auch eine Bachstelze war wieder anwesend – ihnen scheint es wirklich überall gut zu gefallen.
Mein Blick wanderte jedoch nicht nur über die ausgetrocknete Wiese, sondern auch zu den Zaunpfählen, in der Hoffnung, weitere Vögel zu entdecken. Und tatsächlich: Neben einer jungen Bachstelze und einem Schwarzkehl-Männchen nahm auch ein Zilpzalp kurz Platz.
Jede Begegnung mit einem Zilpzalp schätze ich besonders, denn diese Vögel sind schwer zu beobachten – selbst wenn man weiß, dass sie in der Nähe sind, weil sie singen.
Nach diesen Beobachtungen setzten wir unsere Fahrt ganz langsam fort, um keinen Vogel zu verpassen.
Ein Vogel, den man dabei kaum übersehen kann, ist der Mäusebussard. Im Gegensatz zu den kleineren Singvögeln ist er leicht zu entdecken – ein Mäusebussard kann sich einfach nicht gut verstecken.
Als wir weiterfuhren, entdeckten wir weitere Kiebitze auf einer ausgetrockneten Wiese, zusammen mit ein paar Pferden. Sie waren allerdings etwas weiter entfernt, sodass wir nicht lange bei ihnen verweilten und unsere Fahrt fortsetzten.
Überall erklang der Gesang der Lerchen. Ich würde nur zu gern einmal eine Haubenlerche aus nächster Nähe sehen. In Berlin kenne ich die Feldlerchen – dort haben sie mitten in der Stadt auf dem Tempelhofer Feld einen Lebensraum gefunden.
Lerchen, ob Hauben- oder Feldlerchen, lieben trockenes Grasland, und der Ort, an dem wir uns befanden, schien dafür perfekt geeignet. Schließlich setzte sich eine Haubenlerche auf einen Holzpfahl, und ich nutzte die Gelegenheit, sie zu fotografieren.
Sie war einfach wunderschön.
Wir setzten unsere Fahrt fort. Doch nur wenige Meter weiter saß schon wieder eine Haubenlerche auf einem Zaunpfahl. War es dieselbe wie eben, oder eine andere?
Lerchen sind gut zu beobachten, wenn sie auf einem Zaunpfahl sitzen – aber das tun sie nicht immer. Sie lieben trockenes Grasland und halten sich meist am Boden auf.
Es waren wirklich schöne Beobachtungen.
Danach fuhren wir zu einem völlig anderen Lebensraum – einem Ort wieder mit viel Wasser. Über uns zogen Kiebitze hinweg, und im Wasser schien es nur so vor Löffelenten zu wimmeln.
Für mich war es besonders spannend, wieder in einem so anderen Lebensraum zu sein – und das nur unweit des Stadtzentrums von Lissabon.
Da Rosaflamingos und Stelzenläufer das Wasser lieben, ließen sich auch sie hier beobachten.
Ganz in der Nähe des Ufers schwammen zwei Reiherenten – eine besondere Begegnung, denn angeblich sind sie an diesem Ort nur sehr selten zu sehen.
In einem der Gebäude lebte auch eine Schleiereule. Meistens hält sie sich offenbar in der großen Scheune auf oder versteckt sich in einem der kleineren Häuser. Jedenfalls schläft sie tagsüber.
Über uns zogen erneut die Rosaflamingos hinweg.
Nach weiteren wunderschönen Vogelbeobachtungen setzten wir unsere Fahrt wieder fort – und erneut begegneten uns zahlreiche Vögel. Bereits am Morgen hatten wir eine Rohrweihe gesehen, nun zeigte sich eine weitere, dieses Mal war sie etwas leichter zu beobachten.
Auf dem Weg zu unserem letzten Beobachtungsort entdeckten wir noch einen Kormoran mit einem dicken Fisch im Schnabel. Immer wieder tauchten auch Steinschmätzer auf – manchmal ganz nah am Auto, doch ich schaffte es nicht, ein einziges Foto von ihnen aus dem Fahrzeug heraus zu fokussieren.
Unser Ziel war schließlich ein Naturschutzzentrum, das regelmäßig auch Schulklassen empfängt. Es ist wirklich großartig, dass es Orte gibt, an denen junge Menschen die Natur hautnah erleben können.
Leider begann es gegen Ende des Tages leicht zu nieseln, doch zum Glück war es nicht stark. In den Beobachtungshäuschen waren wir ohnehin gut geschützt. An diesem Naturschutzzentrum gibt es mehrere solcher Häuschen, von denen aus man Wasservögel in Ruhe beobachten kann.
Einer der ersten Vögel, der meine Aufmerksamkeit auf sich zog, war eine Ralle. Es war weder ein Blässhuhn noch ein Teichhuhn – ebenfalls beides Rallenarten. Nein, es handelte sich um ein Purpurhuhn.
Angeblich ist es keine alltägliche Erscheinung, dort ein Purpurhuhn zu beobachten, was diese Begegnung besonders machte.
Im Gegensatz zu Teich- und Blässhuhn ist das Purpurhuhn deutlich größer. Dank seiner langen Beine und Zehen kann es mühelos auch durch dichte Vegetation klettern. Ich verfolgte fasziniert, wie die Ralle langsam durchs Wasser schritt.
In dem Teich waren verschiedene Vogelarten zu beobachten, und ich musste ganz genau hinschauen. Manche Arten entdeckte ich sogar erst später zu Hause, beim Durchsehen meiner Fotos.
Natürlich fielen mir die Kiebitze auf, die entweder über uns hinwegflogen oder auf einer kleinen Insel rasteten. Den Kampfläufer bemerkte ich hingegen erst später – vermutlich war er nicht die ganze Zeit dort, so wie die Kiebitze, die schließlich ebenfalls wieder weiterzogen.
Etwas abseits stand ein Graureiher im Wasser.
Auch Stelzenläufer waren zahlreich zu beobachten, und hinter einem von ihnen schwamm eine Krickente.
Ich musste sehr genau hinschauen, um keinen Vogel zu übersehen.
Besonders auffällig waren die Stelzenläufer, Säbelschnäbler und Uferschnepfen, die nur wenige Meter vor mir im Teich standen. Sie schienen sich nebeneinander überhaupt nicht zu stören – trotz der unterschiedlichen Arten. Vielleicht fühlen sie sich so besser vor ihren Feinden geschützt?
Einzelne Stelzenläufer erkundeten die Umgebung und hielten sich etwas von der Gruppe entfernt. Auch bei den Uferschnepfen gab es vereinzelte Einzelgänger.
Offensichtlich waren sie auf Nahrungssuche.
Ein Vogel, der mir bereits auf Island begegnet war, ist die Bekassine – wirklich spannend! So viele Vögel habe ich schon auf Island gesehen und nun auch hier in Portugal: Rotschenkel, Sandregenpfeifer – und die Bekassine.
Wirklich auffällig ist die Bekassine eigentlich nicht. Sie ist ungefähr so groß wie eine Amsel und ihr bräunliches Gefieder dient perfekt zur Tarnung. Auffällig sind jedoch die Streifen auf ihrem Kopf und ihr langer Schnabel.
Immer wieder zogen die Kiebitze über uns hinweg – es war wirklich viel los. Angeblich soll an anderen Tagen noch mehr Betrieb herrschen.
Doch die Kiebitze kehrten nicht mehr zurück. Zwar waren sie noch gelegentlich am Himmel zu hören, auf der kleinen Insel mitten im Teich kamen sie jedoch nicht mehr zum Rasten.
Hatte das vielleicht mit der Rohrweihe zu tun, die scheinbar den Teich nach Beute absuchte? Wobei Kiebitze eigentlich gar nicht auf dem Speiseplan einer Rohrweihe stehen sollten.
Nichtsdestotrotz entdeckte ich vor mir noch eine weitere für mich neue Art: einen Dunkelwasserläufer.
Nach dieser schönen Beobachtung blieben wir noch eine Weile am Teich stehen und hielten Ausschau nach weiteren Vögeln. Doch langsam wurde es Zeit, den Rückweg anzutreten.
Der Tag neigte sich langsam dem Ende zu. Es war noch nicht dunkel, doch wir mussten uns allmählich auf den Rückweg machen. Auf der Fahrt kamen wir noch an den Braunsichlern vorbei. Ich hoffte auf eine große Gruppe Rosaflamingos, doch an diesem Tag blieb mir das Glück verwehrt. Aber das ist eben das Besondere an der Wildtierbeobachtung – man weiß nie, was einen erwartet.
Und auf die Braunsichler freute ich mich ja auch.
In der Nähe der Braunsichler, wo das Wasser stand, tauchten plötzlich wieder ein paar Kiebitze auf. Wer also unbedingt einmal einen Kiebitz sehen möchte, findet in der Tejo-Mündung bei Lissabon einen guten Ort dafür. Allerdings bleibt offen, wie es an anderen Tagen aussieht.
Da es allmählich dunkel wurde, mussten wir losfahren – bei Dunkelheit durch diese Gegend zu fahren ist nicht ganz ungefährlich. Bleibt das Auto stecken, müsste es im Dunkeln wieder herausgezogen werden.
Bei den Graugänsen legten wir noch einen kurzen Halt ein.
Das Gleiche galt für einen Wanderfalken, der auf einem Strommast saß.
Einen nahen Verwandten, den Turmfalken, hatten wir ja bereits am frühen Nachmittag beobachten können.
Doch dann fuhren wir weiter, vorbei an Feldern voller Möwen und Braunsichler, die sich erstaunlicherweise überhaupt nicht zu stören schienen. Bevor es schließlich wirklich zurück ins Stadtzentrum ging, hielten wir noch kurz für einen Bergpieper und eine Gruppe Weißstörche. Es hörte einfach nicht auf – überall gab es etwas zu entdecken.
Insgesamt zählte Rui an diesem Tag 84 Vogelarten. Ich selbst habe zwar ein paar weniger gesehen, aber bei mir waren es trotzdem über 70.
Nach so einem langen Tag wurde ich allmählich müde. Am folgenden Tag war schlechtes Wetter angesagt – so schlecht, dass man nicht einmal in den Parks der Stadt Vögel hätte beobachten können, ohne nass zu werden. Stattdessen besuchte ich das Ozeaneum.
Ich hätte gerne noch eine Vogeltour am Fluss Sado unternommen. Da es diesmal nicht klappte, bleibt wohl ein Grund, noch einmal nach Lissabon zurückzukehren – für weitere Vogelbeobachtungen.
Information: Weitere Vögel, die an diesem Tag zu sehen waren – von denen ich allerdings nicht alle selbst beobachten konnte – waren Nilgans, Schnatterente, Stockente, Spießente, Felsentaube, Türkentaube, Teichhuhn, Grünschenkel, Alpenstrandläufer, Schwarzkopfmöwe, Brandseeschwalbe, Gleitaar, Kornweihe, Rabenkrähe, Star, Kleiber, Seidensänger, Samtkopf-Grasmücke, Tahaweber, Buchfink, Grünfink, Bluthänfling, Stieglitz, Girlitz, Grauammer.
Praktische Informationen
Unterkunft
Ich übernachtete in einer Unterkunft in der Rua dos Cavaleiros in Santa Maria. Ein großer Vorteil war die Nähe zu vielen interessanten Orten in der Stadt. Allerdings war es abends und nachts in der Straße immer wieder laut. Für vier Nächte zahlte ich 217,77 Euro. Die Unterkunft selbst war ordentlich und vollkommen in Ordnung.
Anreise
Ich reiste mit dem Busunternehmen Alsa von Sevilla nach Lissabon. Die Fahrt begann um 8:00 Uhr, und um 13:30 Uhr kam ich am Busbahnhof Sete Rios in Lissabon an. Für die einfache Fahrt bezahlte ich 31,00 Euro. Von Sete Rios aus nahm ich die Metro bis Martim Moniz – die Fahrt dauert ungefähr 20 Minuten.
Mehr Informationen
Vögel beobachten mit Rui von Portugal Birding
Bestimmungshilfe mit iNaturalist
Liste aller Beobachtungen auf eBird
Vögel rund um Lissabon auf dem Blog Travelinspired
Weitere Blog-Artikel über Vögel auf der Iberischen Halbinsel:
Vögel beobachten in Tarifa, Spanien
Einfarbstare in Tarifa, Spanien
Vögel in Barbate, Spanien
Warst du schon mal Vögel in der Tejo-Mündung beobachten? Oder vielleicht an einem anderen Ort in der Umgebung von Lissabon? Hinterlasse gerne einen Kommentar und berichte von deinen Vogelbeobachtungen.