Die Stunde der Wintervögel: Vögel zählen im Januar

Wie mittlerweile jedes Jahr ruft der Naturschutzbund NABU im Januar zur deutschlandweiten Mitmachaktion Stunde der Wintervögel auf. Bei dieser Aktion handelt es sich um ein Citizen Science Projekt (auch unter dem Namen Bürgerwissenschaft bekannt), bei dem Vögel gezählt werden sollen. Im Januar 2020 fand die Stunde der Wintervögel am zweiten Wochenende vom 10. bis 12. Januar statt.

Welcher Vogel lässt sich im Januar am meisten beobachten? Welche Vögel werden weniger? Und warum könnte der eine Vogel häufiger und der andere Vogel seltener werden? Genau um diese Fragen geht es bei der deutschlandweiten Mitmachaktion des NABUs Stunde der Wintervögel. Am zweiten Wochenende im Januar hat der NABU zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) nun zum 10. Mal zu dieser deutschlandweiten Zählaktion aufgerufen. Natürlich machte auch ich dieses Jahr mit. Denn je mehr mitmachen, desto mehr Informationen erhalten wir über die verschiendenen Vogelpopulationen in Deutschland. Es geht weniger darum, exakte Bestandszahlen der Vögel zu erfassen. Vielmehr will man mit diesem Citizen Science Projekt herausfinden, ob irgendwelche Trends was das Vorkommen der Vögel in Deutschland angeht zu erkennen sind.

Im letzten Jahr führte der Haussperling (Passer domesticus) die Rangliste an. Gefolgt von Kohlmeise (Parus major) und Feldsperling (Passer montanus). Wird der Haussperling auch 2020 der am meisten beobachtete Vogel sein?

Stunde der Wintervögel

Bürgerwissenschaftler/in sein und mitmachen!

Mitmachen bei der Stunde der Wintervögel ist ganz einfach. Und zwar nimmt man sich eine Stunde am Freitag, Samstag oder Sonntag Zeit und beobachtet in dieser Stunde alle vorbeifliegenden Vögel. Das kann im Garten sein. Oder am Fenster. Man kann die Vögel aber auch in einem nahegelegenen Park in der Stadt zählen. Während dieser Stunde notiert man sich dann alle Vögel, die man gesehen hat. Zu beachten ist allerdings, dass man von jeder Art immer nur die höchste Zahl an Tieren, die man gleichzeitig gesehen hat, aufschreibt. Das heißt, wenn man zum Beispiel zwei Blaumeisen sieht und später drei, notiert man sich nicht fünf Blaumeisen, sondern drei (höchste Zahl). Dadurch sollen Doppelzählungen vermieden werden. Alle Vogelbeobachtungen können dann auf der Seite des NABUs zum Beispiel über ein Online-Formular mitgeteilt werden.

Stunde der Wintervögel verpasst? Falls du die Stunde der Wintervögel dieses Jahr verpasst hast oder keine Zeit hattest, dann kannst du dir jetzt schon mal das Wochenende vom 8. bis 10 Mai 2020 vormerken. Denn an diesem Maiwochenende findet die Stunde der Gartenvögel statt, bei dem du auch/wieder bei der Aktion mitmachen und Vögel zählen kannst.

Ergebnisse der Stunde der Wintervögel

Der häufigste Vogel bei der Stunde der Wintervögel im Siedlungsraum in 2020 war wie auch schon ein Jahr zuvor der Haussperling. Hinter dem Haussperling folgen Kohlmeise, Blaumeise (Cyanistes caeruleus), Feldsperling und Amsel (Turdus merula). Das sind also derzeit wohl die am häufigsten Vögel in Deutschland.

Insgesamt nahmen 113.000 Personen bei der Stunde der Wintervögel teil, die Vögel aus 77.000 Gärten und Parks zählten. Da etwa 2,9 Millionen Vögel gezählt wurden, kann man sagen, dass es im Durchschnitt etwa 38 Vögel pro Garten bzw. Park gibt.

Generell lässt sich mittlerweile aus den zehn Jahren feststellen, dass sich in milderen und schneeärmeren Wintern, weniger Vögel in den Gärten aufhalten. Vermutlich liegt das daran, weil sie in wärmeren Wintern andernorts auch Nahrung finden.

Auf der Internetseite des NABUs erhält man eine vollständige Auflistung der Vogelarten, die bei der Stunde der Wintervögel im Jahr 2020 und in den Jahren zuvor gezählt wurden. Dort findet man außerdem eine Rangliste der Vögel und eine Karte in der ersichtlich ist, wo und wie häufig eine Vogelart beobachtet wurde.

Ergebnisse analysieren: Aus der Rangliste lassen sich einige interessante Beobachtungen feststellen. Während zum Beispiel die Anzahl an Eichelhäher (Garrulus glandarius) um 101% zugenommen hat, nahm die Zahl der Buchfinken (Fringilla coelebs) im Vergleich zum Vorjahr um 23% ab. Man kann sich sehr viel Zeit nehmen, die Ergebnisse zu analysieren, um Vermutungen aufzustellen, warum es von der einen Vogelart mehr und von der anderen wohl weniger gibt.

Beobachtungen im Berliner Tiergarten

Da ich nicht die Möglichkeit hatte, Vögel vom Garten, Balkon oder Fenster aus zu beobachten (außer ein paar Elster würde sich kein Vogel in den Hinterhof verirren...), entschied ich mich, in den Berliner Tiergarten zu gehen. Denn ich wusste schon, dass sich dort einige Vögel aufhalten. Ich bewegte mich nur in einem kleinen Bereich des Tiergartens in der Nähe der Luiseninsel. Obwohl der Tiergarten mitten in der Stadt liegt und der Stadtpark sehr aufgeräumt wirkt, sah ich einige Vögel dort.

Im folgenden Abschnitt präsentiere ich die Vögel, die ich in einer Stunde im Berliner Tiergarten sah.

Stunde der Wintervögel

Besonders häufig traf ich auf Kohl- und Blaumeisen, aber auch Kleiber und Amseln. Das waren die häufigsten Vögel, auf die ich im Tiergarten in Berlin traf. In einem Moment sah ich aber auch mehrere Ringeltauben von Weitem auf einem Baum rasten. Eine ganz besondere Begegnung war die mit einem Mäusebussard.

Buntspecht (Dendrocopos major)

Buntspecht

Der erste Vogel, den ich am Anfang der Stunde sah, war ein Buntspecht. Ganz oben auf einem Baum bewegte er sich schnell von einem Ast zum nächsten. Bei der Stunde der Wintervögel erreichte der Bundspecht Rang Nummer 14. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Anzahl der Buntspechte um 14% zu. Besonders häufig beobachtete man ihn im Süden und Osten Deutschlands, aber auch im Westen im Saarland.

Buchfink (Fringilla coelebs)

Buchfink

Buchfinken wurden dieses Jahr vor allem im Süden und Westen Deutschlands gezählt. Trotzdem begegneten mir im Tiergarten vier Buchfinken. Bundesweit landete der Buchfink bei der Stunde der Wintervögel auf Rang 7. In Berlin erreichte er dagegen nur Rang 19. Sein Bestand nahm in Deutschland allerdings im Vergleich zum Vorjahr um 23% ab.

Bergfink (Fringilla montifringilla)

Bergfink

Während ich in Berlin doch recht häufig vor allem im Frühling und Sommer auf Buchfinken treffe, begegnen mir Bergfinken eher selten. Umso mehr freute ich mich auf die Sichtung eines Bergfinken im Berliner Tiergarten. Der Bergfink landete nur auf Platz 31 im Vergleich zu den anderen Vögeln, wobei er besonders häufig in Hamburg (über 1.200 Mal) gesichtet wurde. In Berlin wurde er dagegen nur gut 150 Mal gesehen und landete somit in der Hauptstadt nur auf Platz 34 (also 3 Plätze weniger als im bundesweiten Durchschnitt). Beim Bergfink lässt sich außerdem ein deutschlandweiter Rückgang von 53% feststellen.

Amsel (Turdus merula)

Amsel
Stunde der Wintervögel

Die Amsel gehört neben den zwei Sperlingen (Haus- und Feldsperling) und Meisen (Kohl- und Blaumeise) zu den häufigsten Vögeln, die sich in Deutschlands Gärten und Parks aufhalten. Auch ich begegnete vielen Amseln im Berliner Tiergarten. Mal flogen die Männchen schnell an mir vorbei oder rasteten auf einem Baum und mal wüschelte ein Weibchen in den Blättern auf dem Boden herum. Mir begegneten immer wieder Amseln in der einen Stunde. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Anzahl der Amseln im Vergleich zum Vorjahr um 2% zu. In Berlin nahm der Bestand um 21% ab. Dennoch landete die Amsel sowohl bundesweit als auch in Berlin auf dem fünften Rang.

Kleiber (Sitta europaea)

Stunde der Wintervögel

In der einen Stunde, die ich im Tiergarten verbrachte, begegnete ich immer wieder Kleiber. Da man immer nur die höchste Zahl der Vögel, die man gleichzeitig sieht, zählen darf, kam ich letztendlich nur auf zwei Kleiber. Ich sah in der Stunde niemals mehr als zwei Kleiber gleichzeitig. Vielleicht waren es aber doch mehr? Schnell bewegten sie sich fort und liefen die Baumstämme hinauf oder herunter. Ein Kleiber aber hielt sich in der Nähe der Futterstelle im Park auf. Deutschlandweit landete der Kleiber auf Rang 15, in Berlin dagegen nur auf Platz 20. In Berlin nahm die Anzahl an Kleiber sogar um 7% ab. Hat das was mit dem relativ milden Winter zu tun? Allerdings nahm die Zahl der Kleiber deutschlandweit um 21% zu. Interessant zu erwähnen ist allerdings hier auch noch, dass in Brandenburg mehr als doppelt so viele Kleiber gezählt wurden als in Berlin.

Rotkehlchen (Erithacus rubecula)

Rotkehlchen

Besonders gespannt war ich auf das Ergebnis der Rotkehlchen, weil ich gefühlt immer auf mehr Rotkehlchen (auch im Winter) zu treffen scheine. Bundesweit erreichte das Rotkehlchen den Rang 11, wobei die Zahl der Rotkehlchen nur leicht um 1% im Vergleich zum Vorjahr stieg. Besonders häufig lässt es sich wohl in Westdeutschland beobachten. In Berlin landete das Rotkehlchen auch auf Rang 11, aber es ließen sich 3% weniger von ihnen in der Stadt beobachten als im Jahr zuvor. Ähnlich wie beim Kleiber, lassen sich mehr Rotkehlchen in Brandenburg als in Berlin sehen.

Kohlmeise (Parus major)

Kohlmeise

Da ich neben den Amseln auch so viele Meisen wie die Kohlmeise sah, hätte ich eine der beiden Meisenarten an erster Position vermutet. In Berlin (sowie auch bundesweit) lag die Kohlmeise aber „nur“ auf Rang 2. Ihr Bestand schien aber um 10% im Vergleich zum Vorjahr in Deutschland zugenommen zu haben (in Berlin sank er dagegen um 3%). Die Kohlmeise scheint überall in Deutschland ein recht häufiger Vogel zu sein. Außer in Schleswig-Holstein wurden pro Garten weniger Vögel gezählt.

Blaumeise (Cyanistes caeruleus)

Blaumeise

Sehr geschäftig waren am Tag der Stunde der Wintervögel auch die Blaumeisen. Sie flogen von einem Ast zum nächsten. Von einem Baum zum anderen. Die Blaumeise erreichte nach der Kohlmeise den 3. Rang in Deutschland. Auch in Berlin kam sie auf Rang 3, wobei die Anzahl ganz leicht um 1% im Vergleich zum Vorjahr in der Stadt abgenommen hat. Bundesweit nahm die Zahl der Sichtungen dagegen um 10% zu. Die Zahl der Blaumeisen pro Garten scheint deutschlandweit mehr oder weniger homogen zu sein. Nur in den Großstädten wie Hamburg und Berlin scheinen etwas weniger Blaumeisen pro Garten vorbeizuschauen.

Mandarinente (Aix galericulata)

Mandarinente

Da Mandarinenten ihr natürliches Verbreitungsgebiet eigentlich in Ostasien haben, war ich auf die Ergebnisse was diese Vögel betrifft besonders neugierig. Im bundesweiten Vergleich erreichte die Mandarinente nur Rang 83, aber die Sichtungen nahmen bei der Stunde der Wintervögel um 104% zu (in Berlin nahm sie um 3% ab). Die meisten Mandarinenten wurden in Brandenburg und Berlin gezählt. Danach folgen Sachsen-Anhalt und Sachsen. Auch in Bayern wurden einige Mandarinenten gesehen, wobei sie vergleichsweise nur in wenigen Gärten bzw. Parks gesehen wurden. Nur vereinzelte oder keine Mandarinenten wurden dagegen in den restlichen Bundesländern gezählt. Ist die Mandarinente gerade dabei, sich von Ostdeutschland nach Westdeutschland auszubreiten, da das Verbreitungsgebiet dieser Vögel im letzten Jahr wahrscheinlich sogar noch eingeschränkter war?

Stockente (Anas platyrhynchos)

Stockente

Ein Vogel, dem ich gefühlt überall begegne und mir daher gar nicht mehr so auffällt, ist die Stockente. Obwohl in Bayern mehr Stockenten gezählt wurden, scheint die Dichte vor allem in Berlin am größten zu sein. Auch wenn ich den Stockenten recht häufig begegne, landeten sie im deutschlandweiten Vergleich nur auf Rang 34. Die Anzahl der gemeldeten Sichtungen nahm allerdings im Vergleich zum Vorjahr sowohl bundesweit als auch in Berlin um 13% zu. In Berlin erreichte die Stockente den 18. Rang.

Kolkrabe (Corvus corax)

Kolkrabe

Der Kolkrabe erreichte bei der Stunde der Wintervögel den 35. Rang. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Anzahl dieser gezählten Vögel in Deutschland um 26% zu. In Berlin dagegen landete er auf dem 36. Rang mit einer Abnahme von 4 % im Vergleich zum Vorjahr. Im Vergleich zu anderen Regionen wurde er in Berlin gar nicht so häufig an dem Wochenende bei der Zählaktion gesehen.

Ringeltaube (Columba palumbus)

Stunde der Wintervögel

Als die Stunde meiner Zählungen schon fast vorbei war, flogen am Himmel noch einige Ringeltauben in den Tiergarten. Da sie auf den Ästen eines Baumes rasteten, konnte ich sie zählen. Besonders viele Ringeltauben wurden bei der Stunde der Wintervögel in Westdeutschland wie in Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen gezählt. Bundesweit kam sie auf den 10. Rang und die Anzahl der Sichtungen nahm um 12% zu. In Berlin erreichte sie sogar den 6. Rang, wobei die Zahl der Ringeltauben nur um 5% anstieg.

Mäusebussard (Buteo buteo)

Mäusebussard

Besonders gefreut habe ich mich auf den Mäusebussard. In Berlin landete er nämlich nur auf dem 43. Rang. Die Anzahl der Sichtungen nahm allerdings in der Stadt um 20% zu. Bundesweit erreichte der Mäusebussard den 38. Rang und die Zahl der gezählten Vögel nahm sogar um 34% zu. Wenn man bedenkt, dass bei der Stunde der Wintervögel nur 118 Mäusebussarde in der Stadt gezählt wurden, freue ich mich umso mehr, einen von ihnen gesehen zu haben. Die meisten Mäusebussarde wurden übrigens in Nordrhein-Westfalen (>1.700) gezählt.

Mehr Informationen und Quellen

Ergebnisse der Stunde der Wintervögel auf der Internetseite des NABUs

Zusammenfassung des NABUs über die Stunde der Wintervögel im Januar 2020

Offizielle Internetseite des Landesbunds für Vogelschutz in Bayern (LBV)

Hast du auch bei der Stunde der Wintervögel teilgenommen? Wenn ja, welche Vögel hast du besonders häufig gesehen? Oder gibt es andere Citizen Science Projekte, bei denen du schon mitgemacht hast? Lasse es mich doch in den Kommentaren wissen.

Stunde der Wintervögel
Stunde der Wintervögel

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